Polen offen für Kampfjet-Lieferungen an Kiew

    Kritik an Berlins Ukraine-Kurs:Polen offen für Kampfjet-Lieferungen an Kiew

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    Polens Regierungschef Morawiecki zeigt sich offen für Kampfjet-Lieferungen - im Verbund mit der Nato. Er kritisierte die deutsche Ukraine-Politik, das Misstrauen in Europa wachse.

    Mateusz Morawiecki spricht zu Soldaten in Siedlce im Osten Polens (Archivbild)
    Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki wirft Deutschland vor, nicht genug für die Ukraine zu tun.
    Quelle: epa

    Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki ist offen für die Lieferung von F16-Kampfjets an die Ukraine. "Wenn dies eine Entscheidung der gesamten Nato wäre, wäre ich für die Entsendung dieser Kampfjets", sagte der Regierungschef der "Bild"-Zeitung. Es gehe darum, "was die Nato-Länder gemeinsam entscheiden".

    Wir sollten die Dinge gemeinsam und in Verbindung mit einer strategischen Überlegung des gesamten Nato-Bündnisses tun.

    Mateusz Morawiecki, Polens Ministerpräsident

    Morawiecki: "Sehr ernster Krieg"

    Die russische Aggression in der Ukraine sei "ein sehr ernster Krieg". Aber weder Polen noch die gesamte Nato seien daran "beteiligt". Laut Morawiecki wäre nicht das Einverständnis aller Nato-Länder für die Lieferung von Kampfjets nötig. "Mit Nato meine ich, dass wir als kollektives Gremium eine solche Entscheidung treffen müssen."
    Die Lage im Osten der Ukraine entwickelt sich immer mehr zu einem Zermürbungskrieg - mehr dazu bei ZDFheute live:
    Die Ukraine drängt seit geraumer Zeit ihre Unterstützer zur Lieferung von Kampfjets. Frankreich und die Niederlande haben das nicht ausgeschlossen. Die USA und Deutschland stehen dieser Forderung bisher ablehnend gegenüber.

    Morawiecki: Misstrauen gegenüber Berlin wächst

    Mit ihrer Ukraine-Politik sorge die Bundesregierung nach Ansicht von Morawiecki für zunehmendes Misstrauen gegenüber Deutschland in Europa.

    Ich würde sagen, dass es vor einem Jahr viel Vertrauen vieler anderer Länder in Deutschland gab. Und jetzt hat sich dieses Pendel in Richtung Misstrauen bewegt.

    Mateusz Morawiecki, Polens Ministerpräsident

    Dies gelte "insbesondere innerhalb der Familie der mittel- und osteuropäischen Länder und auch der Mitglieder der Europäischen Union", sagte der Regierungschef. Laut Morawiecki könnte Berlin deutlich mehr für Kiew tun.

    Deutschland hat das Potenzial, viel mehr zu unterstützen, als es bisher getan hat.

    Mateusz Morawiecki, Polens Ministerpräsident

    Morawiecki fügte hinzu: Deutschland "hat die Entscheidungsgewalt innerhalb der Europäischen Union, es hat Geld für die Ukraine, es hat die diplomatische Macht".
    Auch Vizekanzler Habeck spricht sich gegen die Lieferung von Kampfjets aus. Sie könnnte der entscheidende Schritt Richtung Kriegspartei sein.

    Polnischer Regierungschef kritisiert Scholz

    Ausdrücklich kritisierte Morawiecki auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Trotz Unterstützung für die Ukraine scheine Scholz "immer noch daran zu glauben, dass man mit Russland wieder zur Tagesordnung übergehen sollte". Er glaube aber nicht, "dass das mit diesem quasi totalitären Regime jemals möglich sein wird".
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    Quelle: AFP
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