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"Nie wieder!"

Bundesliga erinnert an Auschwitz-Befreiung

Am 27. Januar 1945 befreien Soldaten der Roten Armee tausende Häftlinge im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau aus den Fängen der Nazis. Der deutsche Profifußball setzt ein Zeichen gegen das Vergessen.

Fußballspieler mit Ball
Quelle: dfl

Vereine von der ersten bis zur dritten Liga sowie der Frauenfußball-Bundesliga, DFL und DFB erinnern so an die Verfolgten und Ermordeten im sogenannten dritten Reich. Der Gedenktag, den die Initiative !"Nie wieder" seit 2005 mit Unterstützung der Bundesliga-Stiftung organisiert, wird unter anderem mit Durchsagen in den Stadien und Veröffentlichungen in Klub-Medien begleitet. Choreografien, Ausstellungen, Vorträge, Kranzniederlegungen und Konzerte runden das Programm ab. "Gerade in der heutigen Zeit ist es unerlässlich, Zeichen zu setzen. Wir dürfen die Vergangenheit niemals vergessen. Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben" betonte Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball im Rahmen der Veranstaltung "Erinnern reicht nicht!"

Vom 11. bis zum 13. Januar trafen sich 200 Vertreter des deutschen Fußballs in Frankfurt am Main, darunter DFB-Präsident Reinhard Grindel und der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau, um unter anderem an den Holocaust zu erinnern und aus dem düstersten Kapitel der deutschen Geschichte weitere Lehren für den Fußball zu ziehen. "Gerade in der jetzigen Zeit gilt es, Zeichen zu setzen und dem aufkommenden Nationalismus, Rassismus, der Diskriminierung und Ausgrenzung sowie sexueller Gewalt und Sexismus in der Gesellschaft entgegenzutreten", wird Thomas Vorberger, Betreuer im Fan Club Nationalmannschaft, nachher auf dfb.de zitiert.

Gelebter Einsatz gegen Rechts

Die Kurve ist immer auch ein Einfallstor für Menschen mit rechtem Gedankengut.
Eberhard Schulz, Sprecher der Initiative !"Nie wieder"

"Jude", "Schwuler" oder "schwarze Sau!" Wer kennt sie nicht, die üblen wie üblichen Beleidigungen des Gegners - auf dem Platz und in der Kurve? Ein Fußballspiel ist kein Benimmkurs, derbe Sprüche gehören oft dazu, ob man sie gut findet oder nicht. Doch inmitten des Männersports mit all seinen kraftmeiernden Ritualen hat sich längst eine immer größer werdende Bewegung gebildet, die Werte wie vor allem Respekt vor dem anderen hochhält. Angefangen hat alles mit der Schalker Fanitiative gegen Rassismus e. V., die sich bereits vor 25 Jahren gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit im Stadion einsetzte. Heute streiten Vereinspräsidenten wie Peter Fischer (Eintracht Frankfurt) und Hubertus Hess-Grunwald (Werder Bremen) offen gegen AfD-Mitglieder in ihrem Kreis - und polarisieren damit natürlich auch.

"In den Vereinen wird der Einsatz gegen Rassismus, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Ausgrenzung und Nationalismus bereits größtenteils gelebt und in den Kurven zum Ausdruck gebracht", betont Thomas Vorberger. Das sei Teil der Fußballkultur, die in den vergangenen Jahren gewachsen ist. "Auch bei den Spielen der Nationalmannschaft und bei den Fans der Nationalmannschaft ist es wichtig, klar Stellung zu beziehen und sich zu positionieren. Man darf nicht den lauten Randgruppen das Feld überlassen."

Fanprojekte als wichtiges Bindeglied

Einer, der von Beginn an gegen die Unterwanderung des deutschen Fußballs durch rechte Krakeeler kämpft, ist Eberhard Schulz. Der frühere evangelische Diakon und Religionslehrer ist der Sprecher der Initiative !"Nie wieder". Er schätzt vor allem die Arbeit der Fanprojekte, die in ganz Deutschland wichtige Sozialarbeit leisten würden. "Ich finde das großartig, weil der Fußball ja im Grunde den größten Rahmen bietet, um Menschen völlig verschiedener Kulturen, Weltanschauungen, Glaubensrichtungen und politischer Überzeugungen zusammen zu bringen", sagt Eberhard Schulz dem ZDF und führt aus: Beim jetzigen Erinnerungstag machen alle Vereine wie selbstverständlich mit, nicht nur im Profibereich, sondern auch bei den Amateuren, die ja noch gar nicht im Spielbetrieb sind.

Da die Kurve im Stadion "immer auch ein Einfallstor für Menschen mit rechtem Gedankengut", wären, sei ein Erinnerungstag wie der jetzige unverzichtbar. In Mainz werden vor dem Spiel des FSV am Samstag (15:30 Uhr) gegen den 1. FC Nürnberg beide Vereinspräsidenten gemeinsam mit Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, den !"Nie wieder" -Text im Stadion vorlesen. In München wollen Fangruppen am Samstag an vier verschiedenen Orten Banner mit Bezug zum Thema auf. In der Arena selbst wird der Fanclub "Schickeria" vor dem Spiel des FC Bayern am Sonntag (15:30 Uhr) gegen den VfB Stuttgart eine große Choreografie einer jüdischen Familie widmen, die während der Nazizeit aus München fliehen musste. Außerdem findet in der Versöhnungskirche ein Gedenk-Gottesdienst statt.

Vorbildliche Aufklärungsarbeit

Fast noch wichtiger aber als solch gebündelte Aktionen an einem Erinnerungstag seien laut Eberhard Schulz die unzähligen Aktionen in den einzelnen Vereinen und den angeschlossenen Fanprojekten wie etwa regelmäßige Bildungsfahrten mit Jugendlichen zu den Gedenkstätten Auschwitz-Birkenau, Dachau und Theresienstadt oder Diskussionsveranstaltungen mit Zeitzeugen oder Nachfahren früherer NS-Opfer. Auch Vereine wie Hertha BSC oder Borussia Dortmund, zu denen sich auch Schläger vom rechten Rand hingezogen fühlen, leisten vorbildliche Aufklärungsarbeit. So sind die Berliner bereits zweimal mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet worden und führt der BVB im Rahmen des Projekts "Lernort Stadion" immer wieder Jugendliche an die sensible Problematik heran.

Was der jetzige Aktionstag gegen das Vergessen gebracht hat, wollen dann am 14. März wieder die Initiatoren von !"Nie wieder" in Frankfurt am Main diskutieren. "Wir sind im Fußball auf einem guten Weg", ist Eberhard Schulz überzeugt - trotz zweistelliger Wahlergebnisse einer Partei, deren Anhänger anscheinend wenig aus der deutschen Geschichte von vor 80 Jahren gelernt haben.

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