US-Wahl 2024: Ex-Berater Bannon über Donald Trumps Pläne

    US-Wahl 2024:Einblicke in Trumps Pläne: In Bannons Studio

    Elmar Theveßen
    von Elmar Theveßen, Washington
    |

    Diktaturgelüste, Verschwörungstheorien und Lob für die AfD: Ein Besuch im Basement von Ex-Trump-Berater Steve Bannon zeigt, was von einem wiedergewählten Trump zu erwarten wäre.

    Im Studio des Ex-Beraters von Donald Trump, interviewt das ZDF-Team Steve Bannon.
    Im Untergeschoss von Trumps Ex-Berater Steve Bannon: Auf dessen Schreibtisch eine Büste von Julius Cäsar.
    Quelle: ZDF

    Mitten auf dem Tisch steht eine Büste von Julius Cäsar, römischer Feldherr, ab 46 vor Christus auch Diktator. Willkommen im Reich von Steve Bannon, dem ehemaligen Berater von Donald Trump. Im Untergeschoss seines Hauses in Washington befindet sich das Studio für seine Talksendung, die er zweimal täglich über Social Media verbreitet. Kaum einer kennt die Grundzüge des Trumpismus und dessen Anführer wie er.
    Die ersten Vorwahlen in Iowa und New Hampshire haben gezeigt, dass Trump im November wieder Präsident werden könnte. Was dann zu erwarten wäre, zeigt sich in Bannons Basement.
    Ex-Präsident Trump in New Hampshire; im Hintergrund US-Flaggen.
    Eine Kandidatur des Ex-Präsidenten wird immer wahrscheinlicher: Nach dem Sieg in Iowa landete Trump auch bei der zweiten Vorwahl der Republikaner vor seiner Konkurrentin Haley. 24.01.2024 | 1:27 min

    Bannon wettert gegen Nikki Haley

    Bannon lässt erstmal Dampf ab über Nikki Haley, die nicht aus dem Präsidentschaftswahlkampf aussteigen will. Sie werde von der "superreichen Globalisierungselite" finanziert, um bei den weiteren Vorwahlen Delegiertenstimmen einzusammeln und "einen Platz am Tisch zu fordern als Vizepräsidentschaftskandidatin oder Verteidigungsministerin."
    Bannon sieht darin einen Versuch, Trump auszubremsen: "Sie wollen dieses Bazillus, diesen Virus in unser System einschleusen. Noch haben wir die Chance eine reine, nationalpopulistische Bewegung zu sein, die keinem verpflichtet ist, wenn wir im November übernehmen."

    Trumpisten wollen "administrativen Staat zerstören"

    Bannon bestreitet, dass Trump sich zum Diktator aufschwingen will, auch wenn manche in der rechten Szene von einem sogenannten "Roten Cäsar" träumen - rot ist die Farbe der republikanischen Partei.
    Nein, Trump wolle das nicht sein, aber natürlich werde er gleich nach Amtsantritt tausende von Regierungsmitarbeitern durch loyale Gefolgsleute ersetzen: "Das machen wir nach dem überwältigenden Sieg, das Volk will das. Wir zerstören den administrativen Staat - Stein um Stein." Die Trumpisten sind überzeugt, dass ihr Anführer anders als beim letzten Mal freie Bahn haben sollte beim Regieren, so wie es die Gründungsväter Amerikas immer vorgesehen hätten.
    Joe Biden umgeben von einigen Wähler:innen
    Präsident Joe Biden eröffnet in South Carolina die Vorwahlen der Demokraten. Dort setzt er bei der Wählerklientel vor allem auf die Schwarzen.31.01.2024 | 6:24 min
    Trump sei kein Caesar, sondern ein Cincinnatus. Dieser wurde vom römischen Senat aus dem Ruhestand ins Diktatorenamt berufen, um eine Rebellion niederzuschlagen. Deshalb komme nun auch Trump aus dem politischen Ruhestand zurück.
    Der Vergleich hinkt, denn Cincinnatus gab sein Amt nach kurzem Feldzug freiwillig wieder zurück, anders als Trump, der am 6. Januar 2021 selbst eine Rebellion anzettelte, statt sie zu bekämpfen. Bannon sieht das naturgemäß anders: Trump habe "verstanden, dass er die Republik retten muss, weil die Wahl gestohlen wurde", lügt er. Denn die Wahl wurde nicht gestohlen - nachweislich und gerichtsfest.

    Trumps erste Schritte als US-Präsident

    Nach Erdrutschsieg in Iowa
    :Wie die jungen Republikaner zu Trump stehen

    Es kam wie erwartet: Trump hat die Vorwahlen in Iowa haushoch gewonnen. Viele junge Republikaner hätten sich das anders gewünscht. Sie wollen einen breiter "wählbaren" Kandidaten.
    Anna Kleiser, Des Moines (Iowa)
    Zwei Menschen, die aus einem Haus gehen, durch den Schnee
    mit Video
    Sollte Trump die US-Wahlen 2024 gewinnen, gebe es einen festen Plan, so Bannon: "Wenn er übernimmt, müssen zwei Dinge sofort passieren. Massive Haushaltskürzungen - das wird die Armen treffen, das verstehe ich - und wir müssen die Grenze versiegeln und 8 Millionen illegale Eindringlinge deportieren."
    Dass Trump Zuwanderer "Invasoren" nennt, die "das Blut Amerikas vergiften" - das sei nicht die Sprache von Tyrannen, sondern nur die Wahrheit, findet Bannon. Kurz darauf lobt er die Alternative für Deutschland als Teil der "globalen populistischen Revolte", ihre Anhänger als "fantastische Patrioten".
    Auf Nachfrage nach der extremistischen, rassistischen, gewaltbereiten Strömung innerhalb der AfD, mimt er Unwissenheit: "Ich weiß nichts von Aufrufen zu Gewalt, ich habe keine Ahnung von Details."
    Donald Trump
    Als Trump die Präsidentschaftswahl gegen Joe Biden verlor, war die Erleichterung groß - zunächst. Doch Trump will erneut Präsident werden und seine Chancen stehen gut.28.01.2024 | 3:59 min

    Berater von Clinton: Trump als Bedrohung für die Demokratie

    Und dann zweifelt Bannon an, dass die Hunderttausenden von Menschen, die in Deutschland gegen die AfD protestierten, von guten Absichten getrieben wurden. Das sei zwar ein Zeichen für eine robuste Demokratie, "aber wer weiß, wie viel davon durch die Geheimdienste gesteuert war." Es ist ein wildes Gemisch aus solchen haltlosen Verschwörungstheorien, nachweislichen Lügen und düsteren Drohungen zu einer Vielzahl von Themen, die Bannon in seinem Untergeschoss anspricht.
    Beim Einordnen hilft eine Einschätzung von Paul Begala, dem ehemaligen Berater von Präsident Clinton: "Mr. Trump lügt immer, außer wenn er eine Drohung ausstößt, denn die macht er meistens wahr. Deshalb sollten wir das sehr ernst nehmen", so Begala. "Trump ist eine existentielle Bedrohung für die NATO. Er hat gesagt, dass er Journalisten den Prozess machen will, dass er seinen politischen Gegnern den Prozess machen will. Wir sollten ihm glauben.
    All das ist eine existentielle Bedrohung für die amerikanische Demokratie." Bannon mag behaupten, dass Trump kein Diktator sein will, kein roter Caesar, aber die Drohungen im Wahlkampf sind eindeutig. Insofern passt sie ganz gut in Bannons Basement, die Büste des römischen Diktators Julius Cäsar.
    Elmar Theveßen leitet das ZDF-Studio in Washington.

    Trump-Anhänger in Europa
    :Wird 2024 das Jahr der Rechtspopulisten?

    Es wird ein Superwahljahr: Die USA suchen einen neuen Präsidenten und auch die EU wählt. Gewinnen Trumps europäische Nachahmer? Drei Fragen zum Rechtspopulismus in Europa.
    Ulf Röller, Brüssel
    V.l.n.r.: Geert Wilders (Niederlande), Matteo Salvini (Italien), Marine Le Pen Frankreich, Veselin Mareshki (Bulgarien) und  Jörg Meuthen (2.Reihe Mitte, Deutschland) an einer großen Kundgebung in Mailand am 18.05.2019
    FAQ

    Mehr zu Trump und den US-Wahlen 2024