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Megastars am Monitor

außendienst in Südkoreas E-Sport-Welt

Sie füllen ganze Stadien und Millionen verfolgen ihre Turniere: Südkoreas eSport-Superstars. "außendienst" in der virtuellen Wettkampfwelt.

6 min
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30.08.2017
30.08.2017

Gespannte Stille. Nur das leise Klicken der Controller ist zu hören. Hin und wieder zischt jemand Anweisungen. Max, MaHa, Ian, Beyond und ADD sind hochkonzentriert. Es ist zwar nur ein Freundschaftsspiel, doch ernst nehmen die vier es allemal. Zusammen sind sie MVP: Eines der erfolgreichsten Profi eSport-Teams der Welt. Ihr Spiel: League of Legends. Monsterkämpfe am Monitor. Nach zwei Stunden sind sie fertig. Gewonnen! Wenn auch knapp. Ihr Coach Kwan ist zufrieden. Trotzdem: Hier und da sind ihm Fehler aufgefallen. Die Kritik kommt prompt. Denn: Das eSport-Geschäft boomt und die Konkurrenz schläft nie. Ganz vorne mitzuspielen verlangt höchstes Maß an Disziplin.

Computerspielen. Täglich. Bis zu neun Stunden.

Seit einem Jahr wohnt ADD mit den drei Jungs von MVP und Coach Kwan in einer Zocker-WG. Mit 15 Jahren hat er angefangen, League of Legends zu spielen und für die Karriere als Profi sogar die Schule geschmissen. Die Drei sind alle zwischen 18 und 22 Jahre alt. Aber statt Spielerfrauen liegen Kuscheltiere in den Betten: “Es ist noch nicht passiert, dass einer von uns jemals ein Mädchen mit in diese WG gebracht hat und das wird auch in Zukunft nicht passieren – das ist unerwünscht.“ Klare Absage also von ADD an das weibliche Geschlecht: Zocken hat Priorität. Jeden Tag. Mindestens neun Stunden.

Der Wert von Südkoreas gesamter Spieleindustrie wird auf stolze 6,5 Milliarden Euro geschätzt. Für Koreaner ist eSport so wichtig wie für uns Fußball: Drei Fernsehsender übertragen die eSport-Turniere live. Weltweit streamen Millionen Fans die zahlreichen Events im Internet. Jüngst kaufte Amazon den eGames-Giganten Twitch für 970 Millionen Dollar. Allein 100 Millionen User verfolgen monatlich auf Twitch die Wettbewerbe der Zocker. An jeder Ecke gibt es in Südkorea sogenannte PC-Bangs – die Zockerhimmel der Koreaner. Highspeed-Internet und spezielle Bildschirme sorgen dort für beste Bedingungen.

Wenn Daddeln zur Sucht wird

Computerspieler beim Zocken.
Weltweites Millionengeschäft: eSport.

Doch: Abhängigkeit von der virtuellen Welt ist keine Seltenheit. Von den 51 Millionen Südkoreanern sind zwei Millionen süchtig nach Computerspielen. Jeder siebte Süchtige ist unter zwölf Jahren. Die koreanische Regierung reagierte deshalb mit einem Gesetz: Seit 2011 ist Zocken zwischen 0 und 6 Uhr für Jugendliche unter 16 Jahren verboten. Zum Vergleich: In Deutschland werden nur ein Prozent aller Computerspieler als süchtig eingestuft.

Diese Zahlen sind für ADD und seine Jungs von MVP kein Thema: Gerade kämpfen sie bei einem internationalen Turnier in einer eSports-Arena um den Sieg. Auf der überdimensionalen Leinwand verfolgen tausende Fans das Spiel. Weitere Millionen im Internet. Und es wird spannend, am Ende zur Zitterpartie. Doch: Nach knapp drei Stunden Onlinekrieg führt ADD sein Team zum Sieg: Mit ihrer ausgeklügelten Strategie haben sie es geschafft das gegnerische Team zu überlisten. Das nächste Ziel: Die Weltmeisterschaft im Herbst in China.

Siegesfeier? Fehlanzeige!

Eine Siegesfeier? Gibt es nicht. Die Jungs wollen sich lieber ausruhen. Denn: Die Zeit ist knapp. Eine Profigamer-Karriere dauert im Schnitt nur zwei Jahre und nur die wenigsten Spieler schaffen es in dieser Zeit für den Rest ihres Lebens auszusorgen. Auch ADD´s Zukunft, sowie die seiner Zocker-Kollegen ist ungewiss: Ohne Schulabschluss stehen die Chancen auf dem hart umkämpften koreanischen Arbeitsmarkt schlecht. Deshalb gehen die vier und ihr Coach heute lieber früh schlafen anstatt den Sieg zu feiern: Um eines Tages zu denjenigen zu gehören, die mit eSport ausgesorgt haben.

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