Champions League Frauen: Wolfsburgs englischer Prüfstein

    VfL-Frauen gegen Arsenal:Wolfsburgerinnen wollen wieder ins CL-Finale

    von Frank Hellmann
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    Das Halbfinal-Duell gegen Arsenal wird für Wolfsburgs Frauen ein Kraftakt. In der Champions League geht es auch um die Widerstandsfähigkeit des deutschen Frauenfußballs.

    Jill Roord (VfL Wolfsburg, 14) dynamisch in der Offensive.
    Wolfsburgs Jill Roord (M.) glaubt an einen Sieg gegen Arsenal.
    Quelle: imago

    Zweimal hat Jill Roord schon ein Halbfinale in der Champions League bestritten. Doch sowohl 2019 mit dem FC Bayern als auch im Vorjahr mit dem VfL Wolfsburg waren die Erinnerungen eher unschön. Beide Male hatte die niederländische Nationalspielerin das Gefühl auf einen schier übermächtigen Gegner zu treffen, der letztlich dann auch den Finaleinzug verhinderte.
    Nun aber vor dem Aufeinandertreffen mit ihrem Ex-Verein Arsenal WFC ist die Ausgangslage eine andere. "Ich habe jetzt das Gefühl, dass wir das Endspiel erreichen können", sagte die 25-Jährige vor dem Duell am Sonntag.
    Die Kulisse sollte die "Wölfinnen" beflügeln: Mehr als 20.000 Zuschauer werden in der VW-Arena beim Hinspiel (15.30 Uhr) erwartet. Im Rückspiel am 1. Mai könnten dann sogar mehr als 50.000 Fans kommen. Arsenal träumt indes von einem Londoner Finale gegen den FC Chelsea, wo mit Ann-Katrin Berger und Melanie Leupolz zwei deutsche Nationalspielerinnen angestellt sind, die sich im zweiten Halbfinale mit dem Topteam aus Barcelona duellieren und das Hinspiel verloren.

    Arsenal fehlen wichtige Spieler

    Bei Wolfsburgs Gegner Arsenal fehlt mit der englischen Kapitänin Leah Williamson (Kreuzbandriss) die nächste Schlüsselspielerin, nachdem mit derselben Verletzung schon Stars wie Vivianne Miedema oder Beth Mead ausgefallen sind. "Das ist schon heftig, das sind wichtige Spielerinnen. Es kann aber auch sein, dass sie noch enger zusammenfinden dadurch", sagt Roord.
    Was ihrem Ensemble Mut machen kann: In der vergangenen Saison setzte sich Wolfsburg im Viertelfinale gegen Arsenal (1:1, 2:0) durch. Diesmal das Endspiel am 3. Juni in Eindhoven zu erreichen, wäre gerade für Roord etwas ganz Besonderes: "Das Champions-League-Finale ist überhaupt ein Traum, in Holland ist es natürlich ein noch größerer."

    Es geht auch um ein Signal für die WM

    Zudem könnte der deutsche Doublesieger auch ein wichtiges Signal für die Frauen-WM in diesem Sommer setzen. Der letzte deutsche Verein, der die Champions League gewann, war 2015 der inzwischen fusionierte 1. FFC Frankfurt.
    Der VfL Wolfsburg, der 2013 und 2014 die Königklassen-Trophäe holte, aber 2016, 2018 und 2020 dreimal das Finale verlor, wird gegen Arsenal an die Leistungs- und Schmerzgrenze gehen müssen. Ralf Kellermann, VfL-Direktor Frauenfußball, will von Überbelastung indes nichts wissen: "Müdigkeit und Stress kann man sich auch einreden."
    Alexandra Popp allerdings wird verletzt fehlen, auch Torhüterin Merle Frohms pausierte zuletzt wegen Rückenbeschwerden. Doch es gibt immer noch genug einsatzfähige EM-Heldinnen. Körperliche Fitness ist auf diesem Niveau vielleicht noch nie so wichtig gewesen. Gerade in Sachen Widerstandskraft, Behauptungswille und Zweikampfstärke müssen sich deutsche Nationalspielerinnen aber noch steigern, das haben nicht nur die Länderspiele gegen die Niederlande (1:0) und Brasilien (1:2) gezeigt, sondern auch das Ausscheiden des FC Bayern in der Champions League eben gegen die körperlich robusteren Arsenal-Frauen.
    Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg haben zum neunten Mal in Folge das DFB-Pokalfinale erreicht. Beim FC Bayern setzen sich die Rekordpokalsiegerinnen eindrucksvoll durch.15.04.2023 | 5:59 min

    Sportlich auf Augenhöhe, wirtschaftlich nicht

    Trainer Tommy Stroot glaubt, dass der VfL "eine Leistung wie am vergangenen Samstag gegen Bayern" braucht. Da überrollte Wolfsburgs Fußballerinnen den überforderten Münchner Rivalen im DFB-Pokal-Halbfinale mit 5:0. Doch die nationale Dominanz ist das eine, die internationale Konkurrenzfähigkeit das andere. Und da empfiehlt der VfL-Verantwortliche Kellermann einen differenzierten Blick.
    Deutschlands Topvereine seien "absolut auf Augenhöhe mit England, Spanien und Frankreich, im sportlichen Bereich auf jeden Fall", so Kellermann. Doch bei der wirtschaftlichen Entwicklung zeichnet sich für den 54-Jährigen inzwischen ein ungleiches Rennen ab: "Da habe ich den Eindruck, dass es in Spanien und England und auch in Frankreich fast schon ein Wettbieten gibt um die vermeintlich stärksten Spielerinnen." Inzwischen würde in einigen Klubs Ablösen und Gehälter in Größenordnungen aufgerufen, "die wir nicht mitmachen".

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