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Grundsatz- und Haushaltsfragen im ZDF-Fernsehrat

Die 07. Sitzung vom 10.12.2021 in der XVI. Amtsperiode im Überblick

Fernsehratssitzung in der Mainzer Rheingoldhalle am 18.09.2020
Archiv: Fernsehratssitzung in der Mainzer Rheingoldhalle. Diesmal tagte das Gremium virtuell.
Quelle: ZDF/R. Orlowski

Es wurde sehr grundsätzlich bei der virtuellen Sitzung des ZDF-Fernsehrates. Schon im Tagesordnungspunkt zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ging es buchstäblich um das Große und Ganze. Die Bundesländer hatten im Vorfeld einen Diskussionsentwurf zu Auftrag und Strukturoptimierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vorgelegt, der Grundlage sein soll für eine Reform von ARD, ZDF und Deutschlandradio.

Bei der Sitzung des Fernsehrates betonte Intendant Dr. Thomas Bellut, der Kern des Vorhabens sei die flexible Beauftragung und der Blick in die digitale Zukunft. Das begrüßte er prinzipiell, wies aber auf die wichtige derzeitige Bedeutung von linearen Programmen hin. Dr. Franz-Josef Jung, Vorsitzender des Ausschusses für Strategie und Koordinierung, präsentierte eine Stellungnahme des ZDF-Fernsehrates und berichtete von den Schwierigkeiten, die etwa bei der Neuformulierung zur Unterhaltung bestünden, nämlich, „ dass Angebote vom Auftrag ausgeschlossen werden“. Unterhaltung müsse weiterhin wie bisher ohne zusätzliche Bedingungen Teil des Auftrags bleiben, so Jung. Prof. Dr. Hans-Günter Henneke kritisierte den Diskussionsentwurf der Länder prinzipiell, weil darin Zuständigkeiten und Strukturen verwässert würden.

Auch Angela Spizig kritisierte das Papier der Länder und betonte die Bedeutung der Unterhaltung als Möglichkeit, gesellschaftliche Fragen abzubilden und Werte zu vermitteln. Katrin Kroemer verwies auf Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes, die Unterhaltung als Bestandteil des Auftrages festschreiben. Dr. Achim Dercks unterstrich, dass die vorgesehene neue Aufgabenverteilung auch Herausforderungen für die Gremien mit sich bringen würde. Die Stellungnahme des ZDF-Fernsehrates (pdf) wurde mit einer Gegenstimme und fünf Enthaltungen verabschiedet.

Gleich im Anschluss an diese Debatte diskutierte der Fernsehrat den Haushaltsplan. In seiner Rede zur Haushaltsberatung verwies ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut auf die guten Akzeptanzwerte für das Hauptprogramm. Bellut: „ Das ZDF ist der mit Abstand meistgesehene Sender in Deutschland.“ Die große Akzeptanz erstrecke sich aber auch auf die Programmfamilie insgesamt. Nach Lage der Dinge habe man bis zum Jahresende erstmals beide private Sendergruppen überholt. „Gerade in der Pandemie zeigt sich, dass es in der Gesellschaft einen großen Bedarf an verlässlicher Information, lebendiger Kultur, aber auch entspannender Unterhaltung gibt."

Dr. Claudia Conen, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Finanzen, Investitionen und Technik, stellte anschließend den Finanzplan vor. Dieser schließt mit einem Gesamtergebnis von minus 105 Mio. Euro ab. Dieser Betrag wird aus der zu diesem Zweck gebildeten Rücklage planmäßig gedeckt, woraus ein insgesamt ausgeglichener Haushaltsplan resultiere. Dr. Franz-Josef Jung lobte, dass ein ausgeglichener Plan vorliege und ein solcher auch für die nächsten Jahre zu erwarten sei. Prof. Dr. Hans-Günter Henneke merkte an, dass der Haushalt aufgrund von Umschichtungen von Haushaltsposten schwer mit den Vorjahren zu vergleichen sei und regte an, diese Umstellung abzuschließen. Der Haushalt für das Geschäftsjahr 2022 wurde einstimmig genehmigt.

Diskussion um geschlechtergerechte Sprache beim ZDF

Um Zahlen ging es auch im Bericht der Gleichstellungsbeauftragten des ZDF, Marita Lewening. Das Verhältnis von Männern und Frauen in der ZDF-Belegschaft sei seit mehr als zehn Jahren ausgeglichen. Insgesamt liege die Beschäftigungsquote von Frauen im ZDF bei 50,2 Prozent. Laut Bericht ist die Zahl von Frauen in ZDF-Führungsfunktionen weiter gestiegen und erreichte mit 41,7 Prozent im Jahr 2020 den bisher höchsten Wert.

Zum Abschluss berichtete die Gleichstellungsbeauftragte über einen Leitfaden für „gendersensiblen Sprachgebrauch“ beim ZDF. Sie betonte, dass sich der Leitfaden an Mitarbeiter*innen richte, die sich freiwillig um eine gendersensible Sprache bemühen wollen. Den Redaktionen empfehle man zu diskutieren, wie die jeweilige Zielgruppe in ihrer Gesamtheit angesprochen werden soll. Angela Spizig regte an, auch bei der Auftragsvergabe an Dritte vermehrt auf Gleichstellungskriterien zu achten.

In der Folge entwickelte sich eine kontroverse Diskussion um gendergerechte Sprache. Dr. Franz-Josef Jung stellte die Frage, ob man tatsächlich alle Menschen mit einem Genderstern erreiche, den die deutliche Mehrheit der Bevölkerung ablehnen würde. Steffen Hörtler kritisierte die gesprochene Lücke als „Verhunzung“ und unnötige Verkomplizierung der deutschen Sprache. Er verwies auf seine DDR-Vergangenheit und auf seine Erfahrung, dass sich eine verordnete Sprache nicht durchsetze. Steffen Kampeter merkte an, dass der Gleichstellungsbericht selbst lediglich Frauen und Männer ausweise, insofern gehöre das Thema der gendergerechten Sprache nicht in diesen Bericht. Obendrein sei es jedem selbst überlassen, ob er privat gendere. Wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender aber Spracherziehung betreibe, sei das diskussionswürdig. Zudem stelle der Genderstern eine Inklusionshürde dar.

Holger Schwannecke erklärte, Gendern sei nur in Teilen der Gesellschaft und überwiegend in städtischen Milieus ein Thema. Er appellierte an den Intendanten, die Entscheidung übers Gendern nicht den Redaktionen zu überlassen, sondern von seiner Leitungskompetenz gegen den gesprochenen wie geschriebenen Genderstern Gebrauch zu machen. Dem widersprach Prof. Dr. Leonhard Dobusch: Wenn man sich dagegen ausspreche, Sprache zu verordnen, könne man dazu auch keine Leitungsentscheidung fordern. Luca Renner sagte, sie als nichtbinäre Person erwarte vom ZDF, Menschen aller Geschlechtsidentitäten sprachlich sichtbar zu machen bzw. unmittelbar anzusprechen, und plädierte für gegenseitigen Respekt. Es solle den Redaktionen überlassen bleiben, wie sie geschlechtergerechte Sprache anwenden.

Dr. Claudia Conen regte daraufhin an, über andere Instrumente als das Gendern nachzudenken, um Respekt auszudrücken. Kai Klose plädierte für Ausgleich, er selbst nutze inklusive Sprache. Der Fernsehrat dürfe den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ZDF aber keine Vorschriften in dieser Hinsicht machen. Katrin Kroemer verwies darauf, dass ein Leitfaden eben keine Verordnung sei, sondern eine Grundlage für eine freie Entscheidung. Reinhard Klimmt äußerte ästhetische Bedenken bei der Verwendung des Gendersterns. Dr. Karin Haug sprach sich für Toleranz in der Debatte aus.

ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut betonte, dass er diese Frage im ZDF diskursiv begleite. Es gebe beim ZDF kein „Massen-Gendern“. Der Umgang mit geschlechtergerechter Sprache unterscheide sich von Format zu Format. Man könne etwa Studio-Gästen nicht vorschreiben, wie sie sprechen sollen. Er versuche, offen für Veränderungen zu sein und zugleich die Argumente der Kritiker zu beachten. Es gelte, das richtige Maß zu finden.

Neben diesen Themen debattierte der Fernsehrat unter anderem über die hausinternen Richtlinien für Werbung, Sponsoring, Gewinnspiele und Produktionshilfe, über den Sport im ZDF und über Stand und Entwicklung von ZDFneo.

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