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Tierschutz in der Nutztierhaltung

Verbraucher | Volle Kanne - Tierschutz in der Nutztierhaltung

In Deutschland und der EU gelten in der Nutztierhaltung gesetzlich verankerte Mindeststandards. Diese aber gehen vielen nicht weit genug. Tierschützer fordern eine artgerechtere Haltung. Was kann man als Verbraucher tun?

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.10.2019, 09:05

Da bei billigem Fleisch zwangsläufig auch die Produktionskosten niedrig gehalten werden müssen, hat man als Verbraucher direkten Einfluss: Wer bessere Bedingungen für die Tiere möchte, muss für Fleisch etwas tiefer in die Tasche greifen. Öko-Siegel dienen als Orientierung.

Staatliches Bio-Siegel

Mit dem staatlichen sechseckigen Bio-Siegel werden Lebensmittel gekennzeichnet, die nach kontrollierter EG-Öko-Norm hergestellt sind. Die EG-Öko-Verordnung gibt es seit 1993. Sie beinhaltet Regeln für den Anbau, die Verarbeitung und die Vermarktung von ökologischen Produkten. Beispielsweise sind nur bestimmte Dünge- und Futtermittel zugelassen und die Anzahl der Tiere ist beschränkt.

Alle vorverpackten Lebensmittel aus der EU mit Bio-Hinweis müssen mit dem offiziellen EU-Bio-Siegel versehen sein. Aber auch das bedeutet nur die Einhaltung der Mindeststandards für Bio-Produkte. Immerhin: Die Tiere haben mehr Platz als in der konventionellen Haltung gesetzlich vorgeschrieben ist und Auslauf ins Freie.

Die Anbauverbände

Darüber hinaus gibt es ökologische Anbauverbände, die sich noch strengeren Richtlinien unterwerfen. Die drei größten sind Bioland, Demeter und Naturland. Sie stehen zum Beispiel für ausgewogene Nährstoffkreisläufe durch flächengebundene Tierhaltung, das heißt, es dürfen nur so viele Tiere auf dem Hof gehalten werden, wie der Hof Futter liefert. Die Fütterung ist ökologisch ausgerichtet ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungsförderern (keine Mastbeschleuniger) und die Haltung ist tiergerecht mit Auslaufmöglichkeiten. Zudem kommt keine Gentechnik zum Einsatz. Diese entsprechend gelabelten Produkte gibt es vorzugsweise in Bioläden – das Fleisch ist deutlich teurer als Bio-Fleisch aus dem Discounter, dafür sind die Haltungsbedingungen der Tiere auch deutlich artgerechter.   

Tierschutz-Siegel

Neben den Bio-Siegeln gibt es eine Menge Siegel zum Wohl der Tiere. Doch längst nicht alle sind in den Kühltruhen der Supermärkte zu finden. Landwirte, die ein Tierschutzlabel haben möchten, müssen investieren, um die Vorgaben (größere Ställe, besseres Futter, etc.) des Verbands zu erfüllen. Zudem kostet die Zertifizierung Lizenzgebühren. Der Landwirt schließt einen Vertrag ab, mit dem er sich verpflichtet nach den Vorgaben des Verbandes zu produzieren. Damit der Verbraucher das erkennen kann, werden die Produkte mit einem Label versehen. Doch wofür welches Label steht, ist für den Verbraucher unübersichtlich.

Das weit verbreitete Label der „Initiative Tierwohl“ zum Beispiel, bedeutet nicht, dass das Fleisch aus artgerechter Haltung kommt – es kann auch aus konventioneller Haltung stammen. Das Siegel sagt lediglich aus, dass die an der Initiative beteiligten Unternehmen bestimmte Mindestvorgaben erfüllen, die aber nicht deutlich über den gesetzlichen Anforderungen liegen. Das Premiumlabel des Deutschen Tierschutzbundes „Für mehr Tierschutz“ mit zwei Sternen und das Neuland-Siegel stehen für höhere Standards. Das Fleisch kann zwar aus großen Betrieben kommen, die Tiere aber werden möglichst natürlich gehalten und die gesamte Kette von Haltung über Schlachtung bis zum Fleischregal ist nachvollziehbar. Verkauft werden die Produkte mit diesen Siegeln in Supermärkten, aber leider sind sie noch relativ selten zu finden.

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