Völlers Einstand beim DFB: "Am Ende muss geackert werden"

    Einstand als DFB-Sportdirektor:Völler: "Am Ende muss geackert werden"

    von Frank Hellmann
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    Der neue DFB-Sportdirektor spielt eine wichtige Rolle beim Vorhaben, den Vertrauensverlust der Nationalelf zu beheben. Gibt es dafür einen besseren Brückenbauer als Rudi Völler?

    20.03.2023, Frankfurt a. M.: DFB-Sportdirektor Rudi Völler
    Gefragt nicht nur beim Fußball-Volk: DFB-Sportdirektor Rudi Völler, den der Volksmund liebevoll auch "Tante Käthe" nennt.
    Quelle: epa

    Die herzliche Begrüßung beim ersten Länderspiel nach der verkorksten Fußball-WM gegen Peru (2:0), etwa von Ex-Bundestrainer Joachim Löw, nahm der als Sportdirektor für den DFB installierte Völler persönlich vor. Der 62-Jährige kann so herrlich die Anekdoten von früher mit den Herausforderungen von morgen verknüpfen.
    Gerade erst hat Völler im DFB-Journal geäußert: "Viele Spieler der heutigen Generation können am Ball fast alles. Wir haben das früher oft durch Leidenschaft kompensiert, die mir dafür heute manchmal fehlt. Die Kunst ist, eine gute Mischung hinzubekommen." Aber dafür ist der Rudi jetzt ja da.
    Deutschlands Emre Can in Aktion am 25.03.2023 in Mainz.
    Mit einem 2:0 gegen Peru ist die DFB-Elf in die Testspielreihe vor der Fußball-EM 2024 gestartet25.03.2023 | 9:21 min

    "Es gibt nur einen Rudi Völler!"

    Ein Volksheld, für den wie in Mainz die Leute aufstehen und immer noch singen: "Es gibt nur einen Rudi Völler!" Es ist davon auszugehen, dass die Anhänger nun in Köln bei der nächsten Begegnung gegen Belgien (Dienstag, 20:45 Uhr/ZDF-Liveticker) nicht viel anders reagieren.
    Der ehemalige Kult-Torjäger hat gleich mal zwei Dinge umgesetzt: die Verzahnung zur U21 enger gestaltet und die Nähe zu der Anhängerschaft verpflichtend gemacht. Völler begrüßte bei der öffentlichen Trainingseinheit zuletzt per Stadionmikrofon die 3.500 Zuschauer im Frankfurter Stadion am Brentanobad persönlich.

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    Bundestrainer Hansi Flick (l) und DFB-Sportdirektor Rudi Völler

    Mit Flick auf einer Wellenlänge

    Mit Bundestrainer Hansi Flick pflegt Völler einen intensiven Austausch. Die beiden funken auf einer Wellenlänge, etwa als es darum ging, dass die DFB-Auswahl zur schwarz-rot-goldenen Binde für den Kapitän zurückkehrt. Völler ist der Überzeugung, dass der sportliche Hebel ausreicht, um den Vertrauensverlust zu bekämpfen. Flick glaubt, dass die immense Strahlkraft von "Tante Käthe" dabei hilft. Denn:

    Keiner verkörpert den deutschen Fußball so sehr als Spieler, Trainer und Funktionär wie Rudi.

    Hansi Flick, Bundestrainer

    Völler als Art Schutzschild für Bundestrainer Flick

    Es ist ein offenes Geheimnis, dass Flick sich bei den ausufernden Debatten um die One-Love-Binde bei der WM in Katar mehr der Rückendeckung gewünscht hätte. Aber der damalige DFB-Direktor Oliver Bierhoff vereinte eine zu große Aufgabenfülle, und der Präsident Bernd Neuendorf war im Umgang mit der unberechenbaren FIFA noch recht unerfahren.
    Nun hat der Bundestrainer eine Art Schutzschild, der seinen Rat einbringt. Eine Vermischung der Kompetenzen sei nicht zu befürchten, erklärt der ehemalige DFB-Teamchef Völler: "Hansi ist der Bundestrainer: Ich versuche ihn in jeder Hinsicht zu unterstützten, aber sportliche Entscheidungen trifft natürlich er allein."

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    von Frank Hellmann
    Niclas Füllkrug

    Völler positioniert sich als Pragmatiker

    Dass sich Völler sehr klar als Pragmatiker positioniert, empfindet Flick als wohltuend. Dem Sportdirektor hat in letzter Zeit nicht jeder wissenschaftliche Ansatz gefallen, den die DFB-Akademie verfolgt hat.

    Der Fußball verändert sich ständig, aber am Ende muss geackert werden. Ab und zu mal einen Zweikampf zu gewinnen, ist schon nicht schlecht.

    Rudi Völler, DFB-Sportdirektor

    Für den gebürtigen Hanauer steht fest, dass Deutschland "fußballerisch nicht schlechter als Argentinien ist". Aber vier, fünf Prozent mehr Wille, Mission und Gier, so Völler wörtlich, hätten Argentinien, Marokko oder Kroatien aufgebraucht, um sich den Vorstoß unter die besten Vier der Welt zu verdienen, während die deutsche Elf für dieses Defizit böse abgestraft wurde.

    Heim-EM 2024 als Ansporn

    Als Ansporn hat der Sportdirektor, wenig verwunderlich, die heimische Fußball-EM 2024 auserkoren: "Ein Turnier im eigenen Land ist was ganz Besonderes: Mannschaft und Fans müssen einfach für ein gemeinsames Ziel brennen. Dann ist alles möglich."
    Rudi Völler spürt angeblich im gesamten DFB eine "unheimlich große Motivation, dieses Turnier zu einem Erfolg zu machen". Nun hoffe er, dass Fans, Politik und Medien mitziehen - und erkennen, "welch einzigartige Chance diese Europameisterschaft auf viele Jahre hinaus bietet."

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