Gaza-Abkommen: Israels Entscheidung verzögert sich

    Verhandlungen mit der Hamas:Gaza-Deal: Israels Entscheidung verzögert sich

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    Israels Kabinett wollte am Vormittag über das Gaza-Abkommen beraten - doch nun soll die Sitzung auf Freitag verschoben werden. Ein Grund: Die Rebellion der rechtsextremen Minister.

    Bilder von israelischen Geiseln, die von der Hamas gefangen genommen wurden, hängen am Zaun der Neuen Synagoge in Berlin.
    Ab Sonntag soll im Gazastreifen eine Waffenruhe gelten. Dann sollen auch israelische Geiseln freikommen. Doch noch immer wird über das Abkommen gerungen.16.01.2025 | 1:29 min
    Israels Entscheidung über das Waffenruhe-Abkommen für den Gazastreifen verzögert sich. Laut israelischen Medienberichten wird das israelische Kabinett am Freitag zusammentreten, um dem Gaza-Abkommen zuzustimmen. Eine offizielle Bestätigung liegt bislang nicht vor. Auch ein israelischer Regierungsvertreter bestätigt der Nachrichtenagentur AFP, dass die Entscheidung für ein Abkommen am Freitag erwartet wird.
    Das Votum des Sicherheitskabinetts war zunächst für Donnerstag geplant gewesen. Israel warf der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas jedoch vor, sich von Teilen der Vereinbarung zurückzuziehen, um "Zugeständnisse in letzter Minute zu erpressen". Die Zusammenkunft wurde dann verschoben. Das Büro von Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, es werde keine Abstimmung geben, bevor die Vermittlerländer - Ägypten, die USA und Katar - nicht bestätigt hätten, dass die Hamas sich an alle vereinbarten Punkte halten würde.
    SGS reichart
    Eine Einigung für eine 6-wöchige Waffenruhe im Gazastreifen steht kurz bevor – doch es wird weiter um Details gestritten. Thomas Reichart berichtet aus Tel Aviv.16.01.2025 | 1:15 min

    Rechtsextreme Minister rebellieren

    Die islamistische Terrororganisation Hamas widersprach den Vorwürfen der israelischen Regierung. Sie stehe zur von den Vermittlern angekündigten Waffenruhevereinbarung, erklärte Issat al-Rischk, Mitglied des Hamas-Politbüros. Die Anschuldigungen von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu entbehrten "jeder Grundlage", sagte ein Hamas-Vertreter an diesem Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Die Hamas fordere die scheidende sowie die künftige US-Regierung dazu auf, Israel "zu zwingen, das Abkommen umzusetzen".
    Laut einem israelischen Radiosender sind die Verzögerungen auch auf innenpolitische Unstimmigkeiten zurückzuführen: Unter anderem der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich stellt sich gegen das Abkommen mit der Hamas. Der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir nannte es "desaströs".

    Israel setzt Angriffe fort

    Die israelische Armee setzte unterdessen ihre Angriffe auf Ziele in dem Palästinensergebiet fort. In den vergangenen 24 Stunden habe die Luftwaffe "etwa 50 terroristische Ziele im gesamten Gazastreifen", darunter Hamas-Kämpfer und militärische Infrastruktur, angegriffen, hieß es in einer Erklärung der Armee.
    Auch von palästinensischer Seite wurden israelische Angriffe im Gazastreifen gemeldet. Laut der örtlichen Zivilschutzbehörde wurden seit Mittwochabend mindestens 73 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt.
    SGS Bates
    Die Waffenstillstands- und Geisel-Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas ist auch das Ergebnis der Zusammenarbeit von Bidens und Trumps Team. Claudia Bates aus Washington.16.01.2025 | 1:14 min

    Israels Staatspräsident Herzog: Deal notwendig

    Trotz des Streits über Details einer Waffenruhevereinbarung geht Israels Staatspräsident Izchak Herzog von einem schnellen Abschluss der Gespräche in Katar aus. Nach Angaben seines Büros bei einem Treffen mit Geiselangehörigen sagte er:

    Es gibt harte Verhandlungen über ein sehr wichtiges Detail, und ich hoffe und erwarte, dass sie so schnell wie möglich abgeschlossen werden.

    Izchak Herzog, Israels Staatspräsident

    Er unterstütze den Deal, betonte Präsident Herzog. Er sei richtig, gerecht und notwendig, ihn umzusetzen. "Es handelt sich um eine Vereinbarung, die alle Geiseln einschließt und in jeder Phase umgesetzt werden muss."
    Auch US-Außenminister Antony Blinken zeigt sich trotz eines noch offenen Punktes zuversichtlich, dass die Feuerpause wie geplant am Sonntag in Kraft treten kann. Er habe am Morgen mit dem US-Unterhändler Brett McGurk und Vertretern des Vermittlers Katars gesprochen, um die Angelegenheit zu klären, sagt Blinken bei seiner letzten Pressekonferenz im Amt.

    Im Morgengrauen des 7. Oktober dringen hunderte Kämpfer der islamistischen Terrororganisation Hamas und verbündeter islamistischer Gruppen vom Gazastreifen aus in den Süden Israels ein und verüben Gräueltaten überwiegend an Zivilisten, darunter an vielen Frauen und Kindern. Nach israelischen Angaben werden 1.210 Menschen getötet. 251 Menschen werden als Geiseln genommen. Wieviele von ihnen noch leben, ist unklar.

    Dies war der Auslöser für den Gaza-Krieg, in dem nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bisher rund 42.000 Palästinenser getötet wurden, etwa ein Drittel davon Kinder und Jugendliche.

    Die Angaben zu Toten und Verletzten beider Seiten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

    (Quelle: dpa/Stand: 16. Januar 2025)

    Monatelange Bemühungen um Abkommen

    In den vergangenen Monaten war Netanjahu während der indirekten Verhandlungen vorgeworfen worden, er habe immer wieder Chancen für ein Abkommen über eine Waffenruhe in letzter Minute platzen lassen. Zwei seiner Kabinettsmitglieder - Smotrich und der ebenfalls rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir sprachen sich gegen die Annahme aus.
    Nahostkonflikt - Gaza
    Eine sechswöchige Waffenruhe und die Freilassung von ersten israelische Geiseln - darum geht es im Abkommen zwischen Israel und der Hamas. Doch es bleibt kompliziert.16.01.2025 | 1:45 min
    Seit mehr als einem Jahr dauert der Krieg im Gazastreifen an, Zehntausende Menschen wurden getötet, das Küstengebiet liegt weitgehend in Trümmern. Nun gibt es nach monatelangen Bemühungen der USA, Ägyptens und Katars um eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas den lange erhofften Durchbruch.
    Das ist im Abkommen zwischen Israel und der Hamas vorgesehen:




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    :Aktuelle Nachrichten zur Eskalation in Nahost

    Mit dem Hamas-Angriff auf Israel eskalierte der Nahost-Konflikt. Anfang des Jahres konnte eine Waffenruhe vereinbart werden. Nun fliegt Israel wieder Angriffe in Gaza.
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    Quelle: AP, dpa, Reuters, KNA

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