Infektionen in Krankenhäusern

Gefährliche Superbakterien führen immer wieder zu Todesfällen

Verbraucher | Volle Kanne - Infektionen in Krankenhäusern

In deutschen Krankenhäusern sterben jährlich etwa 15.000 Patienten an Infektionen durch multiresistente Keime. Mit einem effizienten Infektionsmanagement könnte das vermieden werden.

Beitragslänge:
10 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.09.2019, 09:05

Das „Kompetenzzentrum Mikrobiologie und Hygiene" der St. Franziskus-Stiftung Münster ist ein Vorbild für gelungenes Infektionsmanagement. Seit vier Jahren wird dort ein umfassendes interdisziplinäres Gesamtkonzept praktiziert, das Patienten schützen und Leben retten soll. Wie ist das Vorgehen und was können andere Kliniken davon lernen?

1. Infektionserreger schnell erkennen

Berüchtigt sind zum Beispiel die MRSA-Bakterienstämme: die Abkürzung steht für „Methicillin resistenter Staphylococcus aureus“. Gefährlich werden kann MRSA, wenn das Immunsystem geschwächt ist, etwa aufgrund einer anderen Erkrankung.

Experten raten deshalb dazu, diesen Infektionserreger schnell zu identifizieren, um eine Weiterverbreitung etwa auf andere Patienten oder das Krankenhauspersonal zu vermeiden.

2. Wettlauf gegen die Zeit

Viele Kliniken geben ihre Proben an ein externes Labor. Die Ergebnisse kommen manchmal erst nach Tagen zurück. So geht wertvolle Zeit verloren. Im St. Franziskus-Hospital ist das Personal im hauseigenen mikrobiologischen Labor in der Lage, rund um die Uhr Körperproben auszuwerten. Auch nachts können Ergebnisse dokumentiert werden und die Behandlung kann zeitnah beginnen.

Insbesondere bei lebensgefährlichen Blutstrominfektionen schafft ein hauseigenes Labor einen zeitlichen Vorteil von bis zu 24 Stunden im Vergleich zu einer externen Versorgung und kann dadurch Leben retten.

Hauseigenes Labor im Krankenhaus
Besitzt eine Klinik ein hauseigenes Labor, können die Mediziner rund um die Uhr Proben auswerten - eine enorme Zeitersparnis, die Leben retten kann.
Quelle: zdf

3. Experten arbeiten gemeinsam

Zudem gibt es eine spezielle interdisziplinäre Visite. Dabei beraten sich die behandelnden Intensivmediziner direkt am Bett des Patienten mit dem Mikrobiologen und einer Krankenhausapothekerin.

Die Apothekerin beobachtet mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wie etwa Blutdruck- und Cholesterinsenker oder Schmerzmittel. Der Mikrobiologe kontrolliert u.a. Art und Dosis des Antibiotikums. Den Antibiotikaspiegel im Blut des Patienten exakt zu messen, gibt zusätzliche Sicherheit.

4. Resistenzen verhindern

Eine exakte Dosierung und eine angemessene Behandlungszeit tragen auch dazu bei, Resistenzen zu verhindern. Denn auch der falsche Umgang mit Antibiotika führt dazu, dass Bakterien resistent werden.

Die üblichen Substanzen oder Dosierungen sind dann nicht mehr wirksam, um die Krankheitserreger erfolgreich zu bekämpfen.

Krankenhäuser müssen mehr Geld investieren

Vernetzung von Station und Labor, schnelles Reagieren und interdisziplinäre Teamarbeit bei Diagnose und Therapie sind die Schlüssel für ein effizientes Infektionsmanagement. Das ist zwar kostenintensiv, erhöht aber die Sicherheit von Patienten und Personal messbar.

Für ihr wegweisendes Programm wurde die St. Franziskus-Stiftung Münster vom „Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.“ (APS) im Mai 2018 mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018 ausgezeichnet.

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