Ukraine-Krieg: Unfreiwilliger russischer Dammbruch?

    Ukraine-Krieg bei Illner:Unfreiwilliger russischer Dammbruch?

    von Torben Schröder
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    Fachleute gehen davon aus, dass der Kreml für den Staudammbruch verantwortlich ist, so auch Grünen-Chef Nouripour. Der Zeitpunkt der Zerstörung sei jedoch überraschend.

    Alles, sagt die Osteuropa-Expertin Liana Fix in der ZDF-Sendung "maybrit illner", deute darauf hin, dass Russland für den verheerenden Staudamm-Bruch in der Ukraine verantwortlich ist.

    Es ist etwas, das zur russischen Kriegsführung passt und vom Zeitpunkt her aus russischer Sicht viel Sinn macht.

    Liana Fix, Osteuropa-Expertin

    "Es geht darum, brachiale Symbole zu setzen", sagt der Grünen-Vorsitzende Omid Nouripour, der von einer "neuen Dimension der Kriegsführung" durch den Kreml spricht. Es handele sich um einen Akt der Verzweiflung, der "bei uns Knöpfe der Angst" drücken solle. Aber ist der Zeitpunkt wirklich so sinnvoll?

    Militärexperte Mölling: Zeitpunkt überraschend

    "Die katastrophale Dimension war absehbar. Der Zeitpunkt hat etwas überrascht", sagt der Militärexperte Christian Mölling, der davon ausgeht, dass die mögliche Sprengung entweder früher als geplant erfolgt ist oder mehr Schaden angerichtet hat. Denn auch viel russisch besetztes Land stehe nun unter Wasser, und Russland habe seine eigenen Leute und sein Material zuvor nicht in Sicherheit gebracht.
    Die Folgen sprechen auch in den Augen des langjährigen ZDF-Journalisten Claus Kleber für eine ungeplante Dimension oder den aus russischer Sicht falschen Zeitpunkt. Die Folgen für die Ukraine sind, wie Mölling und auch die Autorin Sabine Adler betonen, verheerend. Auffällig sei, dass es sich erneut um einen Angriff auf die Energieinfrastruktur handle.

    Sorge um Atomkraftwerk

    Das wirft die Frage nach dem Atomkraftwerk Saporischschja auf. "Das Spiel mit der Angst des Westens vor einer atomaren Katastrophe ist die ganze Zeit das Kalkül von Putin", sagt Adler.
    Mit der Staudamm-Zerstörung habe der russische Präsident diese Angst wieder wachgerufen. Mit einem Nuklearschlag habe Putin aber, so Liana Fix, wohl zu früh gedroht. Nun schwäche sich die Wirkung ab.

    Kleber: Es lohnt sich, Atommacht zu sein

    Allerdings, so macht die Debatte klar, sollte auch tunlichst niemand das Atomwaffenpotenzial Russlands auf die leichte Schulter nehmen. "Es hat sich gezeigt, dass es sich lohnt, Atommacht zu sein", betont Claus Kleber. Vor dem Hintergrund einer atomaren Drohkulisse könnten konventionelle Kriege weitaus brutaler geführt werden. Gleichwohl sei Putin militärisch derzeit in der schlechteren Lage.

    Ich bin ein bisschen verzweifelt darüber, dass man mit friedlichen Mitteln wie Sanktionen so wenig ausrichten kann. Die Geldquellen sind ja offenbar nicht versiegt, im Gegenteil.

    Claus Kleber

    Zumindest, sagt Fix, zeige sich eins: "Die wachsende russische Abhängigkeit von China ist ein klares Zeichen dafür, dass die Sanktionen wirken." Die erhofften Schockwirkungen seien nicht eingetreten, wohl aber Konsequenzen für Innenpolitik und Außenhandel.

    Adler: Unmut in den Eliten Russlands

    Eine Folge ist, so Sabine Adler, ein "enormer Unmut in den Eliten". Es zeichneten sich Verteilungskämpfe ab, für den Zeitpunkt, wenn Putin und die jetzigen Eliten dereinst fallen werden. Privatarmeen seien schon in der Entstehung.
    Wichtig sei, so Omid Nouripour, dass die russischen Kriegsverbrechen klar aufgearbeitet und sanktioniert würden, auch um weiteren schmutzigen Kriegen vorzubeugen.

    Wie aber kann der Krieg ein Ende finden?

    Die Lieferung von Kampfjets werde, so Nouripour, derzeit auf Nato-Ebene diskutiert. "Deutschland ist nicht im Fahrersitz bei der Diskussion." Der Krieg könnte, so Christian Mölling, durchaus noch bis 2024 oder 2025 andauern. Kleber sieht eine ukrainische Option zur Eingliederung in die Nato als "unbedingtes Muss" an, um einen Verhandlungsfrieden zu erreichen.
    Klar ist für Nouripour, dass die Ukraine das Recht habe, auch strategische Ziele auf russischem Territorium zu attackieren. Die völkerrechtliche Legitimität stehe außer Frage. Wichtig sei aber, dass die Bundesrepublik dort durch den Einsatz deutscher Waffen nicht zur Kriegspartei wird.
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