Kolumne: Immer vorwärts - wie die Kängurus

    Briefe von der WM:Immer vorwärts - wie die Kängurus

    Josephine Henning am 12.04.2022
    von Josephine Henning
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    Das Spiel gegen Kolumbien hatte es in sich, vor allem körperlich war die DFB-Elf gefragt. Aber das war nicht die Crux bei der Niederlage.

    Lena Oberdorf wird im WM-Spiel gegen Kolumbien von Torhütererin Catalina Perez gefoult.
    Als es im Spiel gegen Kolumbien mit dem Vorwärtsdrang einmal stimmt: Lena Oberdorf kann nur mit einem Foul gestoppt werden - und Alexandra Popp verwandelt dann den Elfmeter zum 1:1.
    Quelle: David Gray/dpa

    Dass Kolumbien Feuer mitbringt, war spätestens nach dem abgebrochenen Testspiel gegen Irland klar. "Zu körperlich" und "außerhalb der Spielregeln" hätten die Südamerikanerinnen gespielt, erklärte Irlands Trainerin Vera Pauw, warum die Partie nicht zu Ende gespielt wurde.

    Voraussetzungen waren bekannt

    Die Zweikampfhärte war also keine Überraschung fürs deutsche Team - und auch das Wunderkind Linda Caicedo hatte mit Svenja Huth eine Leibwächterin bekommen.
    Die Gegentore beim 1:2 gegen Kolumbien fielen trotzdem. Dies weder durch einen Konter, noch durch einen überragenden Spielzug. Eher durch eine fehlende Klarheit und Kompromisslosigkeit der deutschen Spielerinnen im Defensivverhalten.

    Selbstkritik im Team

    Nicht nur Lena Oberdorf sprach von der verpassten Chance, "noch mehr über die Flügel" gegangen zu sein. Auch Alexandra Popp bemängelte den fehlenden Mut im Angriffsspiel.
    Das deutsche Team verlor dieses hitzige Duell nicht aufgrund der spielerischen Qualität, sondern weil im Spiel nach vorne Kreativität und Mut abhanden gekommen waren.

    Weiterfeilen am Spielstil

    Unnötige Niederlage werden im Sport selten verziehen, höchstens vielleicht in einem Gruppenspiel wie diesem. Das Veto des deutschen Teams ist also verbraucht, doch es darf und wird weiterfeilen am Spielstil und dem Traum vom Achtelfinaleinzug.
    Niederlagen sind die Chance noch ein wenig enger zusammenzurücken und das Feuer neu zu entfachen.

    Känguru als Metapher

    In Australien werden Kängurus gerne als Metapher genutzt. So auch von Malerin Chernee Sutton, die als Aboriginee zusammen mit einer Maori-Künstlerin aus Neuseeland den Spielball dieser WM gestaltet hat. "Kängurus können nicht rückwärtslaufen. Es geht also immer vorwärts."
    Josephine Henning ist Ex-Nationalspielerin und in Australien als ZDF-Expertin dabei. An ZDFheute schickt sie "Briefe von der WM".

    Das deutsche Team spielt gegen Südkorea um den Einzug ins Achtelfinale. Den Gruppensieg kann der Turnier-Mitfavorit nicht mehr aus eigener Kraft schaffen, mit einem Erfolg gegen Südkorea wäre das Weiterkommen jedoch gesichert. Kolumbien liegt vor dem letzten Vorrundenspieltag mit sechs Punkten vor Deutschland und Marokko, die jeweils drei Zähler haben.

    So kommt Deutschland ins Achtelfinale:
    • Bei einem Sieg gegen Südkorea
    • Bei einem Unentschieden gegen Südkorea, wenn Marokko gleichzeitig nicht gegen Kolumbien gewinnt
    • Bei einer Niederlage gegen Südkorea mit maximal vier Toren Unterschied, wenn Marokko gegen Kolumbien verliert

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