"Wider den tierischen Ernst": Karnevalsorden für Baerbock

    "Wider den tierischen Ernst":Karnevalsorden für Baerbock

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    "Intelligent, empathisch, aufrecht, humorvoll und attraktiv": Außenministerin Baerbock ist in Aachen mit dem Karnevalsorden "Wider den tierischen Ernst" ausgezeichnet worden.

    Annalena Baerbock wird die 73. Ritterin des Ordens wider den tierischen Ernst
    Annalena Baerbock wird die 73. Ritterin des Ordens wider den tierischen Ernst
    Quelle: dpa

    Außenministerin Annalena Baerbock ist am Samstagabend mit dem "Orden wider den tierischen Ernst" des Aachener Karnevalsvereins ausgezeichnet worden. In ihrer mit viel Applaus bedachten Ritterrede im ausverkauften Aachener Eurogress sagte die 42-jährige Politikerin der Grünen mit Blick auf den Krieg in der Ukraine, angesichts der Weltlage sei es nicht leicht, die Zuversicht und den Humor zu bewahren.

    Baerbock: "Weil wir alle Meschen sind"

    Russlands brutaler Angriffskrieg tobe seit einem Jahr, und das bewege alle jeden Tag. Daher habe sie lange überlegt, ob es richtig sei, beim Karneval zu sein, zu feiern und zu lachen. Politikerinnen und Politiker und auch sie selbst als Außenministerin könnten aber in Deutschland zeigen, wie nah ihnen das Leid in der Ukraine geht, "weil wir alle Menschen sind", sagte
    Baerbock.
    Parlamentarische Versammlung des Europarats zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, dem anstehendem Europarats-Gipfel in Reykjavik und die anhaltende Gewalt gegen Frauen.24.01.2023 | 61:45 min
    Genau für diese Offenheit stehe für sie der Karneval. Hier werde die politische Kultur deutlich, dass man trotz hartem Streit in der Sache immer menschlich bleiben und übereinander und vor allem miteinander lachen könne. Es sei die Menschlichkeit, "die uns stark macht in unserer Antwort auf diesen zynischen Krieg".

    Baerbock würdigt Kampf für Frauenrechte

    Ein weiteres zentrales Thema von Baerbocks Rede waren die Rechte von Frauen. Keine Gesellschaft der Welt könne bestehen, wenn sie die Hälfte der Menschen ausschließe, unterstrich die Grünen-Politikerin, die mit schwarzem Hosenanzug und Narrenkappe auftrat. Sie würdigte den Kampf der Frauen in Afghanistan und im Iran für ihre Freiheit, kritisierte den niedrigen Frauenanteil in der FDP und nahm den Umstand aufs Korn, dass sie unter den nun 73 Ordensrittern erst die achte Frau ist - und die erste "grüne Frau".
    Im Jahr 1988 hatte die Literaturwissenschaftlerin Gertrud Höhler als erste Frau den seit 1950 jährlich verliehenen Orden erhalten. Die Vorjahres-Preisträgerin Iris Berben würdigte Baerbock als perfekte Verkörperung einer modernen Politikerin: Sie sei intelligent, empathisch, aufrecht, humorvoll und attraktiv. Ihr Handeln basiere nicht auf Kalkül, sondern auf Werten, sagte die Schauspielerin in ihrer Laudatio.

    Berben: Baerbock ist Inspiration und Motivation

    Als Außenministerin setze sich Baerbock für Menschenrechte ein und repräsentiere die Rechte und die Fähigkeiten von Frauen. Sie schaffe es, komplexe politische Inhalte verständlich zu machen, und spreche die Dinge direkt an. Als Vertreterin einer neuen politischen Generation sei die zweifache Mutter Inspiration und Motivation für junge Menschen, in die Politik zu gehen.
    Viel Applaus für seine Rede erhielt SPD-Chef Lars Klingbeil, der sich selbstironisch als Karnevalsneuling und "persönliches Integrationsprojekt" outete, gegen die politische Konkurrenz austeilte und anschließend auf einer Ukulele spielte. Die FDP-Sicherheitspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann knöpfte sich in ihrer Büttenrede die Männer und insbesondere CDU-Chef Friedrich Merz vor, der ukrainische Flüchtlinge als "Sozialtouristen" und Söhne von Migranten als "kleine Paschas" bezeichnet hatte. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) dankte den bei der Räumung von Lützerath eingesetzten Polizisten für ihren Einsatz.

    Orden für prominente Persönlichkeiten

    Der "Orden wider den tierischen Ernst" wird an prominente Persönlichkeiten mit Humor und Menschlichkeit verliehen. Der Aachener Karnevalsverein begründete die Preisvergabe an Baerbock mit ihrem Einsatz für Frieden, Demokratie und Menschenrechte. Sie beweise Standfestigkeit auf dem glatten Parkett der Diplomatie und habe sich in kürzester Zeit mit Mut, Entschlossenheit und Schlagfertigkeit großen Respekt auf internationaler Ebene erarbeitet.
    Dennoch bleibe sie selbstironisch und menschlich nahbar. Die Ehrung von Politikern, die dann im Narrenkäfig in die Bütt müssen, hat Tradition. Die jüngsten "Orden wider den tierischen Ernst" bekamen die Politikerinnen und Politiker Armin Laschet (CDU, 2020), Julia Klöckner (CDU, 2019), Winfried Kretschmann (Grüne, 2018), Gregor Gysi (Linke, 2017) und Markus Söder (CSU, 2016) umgehängt.
    Quelle: Ingo Lehnick, epd

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