Er ist der älteste Präsident der USA und will bei der Wahl 2024 noch einmal antreten. Warum Joe Biden für die Demokraten trotz seines Alters derzeit der beste Kandidat ist.
Mit 80 Jahren ist Joe Biden der älteste Präsident in der Geschichte der USA. Auch deswegen ist es umstritten, dass er 2024 noch einmal für die Demokraten antreten möchte.
Joe Biden gilt als abergläubisch. Zahlen sind ihm wichtig. So auch das heutige Datum. Vor genau vier Jahren, am 25. April 2019, startete er seine Präsidentschaftskampagne. Am 3. November 2020 gewann er die Wahl.
Das heutige Datum soll ihm Glück bringen. In einem Video, genau wie vor vier Jahren, kündigt er offiziell an, dass er weitere vier Jahre im Weißen Haus bleiben will. Jede Generation habe einen Moment, in dem sie für die Demokratie und die Freiheit einstehen müsse. "Ich glaube, dies ist unserer", schrieb Biden dazu auf Twitter. "Deshalb kandidiere ich für die Wiederwahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Lasst uns die Arbeit zu Ende bringen."
Umfragen: Mehrheit der Amerikaner gegen Joe Biden
Biden ist mit 80 Jahren bereits jetzt der älteste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Am Ende einer zweiten Amtszeit wäre er 86. Laut einer Umfrage des Nachrichtensenders NBC sagen 70 Prozent der befragten Amerikanerinnen und Amerikanern, Joe Biden sollte nicht mehr als Präsident antreten. 51 Prozent unter den Demokraten stimmen dem zu. Sein Alter ist für knapp die Hälfte (48 Prozent) der Grund, warum sie ihn nicht mehr länger im Weißen Haus haben wollen.
"Ja, er ist alt. Dagegen kann man nicht viel tun", sagt die US-Politikwissenschaftlerin Elaine Kamarck, die unter Bill Clinton im Weißen Haus gearbeitet hat und heute für die Denkfabrik Brookings Institution arbeitet, im Interview mit ZDFheute.
Viele kritisieren die erneute Kandidatur des US-Präsidenten Joe Biden. Eine Einschätzung dazu von ZDF-Korrespondent Benjamin Daniel.
Neuauflage: Biden gegen Trump
Im Präsidentschaftswahlkampf geht es aber immer um die Frage: Was ist die Alternative? Die Alternative ist - nach jetzigem Stand - der nicht viel jüngere Donald Trump. 60 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner finden, Trump sollte nicht mehr antreten. Unter den Republikanern hat Trump aber gerade die Nase vorn. 46 Prozent jener, die bei den Primaries, den sogenannten Vorwahlen, über den Präsidentschaftskandidaten abstimmen, würden ihre Stimme dem 76-jährigen Ex-Präsidenten geben.
"Solange Joe Biden gesund bleibt, und das scheint der Fall zu sein, denke ich, dass er gegen Donald Trump wieder gewinnen wird", so Kamarck. Tatsache ist: Joe Biden ist der Einzige, der Donald Trump bisher geschlagen hat.
Angetreten war US-Präsident Biden vor zwei Jahren um Gräben im tief gespaltenen Land zu überwinden, doch seine Bilanz zu den US-Midterms, den Zwischenwahlen, fällt ernüchternd aus.
Wer wird der republikanische Kandidat?
Ein Trend, der sich auch in den US-Zwischenwahlen im vergangenen November gezeigt hat. Damals hatten viele eine sogenannte "rote Welle", einen überragenden Sieg der Republikaner erwartet. Das Gegenteil war der Fall. Die Demokraten verbuchten ein historisch gutes Ergebnis, konnten unter Präsident Joe Biden die Mehrheit im Senat halten und verloren weniger Sitze im Repräsentantenhaus als erwartet.
Gefährlich könnte es für Joe Biden aber werden, wenn Donald Trump nicht der Präsidentschaftskandidat der Republikaner wird. Danach sieht es derzeit aber nicht aus. Sein größter parteiinterner Konkurrent Ron DeSantis - der seine Kandidatur noch nicht offiziell verkündet hat - ist weit abgeschlagen, liegt unter den republikanischen Wählern 15 Prozentpunkte hinter Trump.
Der erzkonservative republikanische Gouverneur aus Florida, Ron DeSantis, könnte Donald Trumps größter Rivale werden. Offiziell wurde seine Kandidatur aber noch nicht verkündet.
Biden punktet mit Beständigkeit
Seine demokratischen Parteikollegen stehen aktuell geschlossen hinter ihm. Biden punktet vor allem mit Beständigkeit. "Die Menschen haben ihn gewählt, trotz seines Alters. Sie haben ihn gewählt, weil sie - im Gegensatz zu Trump - einen Präsidenten wollten, der in Zeiten des nationalen Notstandes standfest ist", so die Politikwissenschaftlerin Kamarck.
Spender und Basis sollen mobilisiert werden
Joe Biden soll für diese Woche bereits Spender nach Washington eingeladen haben. Das Treffen soll zwei Tage dauern und am Freitag beginnen. Der Wahlkampf um die Präsidentschaft 2024 könnte einer der teuersten überhaupt werden und wahrscheinlich mehr als eine Milliarde Dollar kosten. Um die Kampagne zu finanzieren, will Biden früh beginnen.
Aber nicht nur Spender, auch die Wähler sollen mobilisiert werden - insbesondere junge Wähler, die noch nie gewählt haben. Auch das braucht Zeit. "Ich denke, viele junge Wähler werden von den Republikanern enttäuscht sein und sich wegen Themen wie Abtreibung abwenden", so Kamarck.
Auch Joe Bidens Herausforderer Trump macht heute Schlagzeilen. In New York beginnt die Jury-Auswahl im Prozess um den Vorwurf der Vergewaltigung der US-Autorin Jean Carroll. Die Frage wird also sein: Wer dominiert die Nachrichten?