Höcke unterstützt "Junge Alternative" weiter - Kritik an Rede

    Kritik an Rede zum 8. Mai:Höcke unterstützt "Junge Alternative" weiter

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    Höcke, AfD-Chef in Thüringen, hat sich demonstrativ hinter die gesichert rechtsextremistische Jugendorganisation der Partei gestellt - und sorgt mit einer geplanten Rede für Unmut.

    Björn Höcke hält beim Landesparteitag der Alternative für Deutschland in Thüringen im Hotel Pfiffelburg eine Rede.
    Björn Höcke hält beim Landesparteitag der Alternative für Deutschland in Thüringen im Hotel Pfiffelburg eine Rede.
    Quelle: dpa

    Thüringens AfD-Landesparteichef Björn Höcke hat den Bundesverfassungsschutz massiv kritisiert und der als gesichert rechtsextremistisch eingestuften "Jungen Alternative" (JA) Unterstützung versprochen. "Wir können Euch versichern: Wir stehen hinter Euch!", rief Höcke am Samstag beim AfD-Landesparteitag in Pfiffelbach Vertretern der AfD-Jugendorganisation zu. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte vor kurzem bekanntgegeben, dass es die JA als gesichert extremistisch einstuft. Zuvor war die Organisation als Verdachtsfall geführt worden.

    Vorwürfe von Höcke gegen Verfassungsschutz

    Höckes Thüringer AfD-Landesverband wird selbst vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung beobachtet. Der 51-Jährige hält den Inlandsgeheimdienst für parteiisch und wirft ihm vor, "ein Kampfinstrument der Regierung" zu sein, wie er in Pfiffelbach sagte. Höcke erläuterte, dass der Verfassungsschutz vielleicht in seiner Gründungszeit die Gefahr des Kommunismus vor Augen gehabt habe. Aber schnell sei er manipulativ von der Regierung genutzt worden.

    Es ging von Anfang an darum, etwas zu verhindern, was es in Deutschland nie wieder geben sollte: Nämlich dass eine Opposition groß wird, die es nochmal wagen würde, deutsche Interessen zu formulieren.

    Björn Höcke, AfD-Landesparteichef Thüringen

    Man habe es aber trotzdem nicht verhindern können.
    Die AfD-Jugend, die "Junge Alternative", wurde vier Jahre vom Verfassungsschutz beobachtet. Jetzt steht fest, dass die Organisation rechtsextremistische Bestrebungen und verfassungsfeindliche Ziele verfolgt.26.04.2023 | 1:27 min

    AfD will stärkste Kraft in Thüringen werden

    Die AfD will bei der regulären Landtagswahl im kommenden Jahr stärkste Kraft in Thüringen werden. Zuletzt konnte sie in einer Insa-Umfrage ihren Vorsprung zur Linken von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ausbauen und kam auf 28 Prozent - die Linke lag bei 22 Prozent. Derzeit ist die AfD im Landtag die drittstärkste Fraktion, weil einige Abgeordnete die Fraktion verlassen hatten. Bei der Landtagswahl 2019 war sie zweitstärkste Kraft geworden.
    Höcke kündigte an, bis zur Landtagswahl "alle Kraft" auf die Straße zu bringen. Am Gedenktag an die Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai - also an diesem Montag - wird Höcke als Redner bei einem sogenannten Montagsspaziergang in Weimar erwartet.
    Tino Chrupalla hat es nochmal als AfD-Chef geschafft – knapp. An seiner Seite nun: Alice Weidel. Björn Höcke trat selbst nicht an, zog aber im Hintergrund die Fäden. Die Partei rückt weiter nach rechts. 20.06.2022 | 3:42 min

    Höcke-Rede wird als Provokation aufgenommen

    Buchenwald-Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner wertete die geplante Rede als Provokation.

    Wenn Höcke ausgerechnet am 8. Mai, dem Tag des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus, in Weimar spricht - ausgerechnet in Weimar -, dann ist das von ihm ohne Zweifel als geschichtspolitisches Signal gemeint.

    Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte Buchenwald

    Höcke signalisierte am Rande des Landesparteitages auf Nachfrage, dass er keine Rede zum 8. Mai als Gedenktag oder zu dem historischen Ereignis halten werde. Es gehe darum, Solidarität mit den "Bürgerprotesten" zu zeigen, sagte Höcke.

    Weimar und Buchenwald "untrennbar verknüpft"

    Wagner wies darauf hin, dass Weimar untrennbar mit Buchenwald verknüpft sei. Im Konzentrationslager Buchenwald nahe der Stadt Weimar hielten die Nationalsozialisten zwischen 1937 und 1945 mehr als eine Viertel Million Menschen gefangen. Etwa 56.000 von ihnen starben während der Haft an den katastrophalen Bedingungen im Lager oder wurden von der SS getötet.
    Am 11. April 1945 hatten US-Truppen das Lager erreicht. Am 8. Mai 1945 ging der Zweite Weltkrieg in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht zu Ende.
    Quelle: dpa

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