Rechtsextremismus: Faeser will "Schippe" drauflegen

    Kampf gegen Rechtsextremismus:Faeser verspricht: "Wir legen Schippe drauf"

    Kristina Hofmann
    von Kristina Hofmann
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    Innenministerin Nancy Faeser legt einen neuen Maßnahmenplan gegen Rechtsextremismus vor. Ziel: rechte Netzwerke aufbrechen und entwaffnen. Dafür will sie "eine Schippe" drauflegen.

    Press conference on current measures against right-wing extremism in Germany
    Bundesinnenministerin Faeser will stärker gegen Rechtsextremismus vorgehen. Es gehe darum, Netzwerke zu zerschlagen, Finanzströme aufzudecken und Waffengesetze zu verschärfen. 13.02.2024 | 2:48 min
    Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ist zuversichtlich. "Sehr schnell" könne jetzt schärfer gegen Rechtsextremismus vorgegangen werden. Wenn "alle Beteiligten" mitmachen, sagte sie am Dienstag. Geht es nach Faeser, sollen damit neue Maßnahmen auf den Weg gebracht werden - eine Aktualisierung ihres Plans von 2022: "Überall legen wir noch eine Schippe drauf."

    Bei Rechtsextremen jeden Stein umdrehen, das muss der Ansatz sein.

    Nancy Faeser (SPD), Bundesinnenministerin

    Im ZDF heute journal sagt Nancy Faeser, dass es durch die Recherchen zu dem Rechtsextremistentreffen in Potsdam ein anderes Bewusstsein in der Bevölkerung für das Thema gebe - die Menschen gingen auf die Straße. Der von ihr vorgestellte Maßnahmenplan flankiere das nun staatlicherseits. Das komplette Interview mit der Bundesinnenministerin: 
    "Eine Menge Neues vorgestellt"
    Bundesinnenministerin Nancy Faeser äußert sich im Interview mit Marietta Slomka zu Vorwürfen, viele der vorgestellten Maßnahmen zur Bekämpfung der "Neuen Rechten" seien nicht neu.13.02.2024 | 5:32 min

    Faesers Ziele: Waffen entziehen, Geldströme kappen

    Konkret will SPD-Politikerin Faeser:
    • das Waffenrecht verschärfen, um Rechtsextreme zu entwaffnen
    • Finanzströme aufdecken: Wer Rechtsextremen spende, dürfe sich nicht darauf verlassen, "dass er unentdeckt bleibt", sagte Faeser, dafür solle das "Gefährdungspotential" entscheidend sein
    • rechte Netzwerke rechtlich behandeln wie die Organisierte Kriminalität
    • jede Ein- und Ausreise von Rechtsextremisten soll "so weit wie möglich verhindert" werden, so Faeser
    • im Bundesinnenministerium "in wenigen Monaten" eine Früherkennungseinheit gründen, um Wellen des Hasses und Desinformation im Netz schon im Ansatz zu stoppen
    • die Struktur des Bundesverfassungsgerichts im Grundgesetz absichern
    • darauf dringen, dass das Demokratiefördergesetz im Bundestag verabschiedet wird
    Allein kann Ministerin Faeser das nicht alles umsetzen. Sie braucht ihren Koalitionspartner und zum Teil auch die Opposition. Etwa, wenn es um die Organisation des Bundesverfassungsgerichts in zwei Senate und die Besetzung dieser geht. Dafür braucht es eine Grundgesetzänderung und damit eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag. Um die Finanzströme zu stoppen, reicht dagegen ein einfaches Gesetz, um das Bankgeheimnis einzuschränken.
    Probleme könnte es beim Thema Entzug von Waffen geben. Dafür hatte Faeser bereits ein Gesetz vorgelegt. Das lehnt die FDP aber ab, weil die Liberalen befürchten, dass auch Jäger ihre Waffen abgeben müssten. Laut Faeser sei man aber "in sehr guten Gesprächen" innerhalb der Koalition. Auch beim umstrittenen Demokratiefördergesetz sieht sie kein Problem: Es sei vom Kabinett verabschiedet. Allerdings sperrt sich die FDP dagegen im Bundestag.
    Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang im Gespräch mit ZDF-Mima-Moderatorin Mirjam Meinhardt
    Die Gefahr durch Rechtsextreme und die sogenannte Neue Rechte nehme zu, sagt Verfassungsschutzpräsident Haldenwang. "Wir wollen solchen Organisationen den finanziellen Boden entziehen."13.02.2024 | 4:50 min

    Verfassungsschutz: Zahl Rechtsextremer wächst

    Laut Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, ist die Gefahr von rechts nach wie vor groß. Rund 38.800 Personen gelten derzeit als rechtsextremistisch. 14.000 Menschen davon seien bereit, ihre politischen Ziele auch mit Gewalt durchzusetzen. Die Zahlen stammen von 2022, neuere sollen erst demnächst mit dem neuen Verfassungsschutzbericht veröffentlicht werden. "Die Tendenz zeigt eindeutig nach oben", so Haldenwang.
    Allerdings setzen sich inzwischen die Gruppen anders zusammen. "Wir müssen umdenken", sagte Haldenwang. Die starren ideologischen Grenzen würden verschwimmen. Zur "neuen Rechten" zähle auch die Identitäre Bewegung, das Compact-Magazin, die Junge Alternative, die Jugendorganisation der AfD, sowie "erhebliche Teile der AfD selbst". Es gehe dabei auch um verbale "Grenzverschiebungen", dass nämlich Worte wie "Remigration" oder "Ethnopluralismus", was "nichts anderes ist als purer Rassismus", so Haldenwang. Beunruhigend seien Vernetzungsveranstaltungen über die neue Rechte hinaus.

    Wir müssen den Brandstiftern die Räume streitig machen.

    Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz

    Nancy Faeser  SPD  | Bundesinnenministerin
    "Wir sehen, dass am rechten Rand ausgegrenzt wird. Das ist grob verfassungswidrig", so Bundesinnenministerin Nancy Faeser, SPD. "Wir wollen eine offene und tolerante Gesellschaft."25.01.2024 | 9:34 min

    Demonstrationen gegen Rechtsextremismus

    In den vergangenen Wochen hatten in Deutschland viele Menschen gegen zunehmenden Rechtsextremismus und das Erstarken der AfD in den Umfragen demonstriert. Auslöser waren Enthüllungen des Medienhauses Correctiv über ein Treffen radikaler Rechter im November in Potsdam, an dem auch AfD-Politiker sowie einzelne Mitglieder der CDU und der erzkonservativen Werteunion teilgenommen hatten.
    Dort hatte der frühere Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, Martin Sellner, nach eigenen Angaben über das Konzept der sogenannten Remigration gesprochen. Wenn Rechtsextremisten den Begriff verwenden, meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll - auch unter Zwang.
    Justus von Daniels | Chefredakteur CORRECTIV
    "Wir wussten, dass die Recherche brisant ist, politisch", so Justus von Daniels, Chefredakteur von Correctiv. "Aber das, was sich jetzt natürlich auf den Straßen in Bewegung gesetzt hat, das ist unglaublich beeindruckend."07.02.2024 | 8:48 min

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