Hilferuf aus Italien

Allein in der Flüchtlingskrise

Politik | auslandsjournal - Hilferuf aus Italien

Der Zustrom von Flüchtlingen aus Nordafrika nach Italien reißt nicht ab. Täglich erreichen mehrere Tausend Flüchtende die italienische Küste. Seenotretter und Gemeinden sind überfordert.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.07.2018, 23:15

Sie kommen auf kleinen Schlauchbooten. Dicht aneinander gedrängt, erschöpft und ausgehungert erreichen sie die italienische Küste. Rund 80.000 Migranten sind laut dem italienischen Innenministerium seit Jahresbeginn in Italien eingetroffen. Für das gesamte Jahr erwartet das italienische Innenministerium 200.000 Flüchtlinge. "Die Dimension dieser Massenankünfte ist für Italien unerträglich geworden", klagt der ehemalige Premierminister Matteo Renzi.

Der gescheiterte Traum von Europa: Alleine gelassen und ausgebeutet

auslandsjournal vom 26. Juli 2017
Die Situation für die Flüchtlinge ist auch in Europa oftmals miserabel.

Diejenigen, die die Strapazen der Überfahrt überlebt haben, sind sich selbst überlassen, werden ausgebeutet. Menschen überwiegend aus dem Sudan, aus Burkina Faso, aus Mali schuften jeden Tag auf den Feldern in Süditalien. Dort wohnen und arbeiten sie während der Tomatenernte im Sommer. Die Bedingungen: Unmenschlich.

Kampf gegen moderne Sklaverei

Der Mann, der diese menschenunwürdigen Strukturen durchbrechen möchte und deshalb regelmäßig Morddrohungen erhält, heißt Yvan Sagnet. Er ist der Streikführer der Arbeitergewerkschaft. Die große Hoffnung der Arbeiter. "Wir können hier für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, wir können für mehr Rechte kämpfen. Aber die Gesetze des Marktes, die können wir nicht verändern", sagt Sagnet. "Der Druck kommt von oben und wird weitergegeben. Der Käufer muss wissen: Wenn er in den Supermarkt geht und ein Kilogramm italienische Tomaten für achtzig Cent kauft, dann wurden diese Tomaten von miserabel entlohnten Arbeitern geerntet, die man ohne weiteres als moderne Sklaven bezeichnen kann." beklagt Sagnet im Interview.

„Jetzt sind die anderen EU-Mitgliedstaaten dran!“

Auch Deutschland ist betroffen. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will die Flüchtlingskrise zum Wahlkampfthema machen. Er erinnerte an 2015, als mehr als eine Million Flüchtlinge „weitgehend unkontrolliert“ nach Deutschland kamen. Schulz schlägt vor, dass andere EU-Staaten Italien gegen finanzielle Unterstützung von der EU-Kommission Flüchtlinge abnehmen. Deutschland will er davon aber ausnehmen: "Jetzt sind die anderen EU-Mitgliedstaaten dran!" Diese Woche reist Schulz nach Rom um dort mit Ministerpräsident Paolo Gentiloni über Sofortmaßnahmen in der Flüchtlingskrise zu beraten.

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