Israels Aufruf zur Flucht: Was kommt danach?

    Norden des Gazastreifens:Israels Aufruf zur Flucht: Was kommt danach?

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    Es ist Rauch über Gaza zu sehen. Israel reagierte erneut mit Luftschlägen auf den Gazastreifen nachdem Hamas-Terroristen am Wochenende Israel überfielen.

    Israels Militär hat Zivilisten aufgefordert, den Norden des Gazastreifens zu verlassen. Was bedeutet diese Ankündigung für eine möglicherweise bevorstehende Bodenoffensive?

    Zivilisten sollen Nord-Gaza verlassen - Hamas behindert wohl Flucht | ZDFheute live

    Das israelische Militär forderte Zivilisten auf, den Norden des Gazastreifens zu verlassen. Betroffen davon sind nach UN-Angaben rund 1,1 Millionen Menschen. Beobachter gehen davon aus, dass eine Bodenoffensive Israels als Reaktion auf den Großangriff der Hamas bevorstehen könnte.
    "Die Terrororganisation Hamas führt einen Krieg gegen den Staat Israel, und Gaza ist ein Gebiet, in dem militärische Operationen stattfinden", begründete das Militär den Aufruf. Hamas-Terroristen versteckten sich in Gaza in Tunneln, unter Häusern und in Gebäuden, in denen sich Zivilisten aus dem Gazastreifen aufhalten. In den kommenden Tagen werde die Armee erhebliche Operationen in Gaza ausführen und dabei umfangreiche Anstrengungen unternehmen, Schaden von Zivilisten abzuwenden, hieß es. 

    Augenzeugen: Hamas stoppen Bewohner beim Versuch den Norden zu verlassen

    Die Hamas im Gazastreifen bezeichnete den Aufruf als Propaganda. Zivilisten sollten nicht auf die "Propagandanachrichten reinfallen". Israel beschuldigt die Hamas, Palästinenser als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.
    Augenzeugen im Gazastreifen berichteten, mehrere Bewohner seien bereits von der Hamas gestoppt und zur Rückkehr in den Norden aufgefordert worden.

    "Im Interesse der Hamas, dass Israel hier möglichst schlecht dasteht"

    Die Frage sei, wo die Menschen sich überhaupt in Sicherheit bringen könnten, so ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf. Israel habe mit der Aufforderung aber ein klares Statement gesetzt, vor einer möglichen bevorstehenden Bodenoffensive möglichst viele Zivilisten zu schonen.
    Die Hamas sei jedoch überhaupt nicht in der Lage und willens, eine Evakuierung zu organisieren. "Es liegt ja im Interesse der Hamas, dass Israel hier möglichst schlecht dasteht, wenn es viele, viele Zivilisten als Opfer gibt", erklärt Eigendorf.

    Nahost-Experte bei ZDFheute live

    Wie geht Israel nun vor? Wie können Zivilisten in Sicherheit gebracht werden? Welche Motive verfolgt die Hamas? Wie könnte eine israelische Bodenoffensive im Gazastreifen aussehen? Darüber spricht ZDFheute live mit dem israelischen Journalisten und Nahost-Experten Gil Yaron, mit Riad Othman von der Hilfsorganisation "medico international" sowie mit ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge.

    Israelische Luftwaffe setzt Gegenangriffe fort

    Die israelische Luftwaffe setzte auch in der Nacht ihre Luftangriffe fort. Dutzende Kampfflugzeuge hätten 750 militärische Ziele angegriffen, teilte Israels Militär am frühen Morgen mit.  
    Die Terrororganisation Hamas hatte am vergangenen Wochenende vom Gazastreifen aus Attacken von beispiellosem Ausmaß auf Israel verübt, rund 150 Menschen in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte darauf mit Luftangriffen auf Ziele der Hamas. Die Zahl der Toten durch die Großangriffe der Hamas ist in Israel auf mehr als 1.300 gestiegen, aus dem Gazastreifen sind bislang mehr als 1.530 Tote durch israelische Gegenangriffe gemeldet worden. 
    Mit Material von dpa, AP, ZDF

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