Wie Stephen Miller Trumps Migrationspolitik in den USA prägt

    Analyse

    Schattenmann im Weißen Haus:Der Mann, der Trumps Migrationspolitik lenkt

    Katharina Schuster
    von Katharina Schuster, Washington D.C.
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    Vom Redenschreiber zum mächtigen Strippenzieher: Stephen Miller gilt als treibende Kraft hinter Trumps Einwanderungspolitik. Wer ist der Mann, der im Schatten Trumps agiert?

    Trumps Heimatschutzberater Stephen Miller
    Miller kam 2016 in den Fokus - als Redenschreiber für Trump.
    Quelle: AFP

    Es war laut im New Yorker Madison Square Garden, als Stephen Miller auf die Wahlkampfbühne tritt. Im grauen Anzug, mit blau-gestreifter Krawatte und Einstecktuch stellt er sich ins grelle Scheinwerferlicht. Er weiß: Nicht für ihn sind fast 20.000 Menschen in die berühmte Mehrzweckhalle in Manhatten gekommen, sondern für Donald Trump. Miller ist Nebenfigur, Trumps Einheizer. "Amerika ist für Amerikaner!", ruft Miller ins Mikrofon. Applaus aus der Menge.
    Das war im Oktober 2024, kurz vor der US-Präsidentschaftswahl. Damals war Miller noch Trumps wortgewaltiger Einpeitscher auf den Bühnen des Landes. Heute, knapp vier Monate später, hat sich seine Rolle gewandelt. Mit 39 Jahren ist er stellvertretender Stabschef und Heimatschutzberater im Weißen Haus - und damit eine der mächtigsten nicht gewählten Figuren der US-Regierung.

    Welchen Einfluss hat der Heimatschutzberater?

    Sein Titel klingt bürokratisch, nicht wirklich beeindruckend, doch seine Macht reicht weit. Viele der umstrittenen Dekrete, die Trump mit schwungvoller Unterschrift gleich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit verkündete, sollen aus Millers Feder stammen. Darunter: die Abschaffung des Geburtsortsprinzips, das Neugeborenen in den USA automatisch die Staatsbürgerschaft verleiht.
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    Auch die groß angelegten Massenabschiebungen, die Trump angekündigt hat, sollen Millers Handschrift tragen. Schon im November 2023 beschrieb der rechte Hardliner die Pläne in einem Interview mit der "New York Times": "Trump wird das enorme Arsenal der Staatsmacht entfesseln, um die spektakulärste Migrationsbekämpfung durchzusetzen."
    Jonathan Swan, Reporter im Weißen Haus für die "New York Times", nennt ihn im Podcast "The Daily" einen der "mächtigsten Akteure" der Regierung. Swan geht sogar so weit zu sagen: "Ich könnte behaupten, dass er eine der mächtigsten, wenn nicht sogar die mächtigste nicht gewählte Person in Amerika im Moment ist."
    Was feststeht: Als Heimatschutzberater ist Miller der zentrale Mann für die Migrationspolitik in Trumps zweiter Amtszeit.
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    Ex-Regierungsmitarbeiter: Miller ist "äußerst effektiv"

    Geboren in Santa Monica, Kalifornien, wächst Stephen Miller in einem jüdischen Haushalt auf. Während seine Umgebung liberal geprägt ist, entwickelt er früh konservative Überzeugungen. Nach dem Studium arbeitet er für den migrationskritischen Senator Jeff Sessions. Bei dem Republikaner lernt er das politische Handwerk - und knüpft die Kontakte, die ihn 2016 in Trumps Wahlkampfteam bringen. Seitdem gilt er als treuer Gefolgsmann Trumps.
    Als Redenschreiber und Politikberater hilft Miller, die Rhetorik und die politischen Botschaften zu entwickeln, die Trumps Wahlkampf prägen. Seine Worte befeuern Versammlungen, seine Strategien formen Gesetze.
    Seine Arbeitsweise sei "äußerst effektiv", betont Matthew Barlett, Mitarbeiter in der ersten Trump-Administration, gegenüber ZDFheute und hebt Millers Fähigkeit hervor, sowohl im Fernsehen als auch in der Öffentlichkeit als Kommunikator zu glänzen. Unter seiner Federführung kam es in Trumps erster Amtszeit zur Trennung von Tausenden Migrantenkindern von ihren Eltern an der Grenze. Ein politischer Skandal, der weltweite Empörung hervorrief.
    Millers eigene Familiengeschichte soll jedoch im Kontrast zu seinen Überzeugungen stehen. 2018 enthüllt sein Onkel, David Glosser, dass Millers jüdische Vorfahren einst vor Pogromen aus dem Russischen Reich flohen. "Ohne die offenen Einwanderungsgesetze jener Zeit", schreibt Glosser, "wären wir nicht hier".
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    Ein Mann im Schatten, Politik mit Folgen

    Während andere Trump-Vertraute in Ungnade fielen, blieb Miller stets unangetastet. Gerade in Bezug auf seine Äußerungen zu Migranten listet die Watchdog-Gruppe Southern Poverty Law Center (SPLC) Miller als Extremisten. Veröffentlichte E-Mails aus dem Jahr 2019 legen Verbindungen zu rechtsextremen Ideologien nahe. Die Bürgerrechtsorganisation will Rassismus und Hass bekämpfen. Konservative und rechte Gruppen kritisieren SPLC als "voreingenommen".
    Miller bleibt unbeirrt. "Wir werden eine umfassende, koordinierte, behördenübergreifende Operation durchführen, um das Heimatland zu verteidigen und die Invasion abzuwehren", sagte er kürzlich in einem Interview mit Fox News. Er ist kein Mann der Kompromisse.
    Der republikanische Hardliner, der im New Yorker Madison Square Garden die "Amerika ist für Amerikaner"-Rufe anstimmte, hat die Macht, im Hintergrund die politische Landschaft des Landes zu gestalten. Ein Mann im Schatten, eine Politik mit Folgen.
    Katharina Schuster ist Reporterin im ZDF-Studio in Washington D.C.

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