Eigene X-Regeln gebrochen?:Musk verbreitet gefälschten Clip zur US-Wahl
von Oliver Klein
|
Elon Musk hat ein manipuliertes Video mit Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris verbreitet und Kritik geerntet. Deepfakes werden zunehmend zu einer Gefahr für die Demokratie.
Screenshot: Elon Musk postet bei X das Deepfake-Video von Kamala Harris.
Quelle: x.com/elonmusk
Der Clip sieht auf den ersten Blick aus wie ein Wahlkampf-Video der US-Demokraten, mit Szenen von Ansprachen von Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris vor jubelnden Anhängern. "Ich bin die ultimative Wahl für Diversität - ich bin sowohl eine Frau als auch eine Person of Color", hört man die vermeintliche Stimme von Kamala Harris sagen. "Wenn Sie also irgendetwas von dem kritisieren, was ich sage - dann sind Sie sowohl ein Sexist als auch ein Rassist."
In diesem Stil geht es weiter: Die Stimme von Harris bezeichnet sich selbst als "Marionette des Deep State". Am Ende fragt sie die Zuschauer: "Sie glauben, das Land ist den Bach runtergegangen in den vergangenen vier Jahren? Sie haben keine Ahnung, was noch kommt" - um danach in schallendes Gelächter auszubrechen.
Musks Posting bei X
Ein Klick für den Datenschutz
Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von X nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von X übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von X informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.
Es ist natürlich kein echter Werbeclip der Demokraten - sondern eine manipulierte Version. Die Bilder stammen aus einem Original-Wahlkampfvideo der Kampagne von Kamala Harris. Die Stimme der Vizepräsidentin im Deepfake wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.
Tech-Milliardär Elon Musk postete das Fake-Video auf seiner Plattform X, zusammen mit den Worten "Das ist großartig" und einem lachenden Emoji - und verschaffte ihm dadurch eine enorme Reichweite: Rund 130 Millionen mal wurde der Clip allein durch Musk bisher angezeigt. Einen Hinweis darauf, dass es sich um Satire handelt, postete Musk nicht. Und das, obwohl der eigentliche Urheber des Videos, ein Youtube-Account, der sich "Mr. Reagan" nennt, das Wort "Parody" sogar in Großbuchstaben zu seinem Clip dazuschrieb.
Sie sind täuschend echt und hoch manipulativ: Deepfakes. Dank künstlicher Intelligenz und digitaler Bilder lassen sich Fälschungen auf höchsten Niveau erschaffen. 14.06.2022 | 2:21 min
Unklar, ob alle Nutzer die Parodie verstehen
Inzwischen äußerte sich auch die Kampagne von Kamala Harris. In einer Stellungnahme hieß es: "Das amerikanische Volk will die echte Freiheit, Chancen und Sicherheit, die Vizepräsidentin Harris bietet - nicht die gefälschten, manipulierten Lügen von Elon Musk und Donald Trump."
Auch, wenn Musks Hinweis auf Satire fehlte: Die meisten Menschen würden kaum glauben, dass da tatsächlich die Stimme von Kamala Harris zu hören ist, zitiert die Nachrichtenagentur AP den Digitalforensik-Experten Hany Farid von der University of California in Berkeley. Unternehmen, die solche Stimmen-Klon-Tools anbieten, müssten jedoch besser darauf achten, dass ihre Dienste nicht missbraucht werden, um der Demokratie zu schaden.
KI kann Betrügern helfen, Schockanrufe noch realistischer umzusetzen. Mit Audio-Deepfakes werden Stimmen von Familie und Freunden imitiert.25.01.2024 | 6:34 min
Deepfake-Stimmen in Sekunden erstellt
Rob Weissman, Präsident der US-Verbraucherschutzvereinigung Public Citizen, sieht das etwas anders: Das Video sei nicht offensichtlich ein Witz, weil es auf bestehende Themen um Kamala Harris anspiele. So könnten Menschen glauben, dass es echt sei. Weissmans Organisation setzt sich dafür ein, dass der Gesetzgeber in den USA generative KI stärker reguliert. Das Video sei "die Art von Dingen, vor denen wir gewarnt haben", sagt Weissman der AP.
So wirft der Fall erneut ein Schlaglicht auf Risiken, die Deepfakes gerade in Wahlkampfzeiten mit sich bringen - und wie einfach es ist, solche Fälschungen zu erstellen. Anbieter wie das US-Softwareunternehmen Elevenlabs machen das Klonen von Stimmen sehr einfach möglich: Mit einer Stimmprobe von wenigen Minuten und ein paar Dollar kann jeder in Sekunden online Stimmen fälschen.
Deepfakes bedrohen Demokratie
Immer wieder gab es zuletzt Fälle, in denen mit KI-Deepfakes versucht wurde, die politische Stimmung zu beeinflussen:
Bei der Vorwahl der Demokraten in New Hampshire im Januar haben tausende Wähler der Demokraten Anrufe erhalten, in denen die gefälschte Stimme von Präsident Biden sie auffordert, nicht zur Wahl zu gehen. Dahinter stand Steve Kramer, ein politischer Berater, der deshalb zu einer Geldstrafe von sechs Millionen Dollar verurteilt wurde.
Während der republikanischen Vorwahl kursierten Deepfake-Videos, die die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton zeigten, wie sie Gouverneur Ron DeSantis unterstützte oder seinen vorzeitigen Rückzug aus dem Rennen ankündigte.
2023 tauchte auch in der Slowakei vor der Parlamentswahl eine gefälschte Sprachaufnahme auf, in der der prowestliche Kandidat Simecka über den angeblichen Kauf von Stimmen sprach. Seine in Umfragen führende Partei landete am Wahltag nur auf Platz zwei.
Auch mit deutschen Politikern wurden bereits Deepfakes produziert. Der prominenteste Fall: Ein von linken Aktivisten erstelltes Fake-Video, in dem Bundeskanzler Scholz ein AfD-Verbot fordert.
Im Superwahljahr 2024 steigt die Sorge vor KI-generierten Falschnachrichten. Die Präsidentschaftswahl in der Slowakei zeigt, wie groß der Einfluss sein kann. 25.05.2024 | 1:29 min
Der Experte für KI und Desinformation Evan Harris von der Berkeley University nennt diese Entwicklung im ZDF "gefährlich für die Demokratie":
Demokratie kann nicht funktionieren ohne eine grundlegende Idee von Wahrheit und Fakten.
„
Evan Harris, Experte für Responsible Artificial Intelligence, Berkeley University
Wie man Deepfake-Videos erkennt.22.09.2023 | 1:30 min
Noch tut sich die Politik mit der Regulierung von Deepfakes und KI-Wahlkampfwerbung jedoch schwer. In den USA sind entsprechende Gesetzesvorhaben bisher gescheitert. Stattdessen gehen die Social-Media-Plattformen voran:
Meta verlangt für Facebook und Instagram, dass manipulierte Medien als solche gekennzeichnet und kontextualisiert werden, Youtube verlangt von seinen Nutzern, anzugeben, wenn Inhalte mit KI erstellt wurden. Auch X, das frühere Twitter, hat entsprechende Richtlinien: Diese verbieten das "Teilen von künstlich hergestellten, manipulierten oder aus dem Zusammenhang gerissenen Medieninhalten, die Menschen täuschen oder verwirren und zu Schaden führen können". Solche Inhalte müssten demnach entweder gekennzeichnet oder entfernt werden.
Etliche Nutzer warfen Elon Musk deshalb auch vor, dass er mit dem Posten des Harris-Clips - ohne jede Kennzeichnung - gegen seine eigenen Richtlinien verstoßen habe. Musk kümmert das offenbar nicht. Er konterte am Montagmorgen: Satire sei in den USA legal.
Um dir eine optimale Website der ZDFmediathek, ZDFheute und ZDFtivi präsentieren zu können, setzen wir Cookies und vergleichbare Techniken ein. Einige der eingesetzten Techniken sind unbedingt erforderlich für unser Angebot. Mit deiner Zustimmung dürfen wir und unsere Dienstleister darüber hinaus Informationen auf deinem Gerät speichern und/oder abrufen. Dabei geben wir deine Daten ohne deine Einwilligung nicht an Dritte weiter, die nicht unsere direkten Dienstleister sind. Wir verwenden deine Daten auch nicht zu kommerziellen Zwecken.
Zustimmungspflichtige Datenverarbeitung • Personalisierung: Die Speicherung von bestimmten Interaktionen ermöglicht uns, dein Erlebnis im Angebot des ZDF an dich anzupassen und Personalisierungsfunktionen anzubieten. Dabei personalisieren wir ausschließlich auf Basis deiner Nutzung der ZDFmediathek, der ZDFheute und ZDFtivi. Daten von Dritten werden von uns nicht verwendet. • Social Media und externe Drittsysteme: Wir nutzen Social-Media-Tools und Dienste von anderen Anbietern. Unter anderem um das Teilen von Inhalten zu ermöglichen.
Du kannst entscheiden, für welche Zwecke wir deine Daten speichern und verarbeiten dürfen. Dies betrifft nur dein aktuell genutztes Gerät. Mit "Zustimmen" erklärst du deine Zustimmung zu unserer Datenverarbeitung, für die wir deine Einwilligung benötigen. Oder du legst unter "Einstellungen/Ablehnen" fest, welchen Zwecken du deine Zustimmung gibst und welchen nicht. Deine Datenschutzeinstellungen kannst du jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in deinen Einstellungen widerrufen oder ändern.