Asylpolitik: Keine Einigkeit bei der Innenministerkonferenz
Innenministerkonferenz:Asylpolitik: Wo Einigkeit an Grenzen stößt
von Katrin Lindner
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Geflüchtete an den deutschen Grenzen zurückweisen? Das Thema Asylpolitik spaltet die Innenminister der Länder weiter. Sie haben mit Bundesministerin Faeser in Rheinsberg beraten.
In Brandenburg sind die Innenminister von Bund und Ländern zusammengekommen. Sie wollen bei den Problemen in der Asyl- und Migrationspolitik weiter vorankommen.06.12.2024 | 1:39 min
Nur einen Kilometer Luftlinie von der deutsch-polnischen Grenze entfernt liegt die Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt. 20 bis 30 Menschen kommen pro Tag hier an. Vor einem Jahr haben sie die Plätze erweitert - mit Containern, als 2023 immer mehr Flüchtlinge ankamen.
Inzwischen haben sich die Zahlen in Eisenhüttenstadt im Vergleich zum Vorjahr halbiert, erzählt Olaf Jansen, Leiter der Erstaufnahme. Den Grund dafür sieht er in den Grenzkontrollen und erklärt: "Das Aufkommen an Flüchtlingen ist stark zurückgegangen mit Ankündigung und dann nochmal stärker mit Einführung der Grenzkontrollen und ist seitdem auf einem vergleichsweise moderaten Niveau, wenn ich das jetzt also mal mit der Zeit vor September 2023 vergleichen kann."
Stationäre Grenzkontrollen an allen deutschen Grenzen sollen unerlaubte Einreisen unterbinden. Aber sind sie ein geeignetes Mittel, um die momentan hohe Zahl der Asylbewerber zu senken? 14.09.2024 | 4:17 min
Kontrollen an der deutschen Grenze
Jansen bezieht sich allerdings nicht auf Grenzkontrollen, die Deutschland zuletzt im September eingeführt hat: zu Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Frankreich. Sondern auf Kontrollen, die seit gut einem Jahr an der Grenze zu Polen, Tschechien und der Schweiz stattfinden. An der Grenze zwischen Deutschland und Österreich gibt es seit 2015 Kontrollen.
Wo Grenzkontrollen eingeführt wurden
Quelle: ZDF
Unterschiedliche Auffassungen zur Asylpolitik
Vor allem in Sachen Grenzen gehen die Forderungen von Unions- und SPD-Seite auseinander. Zurückweisung direkt an den Grenzen wollen die Unions-Innenminister. Der Sprecher der Unionsseite, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, sagt:
Wir brauchen konsequente Zurückweisungen auch von Asylsuchenden an der deutschen Grenze, um die illegale Migration nach Deutschland wirklich wirksam und dauerhaft zu begrenzen.
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Joachim Herrmann, Innenminister Bayern (CSU)
In Brandenburg beraten die Innenminister derzeit über die Probleme in der Asyl- und Migrationspolitik. "Wir müssen die Migration steuern, ordnen und begrenzen“, so André Berghegger (Hauptgeschäftsführer Deutscher Städte- und Gemeindebund).05.12.2024 | 4:29 min
Die SPD-Seite hält dagegen. Andy Grote, SPD-Senator für Inneres und Sport in Hamburg, kritisiert: "Wir können nicht die Bundespolizei anweisen, Menschen an den Grenzen zurückzuweisen, die ein Asylgesuch äußern, das geht schlicht nicht."
Trotzdem müssen wir das an rechtlichen Mitteln ausschöpfen, was wir haben.
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Andy Grote, Innensenator Hamburg (SPD)
Er verweist auf die Umsetzung der neuen restriktiven EU-Asylregeln in Deutschland. Das fertige Gesetzespaket liege auf dem Tisch.
Europa könne seine Asylregeln "natürlich auch verändern", erinnerte ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke. Dafür sei es nötig, Regeln auf europäischer, internationaler und nationaler Ebene entsprechend anzupassen.17.10.2024 | 1:20 min
Bundesinnenministerin Faeser zieht Bilanz
Bundesinnenministerin Faeser sieht ein Vorankommen in Sachen irreguläre Migration: "Die Asylgesuche liegen aktuell um 40 Prozent unter denen des Vorjahres, die Abschiebungen um 20 Prozent über denen des Vorjahres." Außerdem seien 1.600 Schleuser festgenommen und 37.000 Personen zurückgewiesen worden.
Sie hat auf Rückenwind von der Innenministerkonferenz gehofft für die Gesetzentwürfe zur Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems in Deutschland. Ihrer Meinung nach ist das gemeinsame Europäische Asylsystem Schlüssel zu Kontrolle, Begrenzung und fairer Verteilung in der EU. Faeser sagt: "Das wird verändern, weil darüber eine bessere Verteilung erfolgen wird, das heißt eine solidarische Verteilung über alle EU-Staaten."
Und was auch wichtig ist, dass wir noch mal mehr und schnellere Verfahren haben an den Außengrenzen, besseren Schutz an den Außengrenzen.
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Nancy Faeser, Bundesinnenministerin (SPD)
Die Ankündigung von Innenministerin Nancy Faeser, ab Mitte September Kontrollen an allen deutschen Grenzen durchzuführen, löst in Polen und Österreich heftige Kritik aus.10.09.2024 | 2:05 min
Auch auf die Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt hätte das voraussichtlich weitere Auswirkungen. Doch beim Thema Migration waren die Unterschiede auf der 222. Innenministerkonferenz nicht überwindbar. Allerdings herrschte Übereinstimmung, die Grenzkontrollen über März 2025 hinaus fortzuführen.
Katrin Lindner arbeitet im ZDF-Studio Brandenburg.
Quelle: dpa
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