Behörden ignorieren Brandschutz an Hochhäusern

Mehrheit der Bundesländer ließ Fassaden noch nicht überprüfen

Politik | Frontal 21 - Behörden ignorieren Brandschutz an Hochhäusern

Nach dem verheerenden Brand im Londoner Grenfell-Tower im Juni 2017 versicherte Bundesbauministerin Hendricks, man werde "kurzfristig erheben, wo es solche Bauten geben kann." Doch nach Frontal 21-Recherchen geschah das in den meisten Bundesländern nicht.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.01.2019, 21:00

So hat die Mehrheit der Bundesländer nicht überprüfen lassen, ob an den Fassaden von Hochhäusern brennbares Material verbaut ist. Dazu zählen große Flächenländer wie Nordrhein-Westfalen mit knapp 2400 Hochhäusern, Baden-Württemberg und Bayern, außerdem die Stadtstaaten Bremen und Berlin, die nicht mal die Zahl ihrer Hochhäuser beziffern können.

Nach der Katastrophe im Londoner Grenfell-Tower im Juni des vergangenen Jahres hatte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) zugesagt, die Bauministerkonferenz werde "kurzfristig erheben, wo es solche Bauten geben kann". Als Hochhäuser gelten Gebäude, bei denen der Fußboden mindestens eines Aufenthaltsraumes mehr als 22 Meter über der Geländeoberfläche liegt.

Knapp die Hälfte der großen Städte haben nicht geprüft

Eine genauere Prüfung haben Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hamburg angeordnet. Die Bauministerien forderten die Bauämter bei den Kreisen und kreisfreien Städten im Juli 2017 auf, alle Hochhäuser hinsichtlich brennbarer Baustoffe an den Außenwänden zu überprüfen. Die schrieben daraufhin die Eigentümer an und baten um Nachweise zu den Fassaden. Im Zweifelsfall entnahmen Brandschutzsachverständige Materialproben. Hessen hält eine allgemeine Überprüfungspflicht für unverhältnismäßig, hat aber den unteren Bauaufsichtsbehörden eine Kontrolle der Hochhäuser empfohlen, die vor 1984 errichtet wurden. Auch dort fanden Prüfer in mehreren Städten und Kreisen Fassaden mit brennbaren Materialien.

Anfragen direkt bei den 40 größten deutschen Städten ergaben, dass Städte wie Mainz und Braunschweig bei einer Reihe von Hochhäusern brennbare Materialien fanden. Dort sind Sanierungen geplant. Doch knapp die Hälfte der Städte hat bisher auf eine Prüfung der Fassaden verzichtet, unter anderem Berlin, München, Köln, Düsseldorf und Essen und Leipzig. Für Caren Lay, mieten- und wohnungsbaupolitische Sprecherin der Linken, ein erschreckendes Ergebnis: "Wenn gerade mal die Hälfte der Städte aktiv geworden sind, muss man leider befürchten, dass ein Großteil der Hochhäuser in Deutschland nicht überprüft wurde nach Grenfell. Das kann so nicht sein."

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