Nachfrage gering: OPEC deckelt Ölforderung weiterhin
Nachfrage und Preise gering:OPEC verlängert Produktionskürzungen
von Mischa Ehrhardt
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Das Ölkartell OPEC und seine Partnerländer haben eine Verlängerung ihrer Ölförderkürzungen beschlossen. Damit wollen sie die Ölpreise hochhalten. Ob das gelingt, ist fraglich.
Eigentlich sollten die Ölfördermengen wieder steigen. Doch die OPEC deckelt die Menge.
Quelle: pa/dpa-Bildfunk
Eigentlich hätte das Treffen schon letzten Sonntag stattfinden sollen. Doch wer streitet, verschiebt gerne Entscheidungen. So dürfte es im Kartell der OPEC-Länder und seiner Partner geschehen sein. Die Organisation und seine nicht ständigen Partner wie Russland heißt OPEC+. Die hat sich am Donnerstag dann doch noch zusammengerauft und beschlossen, die laufenden Förderkürzungen zu verlängern.
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Ölpreise niedrig - Ölnachfrage gedämpft
Ursprünglich wollten die Ölförderer ihre Produktion ab Januar 2025 bis September 2025 wieder sukzessive hochfahren. Nun wollen sie bis April warten. Zudem haben sie das Ziel einer Förderung auf Normalniveau um ein ganzes Jahr bis September 2026 nach hinten verschoben.
Hintergrund: Die seit dem letzten Ministertreffen der Länder des Ölkartells im Juni an den Weltmärkten deutlich gefallenen Ölpreise. Kostete ein Fass (Barrel) der Nordseesorte Brent im Juli noch knapp 90 US-Dollar, so sind heute nur noch rund 72 Dollar fällig.
Die Länder am Persischen Golf haben sich innerhalb weniger Jahrzehnte von weltpolitisch eher unbedeutenden Wüstenstaaten zu wirtschaftlich prosperierenden Kräften entwickelt.
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Benzin an Tankstellen billiger
Das liegt zum einen daran, dass Marktteilnehmer sich offensichtlich an die Kriege im Nahen Osten gewöhnt haben. Die Konflikte hatten die Ölpreise im April noch auf über 90 US-Dollar in die Höhe getrieben. Zum anderen fragt China weniger Öl nach, weil dort die Wirtschaft weiter schwächelt und der Ölbedarf gedämpft ist.
Das lässt sich auch an den Tankstellen gut ablesen. In den vergangenen Monaten sind die Benzinpreise deutlich heruntergegangen. Sie folgen mit einigem Abstand den Entwicklungen an den weltweiten Ölmärkten.
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Schließlich muss man auch feststellen, dass die Macht des Ölkartells in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Die zwölf offiziellen Mitgliedstaaten des Kartells fördern mit 28 Prozent nur noch gut ein Viertel des weltweiten Rohöls. Vor einem Jahrzehnt lag deren Anteil noch bei rund einem Drittel. Mit den Partnerstaaten als OPEC+ sind es rund 45 Prozent.
Insbesondere die USA sind mit ihrer Ölproduktion aus dem umstrittenen Fracking als großer Erdöl- und Erdgas-Exporteur wieder auf der Weltbühne erschienen. Und der gewählte Präsident Donald Trump hat im Wahlkampf keinen Hehl daraus gemacht, dass er die Ölindustrie unterstützen und stärken will - eine Ausweitung der US-Produktion ist also wahrscheinlich.
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Interessen innerhalb der OPEC gegensätzlich
Aus diesen Gründen haben die OPEC+-Staaten von ihrem Plan, die Ölproduktion ab Januar wieder hochzufahren, Abstand genommen. Ob die Stabilisierung oder Erhöhung der Preise gelingt, ist aus oben genannten Gründen keineswegs sicher. Zudem erwartet die Weltbank, dass das Rohölangebot im kommenden Jahr deutlich höher liegen werde als das Angebot - was tendenziell sinkende Preise zur Folge hätte.
Zwar sind alle Ölförderländer naturgemäß für hohe Ölpreise auf den Weltmärkten. Sie wollen aber auch möglichst viel davon verkaufen.Die beiden Interessen laufen konträr - und sie stoßen in der OPEC+ aufeinander.
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Die Vereinigten Arabischen Emirate zum Beispiel haben in den vergangenen Jahren viel Geld in ihre Produktion investiert und ihre Kapazitäten ausgeweitet. Nur können sie diese neuen Kapazitäten nun nicht auslasten, weil sie gemäß des Kartells die Produktion drosseln sollen.
Daher haben die Emirate eine Ausnahme von der Regel ausgehandelt und sollen im kommenden Jahr mehr Öl fördern dürfen, als ihnen eigentlich zustehen würde.
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Saudi-Arabien und Russland im Clinch
Einer der OPEC-Partnerländer ist Russland. Russland hat ein Interesse an gesteigerten Ölverkäufen, die Pumpen laufen auf Hochtouren. Denn damit kann Moskau unter anderem seinen Krieg in der Ukraine finanzieren. Das passt Saudi-Arabien nicht, weil das Land, um die Preise zu stabilisieren, den Großteil der Förderkürzungen auf sich genommen hat.
Saudi-Arabien ist eigentlich auf einen Ölpreis nahe 100 US-Dollar angewiesen, um seinen Staatshaushalt zu finanzieren und den Umbau der Wirtschaft jenseits fossiler Rohstoffe voranzutreiben. Aktuell scheint das Land aber bereit zu sein, Preise auf dem aktuellen Niveau oder sogar tiefer zu akzeptieren - auch, um Russland unter Druck zu setzen.
Quelle: dpa
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