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Recherchen zum Film

Auf nachhaltigen Pfoten

Meine Kollegin Frauke Vogel und ich sind begeisterte Hundehalterinnen. Vorerst aus persönlichem Interesse recherchierte ich daher stundenlang nach dem Futter mit dem kleinsten ökologischen Pfotenabdruck, das meine Tiere trotzdem optimal versorgt. Ich suchte Zubehör, das weder aus Plastik noch Polyester ist und sich idealerweise sogar noch kompostieren lässt. Dass das gar nicht so leicht war, zeigte uns, was für eine kleine Rolle Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit bisher im Haustierbereich spielen. Dabei dürfte das Thema nicht nur uns, sondern viele weitere Haustierbesitzer*innen umtreiben – die Idee für unseren gemeinsamen Film war geboren.

Uns waren bei den Recherchen aber nicht nur der Umweltfaktor und die Gesundheit unserer Tiere wichtig – auch soziale Aspekte sollten eine Rolle spielen. Denn wir hatten schon im eigenen Bekannten- und Freundeskreis bemerkt, wie in Zeiten von Lockdown und Kontaktbeschränkungen der Wunsch nach tierischer Gesellschaft gewachsen war und sich viele tatsächlich einen Vierbeiner zulegten.

Auch in den sozialen Medien verfolgen wir auf den Seiten diverser Tierschutzprojekte und -heime den enormen Anstieg von Anfragen und Adoptionen. Diese Entwicklung bietet vielen Tieren die Chance auf ein neues Zuhause, gleichzeitig wurden aber auch die Schattenseiten des Trends schnell sichtbar: Verkäufe über Ebay und illegale Welpenhändler*innen schnellten in die Höhe, oft mit fatalen Folgen für die Tiere und ihre neuen Besitzer*innen. Neben Krankheiten sind vor allem bei Hunden Verhaltensauffälligkeiten ein großes Problem. Und so dürfte auf den Vermittlungsboom bald die große Abgabewelle folgen. Wohin mit Tieren, für die nach der Rückkehr aus dem Homeoffice ins Büro keine Zeit mehr ist? Und vor allem: was passiert mit den Hunden, die oft aus mangelnder Erfahrung ihrer neuen Besitzer*innen oder wegen mangelnder Sozialisierung im Welpenalter verhaltensauffällig werden?

Sie landen im besten Fall im Tierheim, sind allerdings gerade nach Beißvorfällen schwer vermittelbar - im schlimmsten Fall werden sie eingeschläfert. Unsere Recherchen ergaben, dass es in Deutschland nur sehr wenige Resozialisierungsprojekte gibt, die diese Tiere auffangen und therapieren, mit ihnen den Alltag trainieren und ihnen das Vertrauen in Menschen zurückgeben. Eines davon haben wir in Niedersachsen gefunden, es nennt sich „The Big Foot Way“.

Das Team um Hundetrainerin Janine Berger nimmt die Tiere in einem häuslichen Rahmen auf, lebt mit ihnen gemeinsam auf einem kleinen Hof bei Rehburg-Loccum und führt sie an Alltagsreize wie Autos, Fahrräder, Spaziergänger*innen, Jogger*innen und fremde Hunde heran. Aber auch schwierige Situation werden trainiert. In einer Umgebung, die ihnen Halt gibt, lernen die verunsicherten und überforderten Tiere wieder, mit Menschen umzugehen. Sind die Hunde dann bereit für die Vermittlung, prüfen Janine Berger und ihre Mitarbeiterinnen sorgfältig die Interessent*innen, ihre Lebenssituation und das neue Zuhause.

Wir sind sehr dankbar, dass wir mit unserem Kamerateam hinter die Kulissen dieser wichtigen und sensiblen Arbeit schauen durften.

Bei den Recherchen für den Film stießen wir auch auf einen Verein in der Schweiz, der vor allem ältere Menschen dabei unterstützt, ihre Haustiere zu versorgen. Senior*innen sind oft gesundheitlich eingeschränkt, schaffen längere Gassirunden oder den Tierarztbesuch nicht mehr allein. In der Regel landen die Tiere dann im Tierheim. Für Besitzer*innen und ihre Vierbeiner ist das oft eine traumatische Erfahrung. Der Verein Mensch und Tier im Glück, den Heidi Randegger gegründet hat, hilft mit einem wachsenden regionalen Netzwerk von Ehrenamtlichen bei der Versorgung, sodass Mensch und Tier zusammenbleiben können. Auch bei längeren Krankenhausaufenthalten unterstützt der Verein, in dem er Pflegefamilien für die Tiere findet.

In unserem Film befassen wir uns auch mit der Frage, wie nachhaltiges Zubehör für unsere Haustiere aussehen kann. Gerade ihr Spielzeug ist oft sehr günstig – und gleichzeitig besonders umweltschädlich, schadstoffhaltig und gesundheitsgefährdend. Denn anders als bei Kindersachen gibt es für Tierspielzeug keinerlei Richtlinien. Es tut also auch unseren Vierbeinern gut, wenn wir beim Kauf nach Alternativen schauen. Auf unserer Suche landeten wir bei der Pharmazeutin Joana Fokuhl an der Ostsee. Sie stellt Haustierzubehör wie Bälle, Leinen und Decken aus regionaler Schurwolle her. Für unseren Film durften wir die 41-Jährige zu einer Schäferin begleiten, von der sie die Naturfasern bezieht und haben anschließend erlebt, wie sie in Handarbeit ihre Produkte fertigt.

Den größten Einfluss auf die Ökobilanz unserer Hunde hat allerdings das Futter. Ein besonders hoher Fleischanteil gilt hier fatalerweise als Qualitätsmerkmal und sorgt für einen riesigen CO2-Pfotenabdruck: Die Haltung eines Hundes verursacht im Jahr so viel klimaschädliches Kohlendioxid wie ein Urlaubsflug nach Mallorca. Dabei gibt es gute Alternativen ohne „herkömmliches“ Fleisch, die der Gesundheit unserer Tiere sogar guttun: Insekten. Bei unseren Recherchen sind wir auf die Tierärztin Veronique Glorieux gestoßen, die gemeinsam mit der Grafikerin Gema Aparicio ein neuartiges Futter entwickelt hat. Wir begleiten die Berlinerinnen bei der Auswahl ihres Rohstoffes, den Larven der Soldatenfliege und zeigen, wie die beiden daraus ein nachhaltiges und gesundes Hundefutter herstellen. Die tierischen Lebensmitteltester, die wir gemeinsam mit den Unternehmerinnen besuchten, hatten übrigens keine Einwände gegen die klimafreundliche Ernährung und waren von den Fliegen-Leckerlis sehr angetan.

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