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Kennedy - Präsident für 1000 Tage

Seine Ermordung macht ihn zum Mythos

Als 35. US-Präsident verspricht John F. Kennedy den Aufbruch in eine neue Zeit. Die Präsidentschaft ist geprägt vom Kalten Krieg, der Kuba-Krise, dem Wettlauf im All, dem Bau der Berliner Mauer und der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Seine Ermordung macht ihn schließlich zum Mythos.

John F Kennedy the nation s 35th President would have turned 100 years old on May 29 2017 With
John F. Kennedy
Quelle: imago/ZUMA Press

Politische Herausforderungen

Eigentlich soll sein älterer Bruder Joe die große politische Karriere einschlagen – so zumindest hat es John F. Kennedys Vater Joseph vorgesehen. Doch als Joe während eines Einsatzes im Zweiten Weltkrieg 1944 stirbt, konzentriert sich der Ehrgeiz des Vaters auf John, der als Zweitältester nun der Hoffnungsträger der Familie wird.

1946 Abgeordneter im Repräsentantenhaus in Washington, 1952 Senator von Massachusetts – Kennedy wird nicht zuletzt durch die Finanzhilfen seines reichen Vaters in hohe Ämter gewählt, mit dem Geld kann er durchs Land reisen, Menschen treffen und Wahlkampf machen. 1953 heiratet er Jacqueline Bouvier. Sie kommt aus gutem Haus, ist sprachgewandt und hilft ihm bei seinen Reden und Kampagnen, als er sich um das höchste Amt im Land - das Präsidentenamt - bewirbt.

Die Kennedys
Die Kennedys
Quelle: ZDF/ap

Mit Erfolg: 1960 gewinnt er für die Demokratische Partei knapp die Präsidentschaftswahl gegen den Republikaner und erfahrenen Vizepräsidenten Richard Nixon. An einem klirrend kalten 20. Januar 1961 wird er ins Amt eingeführt.

Ein Amtsantritt in bewegten Zeiten: Kennedys Zeit im Weißen Haus ist von militärischen Krisen geprägt. Eng mit seinem Namen verbunden sind die Lösung der Kuba-Krise und die anschließenden Versuche, das Verhältnis zur Sowjetunion zu entspannen. Dabei beginnt die junge Kennedy-Regierung mit einem kompletten Fehlschlag: Um Revolutionsführer Fidel Castro zu stürzen, plant die US-Regierung eine Invasion in der Schweinebucht auf Kuba. Die Aktion wird ein Desaster.  

Trotzdem Kennedys Regierung mit dem Debakel in Kuba gestartet ist, kann er in den ersten 100 Tagen im Amt 26 Gesetze auf den Weg bringen - nur Roosevelt und Truman schafften in dem Zeitraum mehr. Bei den Amerikanern ist der Präsident durchaus beliebt.

Im Oktober 1962 ist Kuba erneut Krisen-Schauplatz. Als die Russen Raketen auf der Karibikinsel, also vor der Haustür der Amerikaner, stationieren, eskaliert der Streit der Supermächte. 13 Tage lang hält die Welt den Atem an. Schließlich verspricht Kennedy den Abzug der US-Atomraketen aus der Türkei, wenn Chruschtschow seine Raketen von Kuba abzieht. Der sowjetische Regierungschef willigt ein. Später folgen entspannende Initiativen zwischen den USA und der Sowjetunion wie ein erstes Atomteststopp-Abkommen und das „Rote Telefon“, eine direkte Verbindung zwischen Washington und Moskau.

Beim Wettstreit im Weltall liegt die Sowjetunion jedoch eindeutig vorn: Sie schickt den ersten Satelliten, das erste Tier und den ersten Menschen ins All. Kennedy will dafür den ersten Menschen auf dem Mond und treibt mit aller Kraft das Raumfahrtprogramm voran. Er erhöht den Etat für Rüstungs- und Weltraumtechnologie.

Wir haben uns entschlossen, in diesem Jahrzehnt zum Mond zu fliegen und noch andere Dinge zu unternehmen, nicht weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist.
John F. Kennedy, 12. September 1962 in Houston, Texas

Innenpolitisch kann Kennedy jedoch generell weniger voran bringen: Es gelingt ihm nicht, seine Ideen für Steuer- und Gesundheitsreformen umzusetzen. So steht zwar die Stärkung der Bürgerrechte der afroamerikanischen Bevölkerung auf seiner Agenda. Doch Kennedy agiert zunächst zögerlich, schließlich bringt er im Kongress einen Gesetzesentwurf gegen die Rassentrennung ein. Am 11. Juni 1963 sagt er in einer Fernsehansprache: Die Nation werde „nicht ganz frei sein, so lange nicht alle ihre Bürger frei sind." Zur tatsächlichen Abschaffung der Rassentrennung kommt es erst nach Kennedys Tod, dennoch gilt Kennedy als Wegbereiter.

John-F-Kennedyund Willy Brandt am Schöneberger Rathaus - 1963
John-F-Kennedyund Willy Brandt am Schöneberger Rathaus - 1963
Quelle: dpa

Besuch in Deutschland

13. August 1961: In Berlin wird mit dem Bau der Mauer begonnen. Außenpolitisch ist die Lage in Berlin für Kennedy heikel, Deutschland erwartet eine Reaktion des US-Präsidenten. Dieser schreibt zunächst einen Brief an Berlins damaligen Bürgermeister Willy Brandt und schickt seinen Vizepräsidenten Lyndon B. Johnson nach Deutschland.

Doch Kennedy beabsichtigt nicht, etwas gegen den Bau der Mauer zu tun. Schließlich kommt der US-Präsident 1963 selbst nach Deutschland. Kennedy ist angespannt, schließlich muss er befürchten, dass die Deutschen sein Schweigen zum Bau der Mauer kritisieren würden. Doch das tun sie nicht: Vier Tage im Sommer – vom 23. bis 26. Juni - ist Deutschland im Kennedy-Rausch.

Er kommt nach Bonn und trägt sich dort ins Goldene Buch der Stadt ein, nimmt in Köln an einer Messe im Dom teil, besucht Hanau, Frankfurt und Wiesbaden. Besonders die Besuche in den US-Kasernen in Hanau und Wiesbaden sollen die militärische Präsenz der Amerikaner in Deutschland demonstrieren. Höhepunkt der Reise ist West-Berlin. Die Stadt ist ein Brennpunkt des Kalten Krieges. Bundeskanzler Adenauer hat die Sorge, dass der Einfluss der Sowjetunion auf West-Berlin zunimmt.

Der junge Kennedy und Adenauer, "der Alte" 

Der junge Kennedy und der "Alte", wie Bundeskanzler Adenauer genannt wurde - sie hatten ein gespaltenes Verhältnis. Trotzdem: Mit Kennedy verbanden die Deutschen sehr viel Hoffnung.

Videolänge

Kennedy wird auch hier mit großer Begeisterung empfangen. In seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus verspricht er, West-Berlin als Symbol der freien westlichen Welt zu schützen. Die Worte machen ihn in Deutschland unsterblich. Eine Umfrage zu Kennedys  40. Todestag im Jahre 2003 belegt den großen Eindruck, den Kennedy auf die Deutschen gemacht hat - und der bis heute nachwirkt.    

Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner.
John F. Kennedy, 26. Juni 1963, in West-Berlin

 

Kein US-Präsident sollte diesen Triumph in Deutschland wiederholen können. Für Kennedy selbst ist der Berlin-Besuch ein Auftrieb, denn Zuhause befinden sich seine Umfragewerte zu der Zeit im Sinkflug: Die Rassenunruhen im Süden und die innenpolitischen Reformstaus lassen den Erfolg der Kuba-Krise verblassen. Dabei steht Kennedy vor einem neuen Wahlkampf, er bewirbt sich für eine zweite Amtszeit.

Jacqueline und John F. Kennedy
kennedy, jacqueline und ihr mann john f. kennedy
Quelle: dpa

Eine glamouröse Familie

Dass John F. Kennedy überhaupt Präsident werden konnte, liegt nicht zuletzt an der bedingungslosen Unterstützung seines irisch-katholischen Familien-Clans. Vater Joseph ist ein cleverer Geschäftsmann von maßlosem Ehrgeiz: Er will seine Kinder in hohen Ämtern sehen. Mutter Rose kommt aus einer Politiker-Familie. Der Erfolg der Kennedys lässt sich bemessen: Rose und Joseph sind nicht nur Eltern des 35. Präsidenten der USA, sondern auch eines US-Justizministers (Bobby) und eines US-Senators (Ted).

  • Präsident John F. Kennedy 1962 bei einer Rede in Houston, Texas

    Senator und US-Präsident

  • Robert Kennedy

    Senator und US-Justizminister

  • Edward Kennedy

    Senator

Der enge Zusammenhalt in der Kindheit prägt die neun Geschwister. Sie wachsen privilegiert auf, unter anderem auf dem Familiensitz in Hyannis Port, Massachusetts oder in der Ferienresidenz in Florida. Segeln gehört zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Kinder. Sie messen sich in sportlichen Wettbewerben und ringen um die Anerkennung des strengen Vaters.

Jack, wie Kennedy im Familienkreis genannt wird, genießt die Freiheit des zweitgeborenen Sohnes, soweit es sein Vater zulässt. und seine Gesundheit: Er ist oft krank, hat zeitlebens Schmerzen, leidet unter anderem an Nierenproblemen, Muskelschwäche und Rückenschmerzen. Bei einem der zahlreichen Krankenhausaufenthalte schreibt er einem Schulfreund, dass man bereits die Sarggröße für ihn ausmesse. 1947 wird bei Kennedy die Addisonsche Krankheit, eine Erkrankung der Nebennierenrinde, diagnostiziert.

Als sein älterer Bruder stirbt, übernimmt Jack dessen ursprünglich zugedachte Rolle innerhalb und auch außerhalb der Familie. Unterstützt wird er von Bruder Bobby, der sein engster Vertrauter und später Justizminister wird, sowie von den Schwestern, die Teepartys geben, um ihn bei den Wählern bekannter zu machen. Eine weitere Hilfe wird Kennedys Ehefrau Jacky: Sie gibt glanzvolle Empfänge und auch sie verzaubert die Amerikaner. Die Botschaft der Familie ist klar: Der Kandidat John F. Kennedy verkörpert Aufbruchstimmung, Jugend, Wohlstand, Glamour - und damit den Generationenwechsel.

Als John F. Kennedy und seine Frau Jaqueline 1961 ins Weiße Haus einziehen, sind die Amerikaner ganz verzückt von der Präsidentenfamilie: Die Bilder vom kleinen John-John, der unter dem Schreibtisch seines Vaters im Oval Office spielt, und der Tochter Caroline begeistern die Nation. Jackie lässt das Weiße Haus im alten Stil glanzvoll herrichten und zeigt die Renovierung anschließend den amerikanischen Fernsehzuschauern in einer Fernseh-Dokumentation.

Das Weiße Haus – inszeniert als „amerikanisches Camelot“, dem Hof des britischen mystischen König Artus. Hollywood-Schauspieler, Künstler und Intellektuelle versammeln sich hier. Doch der Schein der schönen Bilder trügt: So idyllisch und glücklich, wie sich Jack und Jackie öffentlich geben, sind sie nicht. Der Präsident betrügt seine First Lady und hat unzählige Affären.

Kennedys

Terra X History - Geheimnisse der Kennedy-Frauen 

Im Wahlkampf lächelten sie jeden Skandal weg, zu Hause hielten sie die Familie zusammen: Ohne ihre Frauen wären die Kennedys nie so erfolgreich gewesen.

 Das wird den Amerikanern jedoch genauso verschwiegen wie seine Krankheiten: Dass Kennedy ein Korsett zur Stärkung des Rückens trägt, häufig Krücken benutzen muss und medikamentenabhängig ist, wissen nur wenige. Das Eingestehen von körperlicher Schwäche hätte ihm politisch sehr geschadet. Schließlich steht Kennedy für Vitalität, Gesundheit, Mut und Kraft. All dies wird jedoch in Dallas zerstört.

Soldaten halten am Sarg von John F. Kennedy Ehrenwache
Soldaten halten am Sarg von John F. Kennedy Ehrenwache
Quelle: ap

Tod in Dallas – was bleibt?

Kennedys Präsidentschaft bleibt unvollendet: Drei Schüsse in Dallas am 22. November 1963 erweisen sich als tödlich. Der Präsident ist mit seiner Ehefrau auf Wahlkampftour. Gerade im Süden des Landes ist die Zahl seiner Anhänger gesunken, zu radikal empfindet man hier die Bürgerrechtspolitik des Präsidenten. In einer offenen Limousine fahren sie durch die Straßen, die Menschen jubeln ihnen vom Bürgersteig aus zu. Da fallen die Schüsse auf den Präsidenten. Eine Kugel dringt durch den Hals, eine andere in den Schädel. Der Präsident wird auf dem schnellsten Weg in ein Krankenhaus gebracht. Doch er ist nicht mehr zu retten: Um 13 Uhr verkünden die Ärzte seinen Tod.

Später spricht alles dafür: Es war das Werk des Einzeltäters Lee Harvey Oswald. Doch auch heute noch gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien. Die Zeugenaussagen wiedersprechen sich, 1964 gibt es den endgültigen Abschlussbericht der Warren-Kommission, die keine Anzeichen für eine Verschwörung sieht. Noch heute sind zahlreiche Akten unter Verschluss, Diskussionen um die Veröffentlichung neuer - geheimer -Dokumente zu Kennedy reißen nicht ab.  

Durch die Ermordung werden JFK und seine Familie zum Mythos. Vom Fluch der Kennedys ist die Rede, die Todesfälle der Familie werden in der Öffentlichkeit wahrgenommen: Der große Bruder Joe stirbt 1944 im Zweiten Weltkrieg, auch seine Schwester Kathleen stirbt 1948 bei einem Flugzeugabsturz und der jüngere Robert wird 1968 ermordet. Und schließlich beendet ein tragischer Unfall die Hoffnung einer ganzen Nation, John Junior im Weißen Haus zu sehen: 1999 stürzt Kennedys Sohn auf dem Weg zu einer Hochzeit am Familienstammsitz in Hyannis Port mit seinem Flugzeug ab und kann nur noch tot geborgen werden. Auch seine Ehefrau stirbt.

Seine Schwester Caroline scheint an die politische Arbeit ihres Vaters anzuknüpfen: Von November 2013 übernimmt sie das Amt als Botschafterin der Vereinigten Staaten in Japan. Das politische Erbe übernehmen nun aber auch die Familien von John F. Kennedys Brüdern und Schwestern: Joe Kennedy III., Enkel von John F. Kennedys Bruder Bobby, zieht 2013 bis 2019 mit Anfang 30 in das Repräsentantenhaus ein. Als Abgeordneter der demokratischen Partei bringt er den Namen Kennedy zurück nach Washington. Bis 2021: seine verlorene Kandidatur zum US-Senat in Massachusetts machte es ihm unmöglich, für eine weitere Amtszeit im Repräsentantenhaus zu kandidieren.

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