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Vertrauter Erdoğans zündelt in Deutschland

Proteste, Drohungen und Waffenkäufe durch türkisch-nationalistische Gruppierung

Politik | Frontal 21 - Vertrauter Erdoğans zündelt in Deutschland

Ein enger Vertrauter des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan finanziert in Deutschland Waffenkäufe der rockerähnlichen Gruppierung “Osmanen Germania Boxclub“. Das belegen gemeinsame Recherchen der Stuttgarter Nachrichten und von Frontal 21.

Beitragslänge:
11 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.12.2019, 21:00

Abhör- und Observationsprotokolle deutscher Sicherheitsbehörden, die den Redaktionen von Frontal 21 und den "Stuttgarter Nachrichten" vorliegen, dokumentieren, dass der türkische AKP-Abgeordnete Metin Külünk, ein enger Freund Erdoğans, mehrfach Geld an Führungsmitglieder der Osmanen übergab oder übergeben ließ. Die Ermittler gehen davon aus, dass von dem Geld auch Schusswaffen gekauft wurden. Sie beschlagnahmten im Mai 2016 unter anderem eine Maschinenpistole des Typs Skorpion, die für die “Osmanen Germania“ bestimmt gewesen sei.

Sicherheitsbehörden beobachten Aktivitäten der Gruppe

Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Nordrhein-Westfalen beobachtet die “Osmanen Germania“ intensiv. Für das Amt sind die Aktivitäten der Gruppe in erster Linie gegen Türkei-kritische und kurdisch-nahe Organisationen gerichtet. “Gegen alle diese bauen die ‘Osmanen Germania‘ eine Drohkulisse auf. Und wenn es dann zu Auseinandersetzungen kommt, dann scheuen sie auch nicht die Gewalt“, sagte Burkhard Freier, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen, im Interview mit Frontal 21. Auch das hessische Landeskriminalamt (LKA) beobachtet die “Osmanen Germania“. “Insbesondere im Bereich unserer Gefahrenabwehraufgaben haben wir festgestellt, dass diese Rockergruppierung sehr stark zunehmend türkisch-nationalistisch geprägt ist“, erklärte Sabine Thurau, Leiterin des hessischen LKA.

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Videolänge:
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Nach Erkenntnissen der Ermittler habe Külünk in enger Absprache mit Erdoğan und dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu in Deutschland Proteste gegen die Armenien-Resolution organisiert. Diese hatte der Deutsche Bundestag am 2. Juni 2016 verabschiedet. Die Ermittler hörten am 1. Juni 2016 ein Telefonat ab, in dem sich Erdoğan ausdrücklich vorbehielt, über weitere Proteste in Berlin persönlich zu entscheiden. Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung “Osmanen Germania“ beteiligten sich an den Protesten gegen die Armenien-Resolution.

Kurden und Erdoğan-Kritiker Ziel möglicher Angriffe

Nach den Recherchen sind vor allem in Deutschland lebende Kurden sowie Kritiker des türkischen Staatspräsidenten Ziel möglicher Angriffe durch die “Osmanen Germania“. In Telefonaten forderte AKP-Mann Külünk laut Ermittlern seine Landsleute auf, Kurden “mit Stöcken auf den Kopf zu schlagen“, dies zu filmen und die Videos dem türkischen Staat zur Verfügung zu stellen. Diese sollten dann “zur Abschreckung“ möglicher Kritiker Erdoğans verwendet werden. Külünk reagierte nicht auf Anfrage der Redaktion.

Die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Sevim Dağdelen, fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. Das türkische Netzwerk stelle eine große Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland dar. Eine Organisation wie die "Osmanen Germania" müsse verboten werden.

Auf Nachfrage von Frontal 21 erklärt das Bundesinnenministerium: Wenn bei Mitgliedern der "Osmanen Germania" Hinweise auf „eine Einbindung in nachrichtendienstliche Aktivitäten oder Einflussoperationen staatlicher türkischer Stellen vorliegen, geht das Bundesamt für Verfassungsschutz diesen mit Nachdruck nach."
Die rockerähnliche Gruppierung "Osmanen Germania Boxclub" entstand 2015 und wuchs innerhalb von nur einem Jahr auf etwa 1.500 meist türkischstämmige Mitglieder an.

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Sie gelten als die am schnellsten wachsende rockerähnliche Vereinigung in Deutschland. Nach eigenen Angaben haben die "Osmanen Germania" schon mehr als 2000 Mitglieder.

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