Ukraine-Krieg: Bachmut entscheidet nicht Schlacht um Donbass

    Kämpfe in der Ostukraine:Bachmut entscheidet nicht Schlacht um Donbass

    von Christian Mölling und András Rácz
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    Die ukrainische Verteidigung im Donbass zeigt sich weiter robust gegen russische Angriffe. Doch auch bei einer Einnahme Bachmuts ginge die Schlacht in der Ostukraine weiter.

    Ein Grad-Mehrfachraketenwerfer der ukrainischen Armee feuert Raketen auf russische Stellungen an der Frontlinie.
    Die Kämpfe in der Ostukraine rund um Soledar und Bachmut gehen unerbitterlich weiter.
    Quelle: dpa

    Die russischen Streitkräfte versuchen seit Monaten, die Stadt Bachmut und die umliegenden Siedlungen einzunehmen - bisher jedoch vergeblich. Im Frühjahr und Frühsommer wollte Russland die gesamten ukrainischen Streitkräfte, die den Donbass verteidigen, strategisch einkesseln und ausschalten.
    Nach der Befreiung der Region Charkiw durch die Ukraine Anfang September ist eine solche strategische Einkreisung jedoch unmöglich geworden, sodass sich die russischen Streitkräfte darauf verlassen mussten, die ukrainischen Stellungen im Donbass frontal anzugreifen.

    Von Ukraine gehaltener Donbass-Teil gleicht einer Festung

    Die Ukrainer haben sich seit 2014 auf eine neue russische Offensive in der gesamten Region vorbereitet. Der von der Ukraine kontrollierte Teil des Donbass wurde in den letzten acht Jahren massiv befestigt. Es gibt mehrere Verteidigungslinien, Netze von Bunkern, gehärtete Feuerstellungen, unterirdische Gänge und Tunnel, die groß genug sind, um sogar Militärfahrzeuge zu verstecken.
    Bachmut ist die östlichste der noch von der Ukraine kontrollierten befestigten Städte der Region, neben Slawjansk, Konstantiniwka und dem Hauptquartier Kramatorsk. Die ukrainischen Streitkräfte halten immer noch fast die gesamte Stadt, mit Ausnahme eines kleinen Vorortes im Osten.



    Wagner-Söldner für russische Belagerung in Bachmut zuständig

    Außerdem holt die Ukraine ständig Verstärkung nach, darunter auch sehr erfahrene Truppen. Aus ukrainischer Sicht ist Bachmut ein perfekter Standort, um die russischen Truppen in die Enge zu treiben und ausbluten zu lassen, während sie die gut befestigten ukrainischen Stellungen frontal angreifen.
    Auf russischer Seite wird die Belagerung hauptsächlich von Kräften der Wagner-Gruppe durchgeführt. Die Wagner-Gruppe hat sich inzwischen vervielfacht und ist von ursprünglich 6.000 bis 10.000 auf etwa 50.000 Mann angewachsen. Der Grund dafür ist, dass Zehntausende von Sträflingen aus russischen Gefängnissen in die Gruppe "rekrutiert" wurden, mit dem Versprechen auf Freiheit und Amnestie nach einigen Monaten des Kampfes.

    Moskau setzt Kämpfer ohne Rücksicht auf Verluste ein

    Diese schlecht ausgebildeten, körperlich - und oft auch geistig - untauglichen Ex-Häftlinge sind jedoch kaum kampftauglich, und die Verluste sind enorm. Dennoch schickt das russische Kommando sie Welle für Welle in die Schlacht, offenbar ohne Rücksicht darauf, wie viele von ihnen sterben.
    Der Grund dafür ist, dass der Eigentümer der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, sich mehrfach verpflichtet hat, Bachmut einzunehmen, in der Hoffnung, seine Macht und seinen Einfluss innerhalb der russischen Eliten zu stärken. Nach einer monatelangen erfolglosen Belagerung ist Prigoschin nun jedoch in seinen eigenen früheren Verpflichtungen gefangen und muss die Stadt tatsächlich einnehmen.

    Russland nimmt Soledar wohl weitgehend ein

    Nachdem das russische Kommando bei Frontalangriffen auf Bachmut Tausende von Soldaten geopfert hat, versucht es nun eine weitere, wenn auch wesentlich kleinere Umzingelung. Sie drängen aktiv darauf, die Siedlungen nördlich und südlich von Bachmut einzunehmen und damit die Nachschublinien zur Stadt zu unterbrechen.
    Erfolgreicher sind sie im Norden, wo sie die meisten Teile von Soledar, einem kleinen Vorort von Bachmut, eingenommen haben. Hier wurden die Wagner-Truppen auch von den russischen Elite-Luftlandetruppen unterstützt.

    Moskau braucht Bachmut-Einnahme als Propaganda-Sieg

    Bachmut ist nur eine der befestigten Städte und nicht einmal die größte im Donbass. Daher hätte der Verlust von Bachmut eher eine symbolische als eine reale strategische Bedeutung. Sollte Bachmut fallen, könnten sich die ukrainischen Streitkräfte auf die nächsten, gut vorbereiteten Verteidigungslinien nur wenige Kilometer westlich der Stadt zurückziehen.
    In der Zwischenzeit würde der russische Propagandaapparat natürlich versuchen, die Einnahme von Bachmut als einen wichtigen strategischen Sieg darzustellen, um den Westen zu entmutigen und auch die extremen Verluste zu rechtfertigen, die Moskau während der Belagerung erlitten hat. Daher muss sich der Westen dieser Informationskomponente der Belagerung bewusst sein.
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