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Medienforschung

Onlinestudie und Langzeitstudie Massenkommunikation

Engagement in der Branche

In Zeiten raschen Wandels von Medientechnologien und Mediennutzungsoptionen sind empirische Forschungsergebnisse zentraler Bestandteil für den Unternehmenserfolg. Allerdings ist auch festzustellen, dass empirische Befunde instrumentalisiert werden; nach den Ergebnissen einiger solcher Studien hätte das Ende des Fernsehens spätestens schon vor 15 Jahren stattfinden müssen. Sowohl bei der internen Bewertung der Leistung des öffentlich- rechtlichen Rundfunks als auch bei seiner Darstellung in der Öffentlichkeit bedarf es nachhaltiger und verlässlicher Forschung. Nachhaltigkeit in den Methoden ist dabei eine Voraussetzung, um auch nachhaltige Ergebnisse mit Benchmark-Qualität zu erzielen. Mit der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation und der ARD/ZDF-Onlinestudie verfügt der öffentlich-rechtliche Rundfunk über zwei Studien, die die Entwicklung von Fernsehen seit 1964 (alle fünf Jahre) und von Online in jährlichem Zyklus seit 1997 auf Basis einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe analysieren. Mediennutzung und Medienbewertung stehen im Mittelpunkt der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation; das »neue Medium« Online steht im Mittelpunkt der ARD/ ZDF-Onlinestudie.

Die ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation ist 2015 zum elften Mal durchgeführt worden. Neben den Ergebnissen zur Mediennutzung im intermedialen Vergleich enthält die Studie Themen zum Profil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auch im Vergleich zum privaten Rundfunk. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Fernsehen nach wie vor Leitmedium ist und – durch die Bewegtbildnutzung über das Internet – gerade auch in jungen Zielgruppen eine hohe Bindung beim Publikum hat, auch wenn das klassische Fernsehen insgesamt mehr als 95 Prozent der Gesamtnutzung ausmacht. Bezüglich des Profils kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk langfristig seine Stärke im Informationsbereich halten und unterscheidet sich hierbei auch deutlich von den privaten Anbietern.

Durch eine umfangreiche Veröffentlichungspraxis einschließlich Buchpublikation für die Studie Massenkommunikation werden Themen und Forschungsstandards in der öffentlichen Diskussion gesetzt, ihre Ergebnisse werden häufig an anderer Stelle als Referenz zitiert. Nachhaltige Forschung ist somit sowohl für die interne Informationsversorgung zur Bewertung der eigenen Leistungen des ZDF als auch zur Dokumentation dieser Leistungen in der Öffentlichkeit ein wichtiger Baustein des Forschungsportfolios der Medienforschung.

Multimedia-Projekt "Generation What?"

Im April 2016 startete das ZDF gemeinsam mit dem BR, dem SWR und Sendern aus insgesamt zwölf europäischen Ländern das Multimedia-Projekt "Generation What?". Durch eine interaktive Website mit Fragebogen und Interviews sowie vier Dokumentarfilme sollte das umfassendste Bild entstehen, das je von der heutigen Generation der 18– bis 34-Jährigen in Europa gezeichnet wurde. Das Ziel: die größte Jugendstudie Europas mit mehr als einer Million Teilnehmern.

Millennials, Generation Y, Generation Internet oder doch Generation Porno? Seit Jahren weiß man nicht so genau, wie man die Generation der 18– bis 34-Jährigen eigentlich fassen soll. Da gibt es nur eine Lösung: Sie selbst fragen. Mit "Generation What?" wollten Sender in zwölf Ländern Europas dieser Altersgruppe die Chance geben, ihre Generation selbst darzustellen. Im Mittelpunkt stand dabei ein interaktiver Online-Fragebogen mit Themen, die alle etwas angehen: Liebe, Sex und Freundschaft, Job (oder eben auch nicht), Ausbildung, Familie und Politik. Das Besondere: Schon während des Ausfüllens konnten sich der Nutzer mit anderen vergleichen. Auch zu gesellschaftspolitischen und ethischen Themen wurden die Teilnehmer befragt: über ihre Einstellung zu Europa und zur Zuwanderung, ihre Meinung zu Thesen wie »Es gibt zu viel Ungerechtigkeit « bis hin zur Frage »Könntest Du ohne den Glauben an (einen) Gott glücklich sein?«. Dazu gab es kurze Videointerviews.

Die Endergebnisse der Studie wurden im April 2017 veröffentlicht. Für Deutschland übernahm das Sinus-Institut die Aufbereitung der Daten und wertete sie nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten aus.

Studienergebnisse

Die gesamteuropäischen Ergebnisse der „Generation What?“-Umfrage zeichnen das Bild einer jungen Generation, die sich Gedanken über soziale Ungleichheiten macht und zugleich der Politik und anderen Institutionen nicht zutraut, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Am 5. April 2017 erschien der europäische Abschlussbericht der „Generation What?“-Umfrage, die von der EBU koordiniert und in Deutschland vom ZDF, dem BR und dem SWR begleitet wurde.

Laut Abschlussbericht haben 82 Prozent der jungen Menschen in Europa kein Vertrauen in die Politik (45 Prozent haben „überhaupt keines“ und 37 Prozent haben „eher keines“). In Deutschland sind es lediglich 23 Prozent, die überhaupt kein Vertrauen in die Politik haben. Das ist im Europavergleich der niedrigste Wert. Am stärksten unterscheiden sich die jungen Deutschen hier von den Griechen (67 Prozent), den Franzosen (62 Prozent) und den Italienern (60 Prozent).

Offenbar fühlen sich die bildungsferneren Schichten deutlich stärker von der Politik im Stich gelassen, denn je niedriger die Bildung, desto größer ist das Misstrauen. Während europaweit 50 Prozent der Befragten mit niedrigem Bildungsniveau der Politik völlig misstrauen, sind es bei den Hochgebildeten „nur“ 41 Prozent. Auch das Alter spielt bei der Einschätzung eine Rolle, ob man der Politik vertrauen kann oder nicht. Bei den 18- und 19-Jährigen sind es „nur“ 37 Prozent, die der Politik völlig misstrauen, bei den 30- bis 34-Jährigen sind es dagegen 50 Prozent. Ein möglicher Grund für das Misstrauen: Fast neun von zehn Befragten nehmen eine wachsende soziale Ungleichheit in ihrem jeweiligen Land wahr. Dieser Befund zieht sich durch alle Teilnehmerländer.

Nicht nur die Politik hat einen schweren Stand bei der jungen Generation – auch das Vertrauen in Medien und religiöse Institutionen ist nur gering ausgeprägt. Von allen Institutionen kommen die religiösen am schlechtesten weg: 58 Prozent der jungen Europäer vertrauen ihnen gar nicht und weitere 28 Prozent eher nicht.

Laut Abschlussbericht ist in der jungen Generation durchaus die Bereitschaft vorhanden, sich aktiv einzubringen – zum Beispiel in einer politischen Institution: Neun Prozent aller jungen Europäer geben an, hier bereits positive Erfahrungen gemacht zu haben. Für 31 Prozent ist institutionalisiertes politisches Engagement zwar Neuland, aber durchaus eine Überlegung wert. Dabei gibt es jedoch große Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern. Die Bereitschaft, in politischen Organisationen aktiv zu werden, ist in Deutschland mit Abstand am stärksten (44 Prozent) und am niedrigsten in Griechenland (13 Prozent). Unter den deutschen Befragten ist auch der Anteil derer am niedrigsten, die politisches Engagement grundsätzlich für sich ausschließen (32 versus 52 Prozent europaweit). Für eine Aktivität in einer NGO ist am meisten Bereitschaft vorhanden (51 Prozent vs. 31 Prozent). Besonders in der jüngsten befragten Altersgruppe (18 bis 19 Jahre) kann man sich mit dem Gedanken, sich in einer Nichtregierungsorganisation zu engagieren, überdurchschnittlich häufig anfreunden (61 Prozent).

Das Verhältnis der jungen Generation zum europäischen Projekt ist von einem deutlichen Pragmatismus geprägt: Obwohl man wenig Vertrauen in Europa hat und sich weitaus stärker mit dem eigenen Land oder der eigenen Region identifiziert, spricht sich nicht mal jeder Sechste für einen EU-Austritt des eigenen Landes aus.

Die jungen Europäer wurden gefragt, ob sie sehr pessimistisch, eher pessimistisch, eher optimistisch oder sehr optimistisch an die Zukunft denken. Jeweils nur etwas weniger als zehn Prozent sind laut der Umfrage völlig optimistisch oder völlig pessimistisch. In der Tendenz ist ein etwas größerer Anteil optimistisch als pessimistisch (55 Prozent versus 43 Prozent). Vor dem Hintergrund der Sorgen um wachsende Ungleichheit und dem geringen Vertrauen in die Institutionen ist es überraschend, dass der Großteil der jungen Menschen positiv in die Zukunft blickt.

Die Umfrage umfasst 149 Fragen von Politik über Religion bis hin zu Sexualität und Lebensglück und gilt als größte vergleichende Studie dieser Art. Auch nach der Veröffentlichung der Endergebnisse können junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren auf www.generation-what.de noch bis Mitte April 2017 an der Umfrage teilnehmen und selbst ein Bild ihrer Generation zeichnen. Der europäische Abschlussbericht wurde in enger Zusammenarbeit mit dem SINUS-Institut erarbeitet und stellt eine Auswahl der gesamteuropäischen Befunde zu den Themenkomplexen Arbeit und Bildung, Vertrauen in Institutionen, Gesellschaft, Europa, Familie, Sex und Blick in die Zukunft vor.

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