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Transfers - ein Markt außer Rand und Band

Die Summen auf dem Transfermarkt werden immer verrückter. An den Kräfteverhältnissen der Klubs ändern sie allerdings kaum etwas.

Virgil van Dijk (FC Liverpool)
Virgil van Dijk (FC Liverpool)
Quelle: reuters

Die ersten Wochen in seiner neuen sportlichen Heimat wird sich Virgil van Dijk anders vorgestellt haben. Zwar schoss der neue Rekord-Abwehrspieler in seinem ersten Einsatz für den FC Liverpool Anfang Januar direkt das Siegtor. Seither aber läuft es nicht mehr so rund.

Spötter im Netz

Beim furiosen 4:3-Sieg gegen Manchester City musste van Dijk verletzt zusehen. Als er wieder mitwirken konnte, verlor der LFC zuerst gegen den Letzten der Liga, Swansea, dann gegen den Vorletzten West Brom. Und erste Spötter meldeten sich zu Wort: Nach dem Aus im FA-Cup gegen West Brom kursierten Bilder im Netz, die Dinge zeigten, die nützlicher seien als ein Virgil van Dijk in der Abwehr: Ein Fahrrad mit eckigen Rädern etwa, oder auch eine Gießkanne, deren Hals zurück in den Behälter führt.

Klar, englischer Humor könnte man meinen. Und doch ist die Sache mehr als nur ein Spaß. Schließlich ist es erst knapp vier Wochen her, dass Liverpool für Virgil van Dijk die Rekordsumme von 85 Millionen Euro überwies. Nie wurde mehr Geld für einen Abwehrspieler bezahlt als für den 16-fachen holländischen Nationalspieler.

TV-Geld-Rekorde

Durch immer neue TV-Geld-Rekorde können die englischen Klubs sehr viel mehr an Ablöse bezahlen als sie ohnehin schon immer getan haben. Van Dijk ist da möglicherweise das krasseste Beispiel in einem Markt, dem langsam aber sicher die Leitplanken abhanden kommen. Der 26-jährige ist zweikampf- und kopfballstark, ein guter Verteidiger, keine Frage. Aber Weltklasse ist er nicht. Vor fünf Jahren hätte einer wie van Dijk fünfzehn, vielleicht zwanzig Millionen gekostet.

Aymeric Laporte (Athletic Bilbao)
Aymeric Laporte (Athletic Bilbao)
Quelle: reuters

Allein: Der van-Dijk-Transfer illustriert perfekt das Problem, das Jürgen Klopp mit seinem FC Liverpool genauso betrifft wie andere Klubs, die im Windschatten der absoluten europäischen Topklubs lauern. Denn während Klopp 85 Millionen Euro für einen Spieler ausgibt, hat Pep Guardiola dank des Scheich-Geldes allein in dieser Spielzeit satte 250 Millionen Euro in die Defensive Manchester Citys gesteckt - zuletzt übrigens erst 70 Millionen Euro für Aymeric Laporte von Athletic Bilbao, der mit seinen null A-Länderspielen ein ähnliches Halbschwergewicht wie van Dijk ist. Immerhin jedoch mit dem Ergebnis, dass City nahezu uneinholbare 18 Punkte vor Liverpool rangiert.

Die Verhältnisse bleiben also die gleichen, nur die Preise steigen. Oder anders: Die Flut hebt alle Boote. Da passt ins Bild, dass Klopp das Herzstück seiner Offensive, den brillanten Philippe Coutinho, trotz allen TV-Gelds unlängst zum FC Barcelona ziehen lassen musste. Für 120 Millionen Euro zwar, aber um einen wie Coutinho adäquat zu ersetzen, bräuchte es auf dem derzeitigen Markt eben auch ungefähr genauso viel Geld.

Lieber zu den großen Klubs

Mit dem van-Dijk-Transfer hat Liverpool bewiesen, dass der Klub derlei Summen ausgeben kann und will. Spieler vom Kaliber eines Countinho gehen aber lieber, na klar, zu den ganz großen Klubs.

So wird Real Madrid derzeit ein ernsthaftes Interesse am Klopp-Schützling Mo Salah nachgesagt. Ob Liverpool ihn halten kann, wenn die Madrilenen Ernst machen? Eher nicht. Ob sie Salah, der sich in dieser Saison zu einem der besten Offensivspieler der Premier League mauserte, eins zu eins ersetzen können? Wohl auch nur bedingt.

Die Summen stimmen nicht mehr – das Verhältnis aber schon

In Madrid könnte Salah dann an der Seite von Neymar spielen, für den die Königlichen angeblich bereit sind, 400 Millionen Euro an Paris Saint Germain zu überweisen. Eine absurde Summe, in Verhältnis gesetzt aber ist Neymar ein Spieler, der dann tatsächlich auch den Unterschied ausmacht.

Anders als eben ein Virgil van Dijk. Oder auch ein Pierre-Emerick Aubameyang, für den der FC Arsenal wohl mindestens 65 Millionen Euro an Borussia Dortmund zahlt, der aber wahrscheinlich trotzdem nicht dafür sorgen wird, dass die Gunners demnächst wieder ein ernsthafter Titelanwärter sind.

Gleichwertiger Ersatz gefragt

Und bei Dortmund? Darf ein Qualitätsverlust befürchtet werden, wie er schon nach dem Abgang von Ousmane Dembele zu beobachten war? Denn auch hier greift die Coutinho-Logik: Um einen Spieler vom Schlage eines Aubameyang zu bekommen, müsste man auch für einen Spieler vom Schlage eines Aubameyang bezahlen. Eine Summe von knapp 64 Millionen Euro wird der BVB aber wohl nicht locker machen. Der als Ersatz frisch bis zum Saisonende ausgeliehene Michy Batshuayi vom FC Chelsea ist zunächst nur die Notlösung.

Aubameyang betreibt seinen Abschied aus Dortmund. Archivbild
Pierre-Emerick Aubameyang
Quelle: Bernd Thissen/dpa

Und so stimmen die Summen zwar nicht mehr, die Verhältnismäßigkeit dazwischen durchaus aber schon noch. Weswegen Jürgen Klopp nun an der Anfield Road ein ähnliches Schicksal droht wie einst in Dortmund: Die besten Spieler werden von größeren Vereinen weggekauft, allen finanziellen Möglichkeiten zum Trotz. Übrig bleiben die Spieler, die eben nicht zur absoluten Weltspitze gehören.

Seinen 85-Millionen-Euro-Mann Virgil van Dijk nahm Klopp nach den beiden Niederlagen übrigens in Schutz: "Ich habe nie über die Innenverteidiger oder die Abwehrreihe gesprochen, als wir ein Tor kassiert haben. Da ist niemand alleine verantwortlich." Selbst wenn van Dijk in der ein oder anderen Szene in etwa so beweglich wirkte wie ein Fahrrad mit eckigen Rädern.

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