Entwickler in Deutschland:Deutsche Games: "Gibt ambitionierte Projekte"
von Andreas Garbe
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Der deutsche Gaming-Standort hat es schwer: Pionier-Entwickler wie das Gothic-Studio Piranha Bytes werden immer weniger - das Remake zeigt das Problem. Doch es gibt Hoffnung.
Auch in Deutschland ist Gaming beliebt - der Standort ist für Entwickler aber ein schwieriges Umfeld.
Quelle: dpa
Für viele war es eines der Highlights auf der Spielemesse Gamescom in Köln vergangene Woche: das Remake des deutschen Kult-Rollenspiels Gothic. Das Original aus dem Jahr 2001 war ein Pionier des sogenannten Open-World-Genres, erinnert sich Kai Rosenkranz, der damals die Musik komponiert hat:
Die Spielenden wurden als Neulinge ohne Führung wortwörtlich in diese ungewöhnlich düstere, rotzige Fantasy-Welt geworfen und sie konnten diese auf eigene Faust und auf eigene Weise ergründen und gestalten.
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Kai Rosenkranz
Zwischen 20 und 40 Leute hatten einige Jahre an dem Spiel gearbeitet, im Bochumer Studio Piranha Bytes. Rosenkranz erinnert sich vor allem an die kreative Freiheit damals: "Jeder hatte die Freiheit, in verschiedene Disziplinen hineinzuschnuppern und sich vielseitig einzubringen. Diese Möglichkeit habe ich damals sehr genossen und vieles für mich ausprobieren können."
Mehr als 1400 Aussteller aus 64 Ländern sind bei der Gamescom 2024 in Köln dabei. 15 Prozent mehr als im Vorjahr - damit ist die weltweit größte Spielmesse so international und vielfältig wie nie zuvor.21.08.2024 | 2:36 min
Gothic: Gesamtes Piranha-Bytes-Team entlassen
Nun ist ein Remake dieses Klassikers in Arbeit, das 2025 erscheinen soll - und auch Rosenkranz ist wieder mit an Bord. Das Publikum der Gamescom durfte es ausprobieren. Im separaten Bereich für Handel und Presse gab es Präsentationen mit einigen der kreativen Köpfe dahinter. Tatsächlich macht es einen soliden Eindruck - vertieft viele der Innovationen des Originals.
Das Remake von Gothic soll 2025 erscheinen.
Quelle: Embracer Group
Federführend ist allerdings ein Studio aus Barcelona. Piranha Bytes ist seit einigen Monaten Geschichte. Das gesamte Team ist entlassen, die Firma dahinter existiert nur noch auf dem Papier. Letztlich verantwortlich für die Schließung ist der schwedische Mutterkonzern Embracer, der das Studio erst 2019 übernommen hatte.
"Die haben sich mit uns gar nicht auseinandergesetzt," beklagt sich eine langjährige Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte. Auch im Studio seien Fehler gemacht worden, aber "mit uns hat Embracer ein Stück wichtige deutsche Spielekultur untergehen lassen".
Gaming-Branche: Jo-Jo-Effekt nach Corona
Das Paradoxe: Gerade den großen Firmen geht es eigentlich ganz gut, sagt Petra Fröhlich, Chefredakteurin des Branchendienstes gameswirtschaft.de. "Bei hochrentablen Konzernen erfolgen Stellenstreichungen und Studioschließungen meist auf Druck des Kapitalmarkts: Wenn eine Aktiengesellschaft anfängt, folgen kurz darauf weitere."
Und seit ein paar Jahren jagt eine Entlassungswelle die nächste, scheint es. Erst im Mai schloss Gigant Microsoft, der sich jahrelang kräftig Studios einverleibt hatte, vier Studios. Anfang des Jahres hatte der Konzern bereits 10.000 Stellen gestrichen. Und im Februar verkündete Konkurrent Sony 900 Stellenstreichungen in seiner PlayStation-Sparte. Kai Rosenkranz sieht einen Jo-Jo-Effekt, unter dem auch deutsche Studios leiden:
Meine Einschätzung ist, dass wir uns gerade in den kritischen drei bis fünf Jahren nach der Pandemie befinden, in denen die Branche nach einem Höhenflug wieder auf dem Boden der Realität landet.
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Kai Rosenkranz
Beflügelt durch die überwältigenden Verkaufszahlen während der Corona-Jahre sei der Kurs bei vielen Unternehmen aller Größenordnungen auf Wachstum gestellt worden. "Der Markt war und ist jedoch nicht in der Lage, dieses Wachstum dauerhaft zu tragen", erklärt Rosenkranz.
Man kennt es aus dem Kino: Immer wieder schafft es ein Remake, die Zuschauer neu zu begeistern. So auch bei Videospielen. Ein Klassiker wurde nun wieder aufgelegt: Tomb Raider.05.04.2024 | 3:06 min
Expertin: Gibt weiter "ambitionierte Projekte" in Deutschland
Der hiesige Markt ist zwar ein bedeutender für Videospiele; allerdings wurde hier viel mehr gekauft und gespielt als selbst entwickelt. Nur wenige deutsche Studios haben eine dreistellige Belegschaft. Aktuelle Überraschungserfolge wie Enshrouded von Keen Games aus Frankfurt werden nur von einigen Dutzend Leuten entwickelt.
Quelle: Embracer Group
Das Rollenspiel beginnt im Minental von Khorinis, einer Strafkolonie, in der Gefangene des Königreichs magisches Erz abbauen müssen. Protagonist des Spiels ist der namenlose Held, der diesem Ort entkommen muss. Das Spiel verkauft sich anfangs nur halbwegs gut, wird aber zum Longseller.
Inzwischen könnte es sich eine Million Mal verkauft haben, so Schätzungen. 2002 und 2006 erschienen jeweils Fortsetzungen. Gothic 3 kam technisch unfertig auf den Markt und führte zum Streit zwischen dem Studio Piranha Bytes und dem österreichischen Verlag JoWood.
Quelle: Embracer Group
Nach dem Streit um Gothic 3 gingen Piranha Bytes und der Verlag JoWood getrennte Wege; die Lizenzrechte an Gothic verblieben aber zunächst beim Verlag. Piranha Bytes entwickelte mit Risen deshalb eine neue Fantasy-Rollenspiel-Serie.
Der Protagonist ist schiffsbrüchig und kommt auf eine Insel, auf der wegen seltsamer Phänomene und marodierender Monster Ausnahmezustand herrscht. Er kann sich den Inquisitoren anschließen oder dem Widerstand. Der erste Teil der Risen-Serie erschien 2009. Weitere Teile folgten 2012 und 2014.
Quelle: Embracer Group
Mit der Elex-Serie vermischte Piranha Bytes erstmals Fantasy und Science Fiction. Auf dem Planeten Magalan ist Elex die wichtigste Ressource; sie treibt Maschinen an, ist aber auch eine Droge.
Mehrere Fraktionen kämpfen um die Vormacht und der Protagonist muss sich entscheiden, mit wem er sich verbündet. Der erste Teil erschien 2017. 2022 erschien ein Nachfolger. Elex 3 war in Entwicklung, wird aber vermutlich wegen der Schließung von Piranha Bytes nie erscheinen.
Für solche kleinen und oft auch jungen Teams, die keinem internationalen Mutterkonzern gehören, sei es schwer, Spiele durchzufinanzieren, sagt Branchenexpertin Fröhlich. Dafür sei die eigene Kapitaldecke oft zu dünn. Aber ganz verzweifeln müsse man nicht:
Es gibt hinreichend ambitionierte Projekte, die derzeit in Deutschland entstehen und weiterhin entstehen können.
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Petra Fröhlich, Chefredakteurin gameswirtschaft.de
Die zwei prominentesten Köpfe des Gothic-Entwicklers Piranha Bytes haben übrigens erst vor einigen Wochen ein eigenes Studio gegründet. Jennifer und Björn Pankratz wollen unter dem Namen Pithead Studio neue visionäre Videospiele entwickeln. Ein Remake von Piranha Bytes sozusagen.
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