Bezahlbares Wohnen: Berlin will Bauen wieder beschleunigen

    Interview

    Berlins Plan gegen Wohnungsnot:Höher, dichter - bezahlbarer

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    In Berlin fehlen Tausende Wohnungen. Die Stadt will den Wohnungsbau beschleunigen. Wie das gehen soll, erklärt Bau-Staatssekretär Christian Gaebler im Interview.

    Der Staatssekretär für Bauen und Wohnen in Berlin, Christian Gaebler (SPD), zu den Plänen der Stadt Berlin für mehr Wohnraum.19.04.2023 | 3:30 min
    ZDFheute: 20.000 neue Wohnungen - das ist ja kein neues Ziel für den Senat. Bislang wurde dieses Ziel aber verfehlt. Wie soll es in Zukunft klappen?
    Christian Gaebler: Wir haben uns das Ziel ja nicht ausgedacht, sondern das orientiert sich an dem Bedarf, den wir haben. Insofern müssen wir ernsthaft mit diesem Ziel auch arbeiten. Ob wir es dann erreichen oder nicht, hängt auch von den Rahmenbedingungen ab. Wir sind dabei, verwaltungstechnisch die guten Voraussetzungen zu schaffen. Im Haushalt sind auch Mittel bereitgestellt, um auch entsprechende Fördermaßnahmen für den geförderten Wohnungsbau bereitzustellen. Und wir wünschen uns natürlich auch noch mehr Unterstützung von anderer Seite.
    ZDFheute: Sind denn serielles und modulares Bauen eine Lösung?
    Gaebler: Serielles und modulares Bauen kann einen Beitrag leisten, werden aber nicht die komplette Lösung sein, weil es natürlich in einer Stadt auch Ansprüche gibt an Gestaltung, an Quartiersentwicklung und Ähnlichem und da ist serielles Bauen ein Teil der Lösung, aber kann nicht die alleinige Lösung sein.
    In Deutschland fehlen Hunderttausende Wohnungen, hohe Baupreise treiben die Mieten in die Höhe. 20.04.2023 | 1:41 min
    ZDFheute: Was sind denn Ihre Schwerpunkte zur Lösung des Wohnungsproblems in der Stadt?
    Gaebler: Wir wollen vor allen Dingen Bauen beschleunigen. Wir wollen bezahlbares Wohnen auch integrieren, weil wir glauben, dass wir auch gerade die sozial schlechter gestellten Bevölkerungsgruppen versorgen müssen. Und wir schauen, dass wir weniger Flächen versiegeln, dafür dichter und höher bauen, um eben auch nachhaltig zu bauen.
    ZDFheute: Stichwort günstiger Wohnraum: Es geht ja nicht nur um die Anzahl an Wohnungen, sondern auch um die Bezahlbarkeit. Was tut die Stadt Berlin für günstige Wohnungen?
    Gaebler: Wir haben ein Förderprogramm, wo wir jährlich bis zu 5.000 preisgebundene Wohnungen fördern, mit entsprechend festgelegten Einstiegsmieten im Neubau. Wir haben darüber hinaus unsere städtischen Wohnungsbaugesellschaften, die über 350.000 Wohnungen jetzt schon besitzen. Der Bestand soll bis auf 400.000 ausgebaut werden, um eben auch direkt Einfluss zu nehmen auf Mietpreisgestaltung.
    19.04.2023 | 9:57 min
    Bayerns Bauminister Christian Bernreiter (CSU) kritisiert: "Fördermöglichkeiten fehlen"
    ZDFheute: Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Probleme beim Erreichen der Wohnungsbauziele?
    Gaebler: Zum einen die langwierigen Planungsverfahren und daraus resultierende schwere Berechenbarkeit der Finanzierung. Dann natürlich die aktuelle Zinslage, die den Wohnungsbau deutlich teurer macht. Und es war jetzt natürlich gerade im letzten Jahr die durch die Ukraine-Krieg ausgelöste Krise, was Materialien angeht, was Transportwege angeht, und auch was Energie angeht.
    ZDFheute: Was erwarten Sie von der Bundesregierung für den Wohnungsbau?
    Gaebler: Zum einen würden wir uns wünschen, dass die Planungsbeschleunigung und Vereinfachungen, die zum Beispiel für Energietrassen und Ähnliches gedacht sind und auch schon umgesetzt sind, dass die auch für den Wohnungsbau für einen begrenzten Zeitraum in Kraft treten können, um dort auch wirklich zu Beschleunigungen und Vereinfachungen zu kommen.
    19.04.2023 | 6:51 min
    NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) wünscht sich vom Bund Klarheit zum Thema Wohnungsbau.
    Zum anderen könnten wir uns auch sehr gut eine nochmal verstärkte Unterstützung bei den Sozialwohnungen, also beim preisgebundenen Wohnungsbau vorstellen. Wir bekommen im Moment von den Bundesmitteln etwa 130, 140 Millionen nach dem Königsteiner Schlüssel, wir können aber 700 bis 800 Millionen ausgeben perspektivisch. Insofern wäre es schön, wenn der Bund das Land Berlin unterstützt - beziehungsweise gerade in den Ballungsräumen, wo die Not besonders groß ist, vielleicht auch gezielter noch investiert und das nicht nach den üblichen Verteilungskriterien auf alle Bundesländer verteilt.
    Das Interview führte Elena Kossiva-Rapp.

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