Düsseldorf: So wird die Arena zum Handball-Tempel

    Handball-EM vor Rekordkulisse:So wird Düsseldorfs Arena zum Handball-Tempel

    von Normen Odenthal
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    Die Handball-Europameisterschaft in Deutschland beginnt mit einem Weltrekord. 53.000 Zuschauer sind beim Eröffnungsspiel in Düsseldorf dabei - mehr als je zuvor im Handball.

    Deutschlands Handballer bestreiten ihr erstes EM-Spiel am Mittwoch vor über 50.000 Zuschauern in Düsseldorf. Die Rekordkulisse bringt mehrere Umstellungen mit sich.09.01.2024 | 2:42 min
    "An uns liegt es nicht. Wir haben alles getan", sagt Fabian Müller und lacht. "Den sportlichen Rest muss jetzt aber die Mannschaft erledigen." In der Tat: Müller und sein Team haben ihren Job gemacht. Ihr Auftrag lautete: Umbau der Düsseldorfer Arena, in der sonst die Fußballer der Fortuna kicken, zu einer Handball-Halle im XXL-Format. Für Mittwochabend ist alles bereit. Deutschland gegen die Schweiz bei der Handball-EM - vor Rekordkulisse.
    Vom Fußball-Stadion zur Handball-Arena: Animation der Umbaumaßnahmen in der Düsseldorfer Arena. Quelle: DHB.08.01.2024 | 0:28 min

    Fans dank Zusatztribünen näher am Handball-Feld

    50 Sattelschlepper haben Material in die Arena gekarrt, das hier in den vergangenen Tagen verbaut wurde: Lampen, Traversen, Leinwände, Stühle. Weil das Feld beim Handball kleiner ist als beim Fußball, rücken Zusatztribünen näher ans Geschehen heran.
    Allein dafür braucht es Dutzende Tonnen Material. 25.000 Hammerschläge seien nötig gewesen, um die Stahlrohr-Konstruktion zu verbinden, rechnet Müller vor. Und schiebt grinsend ein "ungefähr" nach.

    ARD und ZDF übertragen alle EM-Spiele des deutschen Teams - im TV und online. Viele weitere EM-Spiele sind in Livestreams in den Mediatheken der beiden Sender zu sehen, dazu Zusammenfassungen ausgewählter Partien.

    Das Halbfinale live auf sportstudio.de:
    • Frankreich - Schweden, Freitag, 17:45 Uhr
    • Dänemark - Deutschland, Freitag, 20:30 Uhr

    Organisator setzt auf Gelassenheit und gute Planung

    Müller ist ein Mann der Tat, Executive Director bei D.Live, dem Event-Organisator der Stadt Düsseldorf. Pausenlos am Handy, immer gefragt, überblickt er die Arbeiten und wirkt erstaunlich entspannt.
    "Aufgeregt sein bringt ja nicht viel", sagt er und formuliert einen Leitsatz, den er sich hinter die Ohren geschrieben habe: "Für jedes Event gilt: Die Türen gehen pünktlich auf, dann beginnt die Show. Die Frage ist immer nur, wie laut wir uns bis dahin anschreien. Und ich schreie eben nicht gern. Da hilft nur Gelassenheit und gute Planung."

    Umbau für zwei Handball-Spiele

    Geld braucht es auch. Grob überschlagen kommt der Deutsche Handball Bund (DHB) auf rund 2,5 Millionen Euro für diesen einen Spieltag in Düsseldorf mit zwei Matches. Erst Frankreich gegen Nordmazedonien, danach Deutschland gegen die Schweiz. Mehr werden es nicht.
    Die anderen Partien der Europameisterschaft werden in Berlin, München, Hamburg, Mannheim, Köln ausgetragen - vor deutlich kleineren Kulissen. Für Düsseldorf war es das dann also schon. Lohnt sich das alles? "Wir sagen 'Ja' - sonst hätten wir es nicht gemacht", stellt Thomas Freyer vom DHB klar.

    Wir wollen dieses Highlight setzen zu Beginn des Turniers und für unseren ganzen Sport.

    Thomas Freyer, Deutscher Handball-Bund

    "Dieses Event wird so viel Begeisterung hervorrufen, ich glaube nicht, dass da viel Kritik aufkommt", sagt er am Rande des Spielfeldes, das in den vergangenen sieben Tagen nach und nach seine Optik verändert hat.

    Der Fußbodenbelag kommt aus Köln - und geht dorthin auch wieder zurück

    Das Dach ist geschlossen. Der Rasen ist fort, entsorgt und muss hinterher komplett erneuert werden. Dafür liegt jetzt ein spezieller Unterboden im Stadion, der aus der Arena des benachbarten Kölns stammt und im Anschluss auch wieder dort verlegt wird.
    "Ausgerechnet aus Köln", scherzt einer der Arbeiter. "Aber wir treten ja nur mit den Füßen darauf herum, das geht schon." Die Rivalität der rheinischen Nachbarstädte kennt keine Grenzen - nicht mal beim Fußbodenbelag.

    80 Meter vom Oberrang bis zum Feld

    Bleibt die entscheidende Frage: Wird der Funke überspringen? Die Arena in Düsseldorf ist der Gegenentwurf zu den sonst üblichen Hexenkessel-Hallen, in denen eine brodelnde Handball-Atmosphäre fast schon garantiert ist.
    53.000 Zuschauer ist eine enorme Zahl, die Arena ausverkauft, aber eben weitläufig. Kann da jeder gut sehen? Und fühlen sich 80 Meter Entfernung vom Oberrang zum Spielfeld dann noch nach einem hautnahen Dabeisein an? Freyer ist optimistisch, muss er ja auch sein: "Ich kann mir schon vorstellen, dass sich das hier in Düsseldorf nach einer riesengroßen Handball-Arena anfühlt und nicht so als würden wir Handball in einem Fußball-Stadion zu spielen."

    Sieg des DHB-Teams wäre hilfreich

    Geht das alles also auf? Und wird der Weltrekord zum erhofften Traumstart ins Turnier? Viele der Fragen werden erst im Nachhinein zu beantworten sein. Aber klar ist: Für ein positives Fazit wäre ein Auftaktsieg der deutschen Mannschaft überaus hilfreich.
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