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Recherchen zum Film

Visionen für den Nahverkehr

Die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs, das sind autonom fahrende Superautos mit dutzenden Displays und schicken Ledersesseln. Oder elektrisch fliegende Mittelstreckenflugzeuge. Oder doch mindestens der Hyperloop, in dessen luftleerer Röhre gerade vor kurzem ja die ersten Passagiere ein bisschen Zukunft erleben konnten. Soweit mein Ansatz für eine Recherche.

Bis ich Horst Metzler traf. Ein pensionierter Eisenbahner aus Worms, der die Zukunft seiner Region sieht, wenn er technologisch in die Vergangenheit blickt: Denn zwischen Monsheim und Langmeil, die auf einer gedachten Linie zwischen Worms und Kaiserslautern liegen, rostet seit Jahren eine komplette Zugstrecke vor sich hin. Horst und sein Sohn Ralf engagieren sich im Verein Zellertalbahn e.V. für eine Wiederaufnahme des Zugverkehrs.

Theoretisch gibt es im ganzen Bundesgebiet Bahnstrecken, die reaktiviert werden könnten, eine Studie geht davon aus, dass man mit überschaubarem Aufwand drei Millionen Bundesbürgern Anschluss an eine Bahnstrecke ermöglichen könnte.

Dieser Ansatz begleitete uns durch die Recherche. Was unternehmen diese Vereine, mit wem verhandeln sie, welche Chancen haben sie überhaupt? Man lernt eine Menge über die Bahn als solche und ihr Vorschriftengestrüpp. Beispiel: Nur weil auf einer alten Bahnstrecke noch ab und zu Güterzüge fahren, heißt das noch lange nicht, dass sie auch für Personenzüge zugelassen ist. Erst muss sie gesichert werden, mit Bahnübergängen, für die eigene Vorschriften bestehen. Da kann man dann Feldwege bewundern, die urplötzlich zu 6-Meter-Bahnübergängen werden, top ausgestattet mit barrierefreier Technik und Signalen, um dann auf der anderen Seite wieder zu Feldwegen zu werden.

Auf der anderen Seite kann die Wiederauferstehung der Bahntechnik keine Gesamtlösung sein. Denn das geht nur dort, wo bereits Schienen liegen. Deswegen beschäftigte uns die Frage: wie kann man in Zukunft auch etwas abgelegene Regionen für den ÖPNV erschließen?

Auf eine mögliche Idee stießen wir beim französischen Unternehmen „easymile“. Das baut elektrisch betriebene Kleinbusse, die technisch gesehen autonom fahren können. Die Fahrzeuge bekommen eine Strecke programmiert und fahren sie selbstständig ab. Wir haben uns diese Busse in Barkabystaden in Schweden angesehen, wo sie bereits im autonomen Alltagseinsatz sind, aber zur Sicherheit immer noch mit einem als Aufpasser, der notfalls eingreifen könnte. Außerdem haben wir mit Entwicklern in Toulouse gesprochen, die uns auf ein interessantes Modellprojekt verwiesen: auf dem „Greentec-Campus“ in Enge-Sande (Schleswig-Holstein) fahren jetzt schon Busse vollautonom, d.h. ohne Fahrer an Bord. Was kaum jemand weiß: Deutschland wird 2021 als erstes Land einen gesetzlichen Rahmen schaffen, der autonomen Verkehr ermöglicht und regelt. Genau das könnte nicht nur Städte, sondern auch Dörfer eines Tages verbinden: Den Bus per App vorbestellen, autonom und elektrisch zur nächsten Einkaufsgelegenheit hin und wieder zurück.

Fußnote: Auf die Frage, was kosten denn die schönen Busse, sagte Easymile: Das wird nicht kommuniziert. Es ist auch nicht wirklich Thema des Films, aber man hätte es doch gerne gewusst. Bekannt ist, dass eine Stadt in den USA mit etwa 270.000$ Leasinggebühr pro Jahr rechnet. Das ist sicher viel Geld und wahrscheinlich auch dem frühen Stadium der Entwicklung geschuldet.

Noch eine Fußnote: Man kann dem Verlangen nicht widerstehen, die Technik der kleinen Busse zu reizen. Ich habe mich mal unvermittelt vor den fahrenden Bus gestellt – der prompt und sehr nachdrücklich bremste. Kopfschütteln bei den Servicetechnikern.

Noch ein bisschen mehr Zukunft haben wir noch bei „Volocopter“ gefunden, einem Unternehmen, das Flugtaxis baut, autonome Zweisitzer-Drohnen, die eines Tages über unseren Städten fliegen sollen. Solide, hübsch anzuschauende Geräte. Aber wahrscheinlich zunächst etwas für prestigebewusste Megacities.

Sehr patent fand unsere dänische Mitarbeiterin die „Ellen“, eine 60-Meter-Fähre, die rein elektrisch betrieben zwei dänische Inseln verbindet. Mit Windstrom und nur zwei Mann Besatzung. Ob Elektrofähren eine ähnliche Performance beim Start haben wie Elektro-Autos, die ja fast jeden herkömmlichen Sportwagen an der Ampel stehen lassen? Klar, meint Kapitän Larsen. Aber Kavalierstarts zu See sorgen auf dem Verladedeck für zu viel Unruhe. Kann er leider nicht demonstrieren.

Der Film entstand durch mithilfe von Simone Hoffmann in Frankreich, Linnea Pirntke in Schweden und Rikke Detlefsen in Dänemark.

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