Fazit der Fußball-WM: Eine Weltmeisterschaft als Meilenstein

    Fazit der Fußball-WM:Eine Weltmeisterschaft als Meilenstein

    von Josephine Henning, Sydney
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    Spanien krönt sich erstmals mit dem WM-Titel – dabei ist vor allem der Gastgeber der Gewinner des Turniers. Eine übergriffige Handlung beim Finale wird verharmlost.

    Das Opernhaus ist mit leuchtenden bunten Fotos von Fußball-Fans angestrahl
    Die Fußball-WM in Australien und Neuseeland war ein voller Erfolg - auf allen Ebenen.
    Quelle: dpa

    Vier Wochen Fußball-Weltmeisterschaft sind gespielt. In dieser Zeit habe ich mit der ehemaligen deutschen Nationalspielerin Tabea Kemme über 7.000 Kilometer in Australien zurückgelegt, um das Land, die Menschen und die WM zu erleben.

    Nächtliche Begegnung im Zug

    Eine meiner ersten Begegnungen in dem Land der Gastgeberinnen war mit heimischen Fans, die neben uns im Nachtzug ihr Schlafabteil hatten. Ihr Plan: alle Spiele der australischen Mannschaft verfolgen und jeweils ein gegnerisches Fanteam auf dem Bolzplatz herausfordern - selbst organisiert versteht sich.
    Wenn ich zurückblicke, ist es doch genau das, was eine WM ausmacht. Der offene und tolerante Austausch zwischen unterschiedlichen Nationen.

    Frühes deutsches Ende und große Namen

    Doch zwischen unseren Reisen mussten wir uns schneller als erwartet vom Finaltraum mit deutscher Beteiligung verabschieden. Die DFB-Frauen schieden viel zu früh in der Vorrunde aus. Zum Trost wurden wir von der Euphoriewelle der Australierinnen und Australier durch die Spiele getragen, die es bis ins Halbfinale schafften.
    Je näher das Finale rückte desto größer wurden die Namen, die sich bei den Spielen blicken ließen. Neben Staats- und Verbandschefs war sogar die Königin von Spanien mit ihrer Tochter beim Endspiel anwesend. Auch die erste Frau an der Spitze des Englischen Fußballverbands (FA), Debbie Hewitt, war da, um die Engländerinnen im Endspiel zu unterstützen.
    In einem Gespräch mit der 59-Jährigen erzählte sie mir mit einem Lachen, dass sie fälschlicherweise von Fans für die Mutter von Englands Trainerin Sarina Wiegmann gehalten wurde. Das Organigramm des eigenen Verbands zu lesen, könnte nicht nur für englische Fans interessant sein.
    Auch Deutschland ist auf der Suche nach den geeigneten Kandidat*innen für den Kurswechsel.

    Kuss auf den Mund führt zur Debatte

    Aber zurück zum Finale. Die Verbandschefin Hewitt stand nach dem Endspiel auch auf dem Podium, um den traurigen Engländerinnen sowie den neuen Weltmeisterinnen zu gratulieren. Mit ihr auf dem Podest der spanische Verbandschef Luis Rubiales. Er küsste die spanische Spielerin Jennifer Hermoso während der Ehrung auf den Mund.
    Eine klare übergriffige Handlung. Doch die Zeremonie geht einfach weiter - erst viel später greifen die Medien das Geschehene auf. Was für eine Grenzüberschreitung - und das, während die ganze Welt zuschaut. Absolut inakzeptabel.
    Mittlerweile hat der spanische Verband übermittelt, dass die Weltmeisterin die Kritik an dem Übergriff zurückgewiesen habe. Wie auch im letzten Jahr so oft hat der Verband hier die Oberhand. Doch gerade deswegen schreibe ich Jennifer Hermoso und sichere ihr meinen absoluten Support zu.

    Meilenstein für den Fußball der Zukunft

    Trotz dieses Vorfalls bleibt mein Fazit dieser WM positiv. Es war eine spektakuläre Weltmeisterschaft, und sie mag womöglich mehr verändert haben, als uns bisher bewusst ist. Ein Meilenstein auf dem Weg, den Fußball der Zukunft zu gestalten.
    Zum anderen hat das Turnier einmal mehr gezeigt, dass Gleichberechtigung kein Zustand ist, der um die Ecke auf einen wartet. Gleichberechtigung bedeutet Empörung, Transparenz und Zusammenhalt in jeder inakzeptablen Situation, mag sie auch noch so klein sein.
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