René Benkos U-Haft verlängert - Betrugsermittlungen
Benko-Skandal:Betrugsermittlungen gegen Ex-Investor
von Bastian Obermayer und Elisa Simantke
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Der frühere Immobilienmogul René Benko soll Investoren betrogen und Vermögen veruntreut haben. Auch in Deutschland laufen Ermittlungen. Seine U-Haft wurde heute verlängert.
Die Vorwürfe gegen René Benko wiegen schwer. Staatsanwaltschaften in mehreren Ländern ermitteln. (Archivbild)
Quelle: dpa
Es ist einer der spektakulärsten Pleitefälle Europas. Dem österreichischen Ex-Investor René Benko werden gleich in mehreren Ländern Betrug und Untreue in vielfacher Millionenhöhe vorgeworfen.
Der Gründer der Signa-Gruppe, der in Deutschland vor allem durch die Übernahme der Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof bekannt wurde, sitzt in Untersuchungshaft.
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Untreue, Betrug und ein unbezahltes Catering
In Deutschland ermitteln Staatsanwaltschaften in Berlin, München und Nordrhein-Westfalen gegen Benko und andere Verantwortliche der Signa-Gruppe. Konkret geht es in Bayern demnach vor allem um zwei Vorwürfe, wie die Münchner Staatsanwaltschaft gegenüber ZDF frontal bestätigte.
Der erste kreist um Untreue in dreistelliger Millionenhöhe, die zulasten eines süddeutschen Bauunternehmers gegangen sein soll. Zudem untersucht die Staatsanwaltschaft demnach Betrugsvorwürfe gegen Benko im Zusammenhang mit mehreren Immobilienprojekten in der Münchner Innenstadt, in die ein saudi-arabischer Staatsfonds investiert hatte. Auch hier geht es um eine dreistellige Millionensumme. Hinzu kommen offenbar noch kleinere Vorwürfe wie ein angeblich nicht bezahltes Catering in der "Alten Akademie" in München für über 100 Personen. Auf Nachfragen von ZDF frontal zu den Vorwürfen antwortete Benkos Anwalt nicht.
Bislang haben Ermittler unter anderem in München und Berlin mehrere Signa-Büros durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaften München und Berlin haben außerdem Ende 2024 mit der Zentralen Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption in Wien (WKStA) eine gemeinsame Ermittlungsgruppe gegründet.
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Schwerer Verdacht: Benko soll "Geldkarussell" betrieben haben
Diese neuen Entwicklungen muss René Benko aus der Haft mitverfolgen, er wurde am vergangenen Donnerstag in einer Villa in Innsbruck festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.
Die Behörden in Österreich begründeten die Festnahme mit der Gefahr, Benko könne Beweismittel vernichten oder weitere Straftaten begehen. Benkos Signa Holding war Ende 2023 pleitegegangen. Neben Deutschland und Österreich laufen etwa auch Verfahren in Liechtenstein und Italien.
Die Vorwürfe, die gegen ihn in Österreich erhoben werden, wiegen schwer, wie aus der 38-seitigen Anordnung der Festnahme hervorgeht, die ZDF frontal und dem Standard vorliegt. Noch kurz vor der Pleite - als seine Unternehmensgruppe sich also bereits längst in finanzieller Schieflage befand - sollen Investoren durch Betrug zu weiteren Kapitalerhöhungen bewegt worden sein. Die Ermittler sprechen von einem "Geldkarussell", bei dem von Benko und anderen Beschuldigten Gelder verschoben worden seien, um private finanzielle Mittel Benkos vorzutäuschen. Diese habe es nie gegeben. Zudem habe die Signa Holding Immobilien zu billig verkauft, um die Insolvenzmasse künstlich klein zu halten. Auch zu diesen Vorwürfen schweigt Benkos Anwalt.
Tatsächlich zahlte der Bund 680 Millionen Euro für Karstadt Kaufhof, obwohl schon damals der Vorwurf im Raum stand, Benko presse mit überhöhten Mieten sein eigenes Unternehmen aus. Trotzdem gab es ein zweites Hilfspaket. Nochmal 220 Millionen Euro - in der Amtszeit von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Nach der Pleite von Benkos Signa-Gruppe meldeten Investoren Ansprüche von circa zehn Milliarden Euro an - ein Großteil des Geldes soll angeblich weg sein.
Nun wird dem als "Wunderwuzzi" bekannten Benko von der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Untreue vorgeworfen. Er soll mit Hilfe einer Privatstiftung Vermögenswerte verschleiert und dem Zugriff im Rahmen der Insolvenz entzogen haben. Im März 2024 hatte der frühere Milliardär auch Privatinsolvenz angemeldet und lebte augenscheinlich doch weiter im Luxus. Mieterin der Innsbrucker Villa, in der Benko verhaftet wurde, ist beispielsweise - wie unter anderem der Standard berichtete - Benkos Mutter, die wiederum Benko und seine Familie darin wohnen lasse.
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Kaufhäuser-Pleiten und Wolkenkratzer-Ruinen
Benko hatte in den Jahren ab 2014 die mit Karstadt fusionierte Kaufhauskette Galeria Kaufhof übernommen und deren Rettung versprochen. Doch Galeria Kaufhof schlitterte, genauso wie das Luxuskaufhaus KaDeWe in Berlin, in die Insolvenz. In der Münchner Innenstadt gehören Signa mehrere Immobilien - was mit ihnen nun geschieht, ist unklar.
Zwischenzeitlich enthielt das Immobilienimperium Benkos auch spektakuläre Bauten wie das Chrysler Building in New York. In Hamburg begann Benko, der selbsterklärte "größte Immobilienentwickler Europas" den Bau des sogenannten "Elbtowers". Die Fertigstellung des 245-Meter-Hochhaus im Hamburger Hafen ist seit 2023 wegen unbezahlter Rechnungen unterbrochen. Ob das einstige Lieblingsprojekt des damaligen Ersten Bürgermeisters von Hamburg und heutigen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) zur Bauruine jemals fertiggestellt wird oder auf Dauer "Deutschlands berühmteste Bauruine" bleibt, ist offen.
Wie es mit René Benko, dem "Wunderwuzzi", weitergeht, werden nun Gerichte klären. Heute überprüfte das Landgericht in Wien, ob Benko weiter in U-Haft bleiben muss. Er muss, voraussichtlich bis Ende Februar - wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr.
Quelle: dpa
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