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Vettel kocht - Ferrari plant Einspruch

Formel 1 | GP von Kanada

Sebastian Vettel tobt. Der Ferrari-Star fühlt sich um den Grand-Prix-Sieg von Kanada betrogen. Für eine schonungslose Aktion gegen Lewis Hamilton hatte er eine Zeitstrafe erhalten, die Ferrari nicht hinnehmen will.

Formel 1, Großer Preis von Kanada am 9.6.2019: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel protestiert und erklärt sich zum Sieger.
Sebastian Vettels stiller Protest mit Schildertausch
Quelle: Paul Chiasson/The Canadian Press via ap

In rasender Wut hatte sich Sebastian Vettel am Sonntag trotzig selbst zum Grand-Prix-Gewinner von Kanada erklärt. Im Parc Fermé vertauschte er die Nummerntafeln vor dem Siegerauto und erzeugte mit seinem Groll-Protest eine der denkwürdigsten Szenen in der jüngeren Formel-1-Historie. "Das ist nicht der Sport, in den ich mich verliebt habe", schimpfte Vettel.

Hamilton abgedrängt

Die Aufregerszene spielte sich am Sonntag in der 48. Runde ab. Nach einem Fahrfehler in der Schikane von Kurve drei und vier landete der vom Start weg führende Vettel im Rasen. Als er seinen Wagen wieder auf dem Asphalt unter Kontrolle hatte, drängte er Verfolger Hamilton fast in die Mauer.

Der Mercedes-Pilot bremste, verhinderte einen Crash - wurde aber um die große Chance zum Überholen gebracht. "Es war ein kleiner Fehler, ich hatte das ganze Rennen mit der Hinterachse zu kämpfen", erläuterte Vettel. "Das ganze Rennen hat Lewis viel Druck ausgeübt, ich hatte nicht viel Luft."

Die Zeitstrafe - und was danach kommen kann

"Alles gegeben"

"Natürlich will man so nicht gewinnen, aber ich habe bis zum Ende alles gegeben. Ich habe ihn zu dem Fehler gezwungen und er ist aufs Gras gefahren", sagte Hamilton nach seinem fünften Saisonsieg und zog Vettel auf dem Podest an sich.

"Sie stehlen uns das Rennen", hatte Vettel schon während des Grand Prix in Richtung Stewards über den Boxenfunk gezischt. "Man muss schon komplett blind sein, zu denken, dass man durch das Gras fährt und dann auch noch das Auto unter Kontrolle behält." Vettel verstand "die Welt nicht mehr".

"Wir haben das Rennen gewonnen"

Die Rennkommissare ahndeten die Gefährdungslage mit einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe. In der Endabrechnung hatte Vettel einen Rückstand von 3,658 Sekunden auf Hamilton. "Ich denke, wir haben das Rennen gewonnen. Wir haben die Ziellinie zuerst überquert, auch wenn die Rennkommissare eine andere Sicht haben", sagte Vettel, der bei sich keinen Fehler ausfindig machen konnte. Ferrari auch nicht.

"Es ist ein gutes Zeichen, seine Leidenschaft zu sehen, er ist hungrig", sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto über seinen uneinsichtigen Star-Piloten. "Wir sind alle hungrig und das wird uns auch in den künftigen Rennen helfen." Abfinden will sich die Scuderia mit der Sanktionierung aber nicht. Deshalb legte sie Binotto zufolge auch Beschwerde ein.

Verständnis für Vettel

Aus der Motorsportszene hat Vettel Unterstützung erhalten. "Das ist die schlimmste Entscheidung, die ihr jemals getroffen habt", twitterte der frühere Motorrad-Weltmeister Casey Stoner. Ex-Formel-1-Weltmeister Nigel Mansell schrieb: "Sehr, sehr peinlich. Es war keine Freude, dieses Rennen zu sehen. Zwei Champions fahren brillant, aber es endet mit dem falschen Ergebnis."

Formel 1, Großer Preis von Kanada: Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton (.r.) tröstet Sebastian Vettel.
Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton (.r.) tröstet Sebastian Vettel.
Quelle: Ryan Remiorz/The Canadian Press via ap

"Was in Kanada passiert ist, ist auf diesem Level unseres großartigen Sports nicht akzeptabel", twitterte die US-Motorsportlegende Mario Andretti. Er ergänzte, dass keine Fahrfehler infolge harter Zweikämpfe so bestraft werden sollten.

Der Schotte Allan McNish merkte an: "Ich bin nicht sicher, was Vettel hätte anders machen sollen. Eine harte Entscheidung für Vettel."

"Es ist wirklich schade, das war eine normale Rennsituation. Ja, Sebastian hat einen Fehler gemacht, aber er hat diese Strafe nicht verdient", sagte Ex-Weltmeister Jenson Button bei "Sky". Johnny Herbert stellte fest: "Racing ist weich geworden. Falsch, falsch, falsch."

Der frühere Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg dagegen sieht die Schuld bei Vettel. "Die Strafe ist in Ordnung und hundertprozentig verdient", sagte Rosberg in seinem Podcast: "Es gibt eine Regel, dass man nach einem Ausrutscher sicher auf die Strecke zurückkehren muss, und das hat Vettel nicht getan."

Viele Fehler

So oder so - Vettel muss seine Fehlerquote minimieren. Zuletzt in Bahrain hatte er sich nach einem Zweikampf mit Hamilton gedreht und dann auch noch seinen Frontflügel verloren.

Weltmeisterliche Konstanz zeigt bisher nur der Engländer, der mit seinem siebten Kanada-Sieg Michael Schumachers Bestmarke einstellte. "Ich habe mir die Seele aus dem Leib gefahren", bekannte Hamilton, der in der WM-Wertung schon 62 Punkte Vorsprung auf den Drittplatzierten Vettel aufzuweisen hat.

Quelle: dpa/SID

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