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Die Vermessung der Erde (1/2) - mit Harald Lesch

Von der Nebra-Scheibe bis zum GPS

In der zweiteiligen Dokumentation nimmt Physikprofessor Harald Lesch die Zuschauer mit auf eine Forschungsreise der Menschheitsgeschichte über die Vermessung der Erde.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.04.2029

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Seit jeher versuchen die Menschen, sich auf der Erde zu orientieren. Anfangs dienten ihnen dazu markante Punkte in der Natur oder die Sterne. Heute vermessen Satelliten die Erde millimetergenau. Metergenau führt das ständig verfügbare GPS heute ans Ziel. Es ist so sehr Teil des Alltags geworden, dass ein Zurechtfinden ohne es kaum möglich scheint. Was heute wie selbstverständlich genutzt wird, ist die Erfüllung eines Menschheitstraums. Schon immer suchte der Mensch nach Orientierung. Bereits die Herstellung der Himmelscheibe von Nebra in der Bronzezeit zeugt von dem Versuch, sich auf der Erde zurechtzufinden, der unberechenbaren Natur etwas Verlässliches abzutrotzen.

Meilensteine der Vermessung

Karten als Machtinstrument

Neben Orientierung soll die Vermessung der Erde aber seit jeher noch mehr bringen: Machtvorteile. Ein Zeugnis davon ist der Turiner Lagerstättenpapyrus. Um das Jahr 1150 v. Chr. ließ Pharao Ramses IV. darin die Lagerstätten von Gesteinen und Bodenschätzen kartieren. Das genaue Wissen um die Schätze seines Reiches machte deren Abbau und Ausbeutung besonders effektiv. So sicherte er seine Macht. Als Machtinstrument können auch die mittelalterlichen Mappae Mundi gedeutet werden. Die Erschaffer der christlichen Weltkarten malten sich die Welt so, wie sie zu den Lehren der Kirche passte.

Animierter Lageplan auf dem Tuiner Papyrus
Der Turiner Papyrus animiert: Die älteste geologische Karte der Welt gleicht einem schematischen Lageplan. Der Hauptweg entspricht dem topographischen Verlauf des Wadi Hammamat. Dunkle Flächen symbolisieren Berge und zeigen das Vorkommen von Grauwacke an. Rötlich eingezeichnet: Granit. Auch Goldlagerstätten und Steinbrüche sind lokalisiert.
Quelle: ZDF

Die Ebstorfer Karte entstand um 1300 und weist typische Merkmale der Mappae Mundi auf. Die Karte ist nicht nach Norden, sondern nach Osten ausgerichtet. Dort wird das Paradies verortet, Jesus Christus thront über allem. Der Schöpfer dieser Karte stellt die Erde kreisförmig dar, aufgeteilt in die damals bekannten drei Kontinente: Afrika, Asien und Europa. Im Zentrum Jerusalem, als zentraler Ort des Christentums. Biblische Geschichten werden symbolisch dargestellt, wie der Turmbau zu Babel oder die Arche Noah. Die Ebstorfer Karte (interaktive Darstellung) erinnert die Menschen im Mittelalter daran, dass Katastrophen als göttliche Strafe zu verstehen sind.

Fünf Männer in griechischen Gewändern blicken am felsigen Strand in die Ferne.

Bis heute folgt die Vermessung der Erde denselben Beweggründen: Orientierung und Macht. 360 Millionen Euro zahlte das Bundesverteidigungsministerium etwa 2015 für hochauflösendes 3-D-Kartenmaterial, das von modernen Satelliten aus dem All erstellt wurde – ein riesiger strategischer Vorteil in geopolitischen Konflikten.

Die Erforschung der Meeresböden

Und während es auf der Erdoberfläche kaum noch weiße Flecken gibt, steckt die Erforschung der Meeresböden noch in den Kinderschuhen. Hier sollen autonome Unterwasserdrohnen die Erkundung vorantreiben. Neben wissenschaftlichem Interesse geht es dabei vor allem um die Ortung und Ausbeutung von Bodenschätzen auf hoher See. Wer hier das beste Kartenmaterial hat, wird seinen Konkurrenten im Wettlauf um die wertvollen Rohstoffe ein gutes Stück voraus sein.

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