Viele Hilfsmöglichkeiten:Bettelnde Menschen: Wie man reagieren kann
von Clara Eberle
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Im Winter fallen in den Innenstädten Deutschlands bettelnde Menschen besonders auf. Aber wie verhält man sich am besten, wenn man angesprochen wird? Wie kann man wirklich helfen?
Auf der Straße nach Geld gefragt: Wie kann man damit richtig umgehen?
Quelle: dpa
Viele kennen diese Situation: Man läuft durch die Stadt und wird von jemandem angesprochen, der um Geld bittet. Die Reaktion ist oft ein verunsichertes Abwinken - auch, weil sich viele nicht sicher sind, ob und wie hilfsbedürftig der Mensch ist. Manche fragen sich auch, ob eine organisierte Bande dahintersteckt.
Die Diakonie Deutschland weist gegenüber ZDFheute darauf hin, dass dem Bundesverband keine gesammelten Informationen über sogenannte "Bettlerbanden" vorliegen und warnt davor, über das Ausmaß des Phänomens zu spekulieren. Unabhängig davon: Wie kann man sich verhalten in solchen Situationen?
Diakonie: Kurzes Gespräch kann helfen
Lars Schäfer, Referent für die Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Deutschland, empfiehlt im Gespräch mit ZDFheute, zu schauen, wer um Geld bittet. Viele kämen aus Süd- und Südosteuropa, etwa Rumänien, erklärt Schäfer und ergänzt: "Aber natürlich sind vor allem gerade EU-Bürger*innen häufig bedürftig, da sie meist keinen Zugang zu Sozialleistungen haben."
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Ein kurzes Gespräch könne helfen, "sich zumindest einen kleinen Eindruck zu verschaffen", so Schäfer.
Zudem sollte man skeptisch sein, wenn jemand aggressiv bettelt.
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Lars Schäfer, Referent für Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Deutschland
"Echte" bettelnde Menschen, so Schäfer, säßen etwa meist nicht auf dem nackten Boden, "sondern auf einer Decke oder Pappe, um sich vor der Kälte zu schützen".
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Diakonie: "Niemand sitzt freiwillig und gerne auf der Straße"
Schäfer betont zudem gegenüber ZDFheute: "Grundsätzlich gilt: Niemand sitzt freiwillig und gerne auf der Straße und bettelt, schon gar nicht bei kalten Temperaturen." Mit Blick auf die Frage nach organisierten Banden sagt Schäfer:
Auch wenn eine bettelnde Person zu einer "Bettelbande" gehört, ist sie in der Regel trotzdem von extremer Armut betroffen. Die Personen, die auf der Straße sitzen, sind selbst Geschädigte.
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Lars Schäfer, Referent für Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Deutschland
In diesen Fällen kann es nach Ansicht von Schäfer sinnvoll sein, kein Geld zu geben. Stattdessen könne man die Person fragen, was sie konkret benötigt, etwa einen Tee oder ein Brötchen. So diene das Geld nicht dazu, kriminelle Strukturen zu fördern, erklärt Schäfer.
Sachspenden nicht in jedem Fall empfehlenswert
Dennoch weist der Referent für Wohnungsnotfallhilfe darauf hin, dass Sachspenden nicht immer die Lösung sind. "In allen anderen Fällen würde ich dazu ermutigen, bettelnden Menschen Geld zu geben", sagt Schäfer. Der Mensch könne dann selbst entscheiden, wofür er es ausgeben möchte.
Dieses Recht sollte man auch allen zugestehen, auch wenn es bedeutet, dass er oder sie es für Alkohol oder Tabak ausgibt.
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Lars Schäfer, Referent für Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Deutschland
Das Wichtigste ist nach Auffassung von Schäfer, den Menschen wertschätzend gegenüberzutreten: "Begegnen Sie Ihrem Gegenüber auf Augenhöhe. Urteilen Sie nicht über die Person und ihre Handlungen." Auch sei es zu akzeptieren, wenn jemand ablehnend reagiert, sagt Schäfer. "Halten Sie Abstand, um die Privatsphäre der Person zu schützen."
Wer sich dennoch unsicher ist, ob er jemandem auf der Straße spontan Geld oder Sachspenden geben möchte, der kann auch auf anderem Weg helfen. Klaus Walraf, Pressereferent beim Malteser Hilfsdienst, verweist gegenüber ZDFheute auf zahlreiche Angebote für obdachlose Menschen. Dazu zählten Wärme- oder Duschbusse, Tafeln oder auch Mahlzeitenpatenschaften.
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Es geht laut Walraf dabei immer um Angebote und nicht die "spontane Reaktion auf die Frage nach Geld etwa". Damit erreiche man zweierlei: strukturelle Hilfe für Probleme, die arme und obdachlose Menschen haben sowie "ein Engagement von Ehrenamtlichen, die sich die Frage stellen, wie sie diesen Menschen besser helfen können, als nur mal schnell einen Euro zuzustecken".
Damit erreichen wir dann auch, dass beide Seiten eher Zeit und Raum finden, um einander zuzuhören und ins Gespräch zu kommen.
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Klaus Walraf, Referent bei den Maltesern
Finanziell unterstützt würden diese Angebote über Spenden, erklärt Walraf. Diese könnten dort eingesetzt werden, "wo sie gebraucht werden".
Quelle: dpa
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