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Die Sachbuch-Bestenliste für April 2018

Von ZDF, Deutschlandfunk Kultur und DIE ZEIT

Wolfram Eilenberger: Zeit der Zauberer. Das große Jahrzehnt der Philosophie. 1919 - 1929 ; Klett-Cotta
Wolfram Eilenberger: Zeit der Zauberer. Das große Jahrzehnt der Philosophie. 1919 - 1929 ; 431 S., 25,- € Quelle: Klett-Cotta

1 (10) Die Jahre zwischen 1919 und 1929 markieren eine Epoche unvergleichlicher geistiger Kreativität, in der Gedanken zum ersten Mal gedacht wurden, die bis heute in die Gegenwart hineinreichen. Ludwig Wittgenstein, Walter Benjamin, Ernst Cassirer und Martin Heidegger prägten diese Epoche. Der Autor Wolfram Eilenberger lässt sie wiederauferstehen. 93 Punkte

Stephen Greenblatt: Die Geschichte von Adam und Eva. Der mächtigste Mythos der Menschheit; Siedler
Stephen Greenblatt: Die Geschichte von Adam und Eva. Der mächtigste Mythos der Menschheit; 448 S., 28,- € Quelle: Siedler

2 (-) Warum fasziniert uns die Geschichte von Adam und Eva noch heute? Wie hat sie unsere Vorstellungen vom Paradies, von Scham und Sünde, Gut und Böse, Mann und Frau geprägt? Pulitzer-Preisträger Stephen Greenblatt widmet sich jenem Menschheitsmythos, der unsere abendländische Kultur beeinflusst hat wie keine zweite Erzählung. Es geht um nichts weniger als die Frage, was es heißt, ein Mensch zu sein. 65 Punkte

Mary Beard: Frauen & Macht. Ein Manifest; S. Fischer
Mary Beard: Frauen & Macht. Ein Manifest; 112 S., 12,- € Quelle: S. Fischer

3 (-) Die Historikerin und Intellektuelle Mary Beard ist bekannt dafür, sich leidenschaftlich, streitbar und humorvoll in aktuelle Gesellschaftsthemen einzumischen. Jetzt hat sie ein Manifest geschrieben: über Feminismus, Gleichberechtigung und #MeToo. Das Buch ist ein fulminanter Aufruf an allen Frauen, den Moment zu nutzen, das Patriarchat zu stürzen und endlich die Macht an sich zu reißen. 62 Punkte

Helmut Lethen: Die Staatsräte. Elite im Dritten Reich: Gründgens, Furtwängler, Sauerbruch, Schmitt; Rowohlt Berlin
Helmut Lethen: Die Staatsräte. Elite im Dritten Reich: Gründgens, Furtwängler, Sauerbruch, Schmitt; 352 S., 24,– € Quelle: Rowohlt Berlin

4 (1) Der Dirigent Wilhelm Furtwängler, der Jurist Carl Schmitt, der Schauspieler Gustaf Gründgens und der Chirurg Ferdinand Sauerbruch: Sie alle waren Kollaborateure im NS-Staat, in Nähe und Distanz. Helmut Lethen zeichnet ein faszinierendes Gruppenporträt mit fiktiven literarischen Gesprächen zwischen diesen vier. Er erzählt von Verführbarkeit und Unterdrückung, Opportunismus und Auflehnung. 61 Punkte

Anna Lowenhaupt Tsing: Der Pilz am Ende der Welt. Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus; Matthes & Seitz Berlin
Anna Lowenhaupt Tsing: Der Pilz am Ende der Welt. Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus; 448 S., 28,- € Quelle: Matthes & Seitz Berlin

5 (-) Das erste neue Leben, das sich nach der nuklearen Katastrope in Hiroshima wieder regte, war ein Pilz. Ein Matsutake, der auf den Trümmern der Stadt wuchs. In ihrem faszinierenden Essay geht die Anthropologin Anna Lowenhaupt-Tsing den Spuren dieses Pilzes sowie seiner biologischen und kulturellen Verbreitung nach und begibt sich auf die Suche nach dem Leben in einer Welt, die vom Menschen zerstört wurde. 51 Punkte

Yascha Mounk: Der Zerfall der Demokratie. Wie der Populismus den Rechtsstaat bedroht; Droemer HC
Yascha Mounk: Der Zerfall der Demokratie. Wie der Populismus den Rechtsstaat bedroht; Droemer HC, 352 S., 22,99 € Quelle: Droemer Knaur

5 (-) Die Demokratie droht zu scheitern: Rechtspopulistische Parteien wie AfD, FPÖ und Front National untergraben stabile Regierungen und führen politisches Chaos ein. Der Havard-Politologe Yascha Mounk erklärt, warum unsere westlichen Werte in Gefahr sind, für immer zu verschwinden. Klar und deutlich erklärt er die komplexen Mechanismen für die Zerstörung von Rechtstaatlichkeit – und benennt Maßnahmen für deren Rettung. 51 Punkte

Bénédicte Savoy: Die Provenienz der Kultur. Von der Trauer des Verlusts zum universalen Menschheitserbe; Matthes & Seitz Berlin
Bénédicte Savoy: Die Provenienz der Kultur. Von der Trauer des Verlusts zum universalen Menschheitserbe; 80 S., 10,- € Quelle: Matthes & Seitz Berlin

7 (-) Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy plädiert im Umgang mit Kunst für eine radikal neue Perspektive, die von den Objekten und ihrer individuellen Biografie ausgeht. Nicht nur die Herkunft von Kunst soll transparent gemacht werden, fordert Savoy, sondern auch deren Kolonial- und Gewaltgeschichte. Ein Buch gegen die Abschottung und Angst vor Restitutionen – und für die Idee eines gemeinsamen Weltkulturerbes. 41 Punkte

Jonathan Balcombe: Was Fische wissen. Wie sie lieben, spielen, planen; a. d. Engl. v. T. Rothenbücher; mare
Jonathan Balcombe: Was Fische wissen. Wie sie lieben, spielen, planen; a. d. Engl. v. T. Rothenbücher; 352 S., 28,– € Quelle: mare

8 (8) Der Fisch: ein unterschätztes Wesen. Angler, Köche und Aquarienbesitzer interessieren sich für ihn, aber unser Herz rührt er kaum. Dabei sind Fische uns Menschen nicht unähnlich – sie sind strategisch und sozial, pflegen Balzrituale und lange Beziehungen. Der Verhaltensbiologe Jonathan Balcombe bricht eine Lanze für die Fische. Und überrascht mit Erkenntnissen, die weit über den Aquarienrand hinausgehen. 33 Punkte

Martin Mosebach: Die 21. Eine Reise ins Land der koptischen Märtyrer; Rowohlt
Martin Mosebach: Die 21. Eine Reise ins Land der koptischen Märtyrer; 272 S., 20,– € Quelle: Rowohlt

9 (9) Im Frühjahr 2017 reist Martin Mosebach nach Ägypten. Er besucht im Dorf El-Or die Familien der 21 koptischen Männer, die zwei Jahre zuvor von IS-Terroristen an einem Strand in Libyen ermordet wurden. Das Buch zur Reise reflektiert Mosebachs Begegnungen mit einer fremden Gesellschaft und einer Kirche, die sich den Glauben und die Liturgie der frühen Christenheit bewahrt hat. 31 Punkte

Johann Scheerer: Wir sind dann wohl die Angehörigen. Die Geschichte einer Entführung; Piper
Johann Scheerer: Wir sind dann wohl die Angehörigen. Die Geschichte einer Entführung; 240 S., 20,- € Quelle: Piper

9 (-) Johann Scheerer erzählt auf berührende und mitreißende Weise von den 33 Tagen um Ostern 1996, als sich sein Vater Jan Philipp Reemtsma in den Händen von Entführern befand. Das Zuhause des Sohnes wurde zur polizeilichen Einsatzzentrale, während kaum Hoffnung bestand, dass der Vater lebend gerettet werden kann. Scheerers Buch ist so klug und berührend, weil es sich jeden sentimentalen Annäherungsversuch versagt. 31 Punkte

Jedes Jury-Mitglied der Sachbuch-Bestenliste vergibt monatlich an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.

Die Jury der Sachbuch-Bestenliste: René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur), Peter Arens (ZDF), Susanne Billig (Deutschlandfunk Kultur), Ralph Bollmann (F.A.S.), Stefan Brauburger (ZDF), Alexander Cammann (DIE ZEIT), Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Heike Faller (DIE ZEIT), Daniel Fiedler (ZDF), Svenja Flaßpöhler (Philosophie Magazin), Jenny Friedrich-Freksa (Kulturaustausch), Manuel J. Hartung (DIE ZEIT), Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur), Inge Kutter (DIE ZEIT), Hannah Lühmann (DIE WELT), Ijoma Mangold (DIE ZEIT), Tania Martini (taz), Susanne Mayer (DIE ZEIT), Christoph Möllers (HU Berlin), Jutta Person (freie Literaturkritikerin), Bettina von Pfeil (ZDF), Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung), Christian Rabhansl (Deutschlandfunk Kultur), Anne Reidt (ZDF), Anna Riek (ZDF), Stephan Schlak (Zeitschrift für Ideengeschichte), Hilal Sezgin (freie Autorin), Catrin Stövesand (Deutschlandfunk), Elisabeth von Thadden (DIE ZEIT), Julia Voss (Leuphana-Uni Lüneburg)

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