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Recherche zum Film

Normalerweise sind unsere Supermarktregale immer voll. Selbst abends, wenn man von der Arbeit kommt, gibt es noch frisches Brot.

Doch seit 2020 ist das anders.

Immer wieder stehen wir auch vor leeren Regalen, finden Hinweise, die die Abgabe von Weizenmehl, Nudeln, Tomatenmark oder Sonnenblumenöl regulieren. Aktuell steigen außerdem die Preise unserer Lebensmittel drastisch an. Die Gründe dafür waren zuerst die Corona-Pandemie, dann Schiffsunglücke, wie das des Frachters "Ever Given", der den Suezkanal tagelang blockierte. Und aktuell ist es vor allem der Krieg in der Ukraine, der die Lebensmittelpreise in die Höhe treibt und Sonnenblumenöl knapp werden lässt.   

Was bedeutet das? Ist unsere Lebensmittelversorgung auf einmal in Gefahr? Welche Möglichkeiten gibt es trotz Krisen und einer wachsenden Weltbevölkerung unsere Ernährung zu sichern? Gestartet haben wir unsere Recherche dort, wo unsere Lebensmittel traditionell herkommen: auf dem Acker. Dort macht vor allem der Klimawandel den Pflanzen und Böden zu schaffen. Trockenheit reduziert das Pflanzenwachstum und die Erträge. 2018 führten in Deutschland die hohen Temperaturen und geringen Niederschläge zu Ertragsausfällen, von denen insbesondere Norddeutschland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Teile von Bayern stark betroffen waren.

Einige Landwirte denken deshalb um, so wie Bauer Jonas Schulze Niehoff in Sachsen-Anhalt. Neben Dinkel, Sommerhafer oder Winterroggen baut er auch Quinoa und Kichererbsen an - Superfoods die eigentich aus Südamerika und dem Nahen Osten kommen. Anders als viele heimische Sorten, halten sie Trockenheit gut aus und gedeihen auch in vielen Regionen Deutschlands gut.

Unterstützt wird Schulze Niehoff von der Agrarwissenschaftlerin Urte Grauwinkel von der Organisation "Zukunftsspeisen".  Die Universität Halle im Rücken, begleitet sie mit ihrem Projekt die Arbeit von mehreren Bio-Bauernhöfen wissenschaftlich und zeigt den Landwirt*innen, wie man sogenannte "Superfoods" kultiviert. Dazu zählen besonders nährstoffreiche Hülsenfrüchte und so genannte Pseudocerealien wie Amaranth und Quinoa, die ihren Ursprung in anderen Ländern haben. Auch Sorten, die in Deutschland schonmal heimisch waren, aber im Laufe der Zeit einfach vergessen wurden, werden erforscht und versuchweise angebaut, zum Beispiel Hanf, Hirse oder Linsen.

Doch neue, klimaresistente Pflanzenkulturen auf dem Acker können sich als Bestandteil krisensicherer Ernährung nur durchsetzten wenn wir als Verbraucher*innen sie auch kennen, kochen und konsumieren. Urte Grauwinkels Konzept ist daher ein ganzheitliches. Gemeinsam mit ihrem Team enwickelt sie Rezepte, gibt Kochworkshops in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Jugendherbergen und lässt die neuen Lebensmittel auf Märkten verkosten.

In unserem Film hat diese Geschichte deshalb einen besonderen Stellenwert bekommen, weil sie die gesamte Entwicklung unserer Ernährung der Zukunft zeichnet – vom Samen auf dem Acker bis zu neuen Gerichten auf unserem Teller.

Wie eine sichere Ernährung für Stadtbewohner*innen aussehen kann, hat uns Anders Riemann in Kopenhagen gezeigt. Der ehemalige Finanzanalyst hat dort die größte Vertical Farm Europas eröffnet. Das Prinzip: Blattgemüse wie Salat und Kräuter wachsen indoor, in Regalen übereinander. Sein Ziel: Viel Ernte auf wenig Platz, umweltfreundlich produziert. Das funktioniert dank Hightech. Die Wurzeln der Pflanzen stecken nicht in Erde sondern wachsen im Wasser, welches ständig recyclet wird. Es gibt kein schlechtes Wetter – das Licht scheint jeden Tag und sorgt für eine konstante Photosynthese. Pestizide braucht Riemann keine, da die Halle hermetisch abgeriegelt ist und es deshalb keine Schädlinge gibt. Und dank Windkraft, die in der dänischen Hauptstadt die Energieversorgung sichert, laufen die Maschinen in der Halle alle klimaneutral. Damit geht Riemann viele Probleme gleichzeitig an, die aktuell durch die konventionelle Landwirtschaft verursacht werden, wie die Zerstörung von Ökosystemen, den hohen Wasserverbauch, die Überdüngung der Böden und den enormen Einsatz von Pestiziden, der Menschen und Umwelt belastet.

Im Supermarkt scheint die Auswahl an unterschiedlichen Lebensmitteln unfassbar groß – dabei ernährt sich die Welt aktuell vor allem von drei Pflanzen: Weizen, Mais und Reis. Die Nachfrage führt zu enormen Anbauflächen, meistens in Form von Monokulturen. Schädlich für die Umwelt und riskant. Denn fällt eine der Pflanzen aufgrund von Missernten oder kriegerischen Konflikten aus - wie aktuell der Weizen aus der Ukraine - kann das zu einer enormen Verknappung und zu Hungersnöten führen.

Bei unserer Recherche zu neuen Lebensmittelquellen für den Weltmarkt kamen wir auf den Niederländer Joost Wouters und seine Algenfarmen. Der 51-Jährige suchte nach einem neuen Lebensmittel, welches sich nachhaltig anbauen lässt, nährstoffreich ist und gleichzeitig viele Millionen Menschen in ihrer Ernährung unterstützen kann. Fündig wurde der Unternehmer in der Nordsee.  

In Asien seit langem Tradition will der Niederländer Algensorten wie Zuckertang und Wakame auch in Europa auf den Speiseplan bringen. Seine Idee: Algen in herkömmliche Lebensmittel integrieren und dabei gleich noch etwas für die Umwelt tun. Das klappt zum Beispiel mit dem sogenanten Algenburger. In dessen Patty werden 30% des Fleisches durch Algen ersetzt. Das sorgt für mehr Saftigkeit und einen merklich kleineren CO2-Fußabdruck. Das Gleiche funktioniert auch mit anderen Produkten wie Chips und sogar Schokolade.

Joost Wouters und sein Team arbeiten mit immer mehr Lebensmittelproduzenten in Europa zusammen und entwickeln alte Lebensmittel neu – mithilfe von Algen. Unser Film zeigt mit diesen Projekten drei Ansätze für eine krisensichere, klima- und umweltfreundliche Ernährung: Erstens, einen Wandel auf dem Acker – mithilfe von klimaresistenten neuen Pflanzen wie Quinoa und Kichererbsen, die die Böden schonen und wieder mehr Ertrag bringen. Zweitens, Vertical Farming - eine Technologie, mit der es in Zukunft möglich sein wird, große Mengen Nahrung mitten in der Stadt anzubauen , mit kurzen Lieferwegen und einem geringen ökologischen Fußabdruck. Und drittens die Alge - ein in unseren Breiten neues Lebensmittel, welches dabei helfen soll, unser Ernährungsspektrum zu erweitern, und das sich leicht in großen Mengen abauen lässt.

von Christina Gantner

plan b - Essen für alle 

Die sichere Versorgung mit Lebensmitteln galt lange als selbstverständlich. Doch Kriege, Krisen und Klimawandel können das schnell ändern.

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