Röttgen nach G7: Deutschland muss Führungsrolle annehmen

    Interview

    Neue Position Deutschlands:Röttgen: Müssen Führungsrolle annehmen

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    Nach dem G7-Gipfel sieht CDU-Außenpolitiker Röttgen im ZDF-Interview große Aufgaben auf Deutschland zukommen. Doch der Kanzler nehme die Herausforderung nicht an, kritisiert er.

    Russland, USA, China, Brasilien, Indien, Indonesien, G7 - die Welt ist komplizierter und gefährlicher geworden, die Interessen könnten nicht weiter auseinander liegen. Im ZDFheute journal rät der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, sich auf ungünstige Szenarien vorzubereiten und nicht nachzulassen, die Welt zu überzeugen von den westlichen Werten der Freiheit und Demokratie.
    Die Haltung von Kanzler Olaf Scholz, den Staaten des globalen Südens auf Augenhöhe zu begegnen, lobte Röttgen. Jedoch forderte er von Deutschland in Europa mehr Führung und kritisierte in diesem Zusammenhang den Kanzler scharf.
    Sehen Sie das ganze Interview oben im Video oder lesen Sie hier Auszüge:
    Das sagt Norbert Röttgen ...

    ... zu den Reise-Aktivitäten des ukrainischen Präsidenten Selenskyj

    "Also das letzte Mal hat es das gegeben als Winston Churchill durch die Welt gereist ist, vor allen Dingen auch nach Amerika, um den Beitritt zu erbitten. Und er ist dann spät gekommen. Es zeigt, wir sind in einer historischen Zäsur und wir haben den Krieg zurück in Europa und das oberste Ziel ist, den Krieg wieder zu verbannen aus Europa. Und insofern war das ein Gipfel der Geschlossenheit und der Einheit und von daher wirkungsvoll."

    ... zum G7-Gipfel in Hiroshima:

    "Es war klug, andere Länder und deren Präsidenten einzuladen, also aus Indien, Brasilien, Indonesien, fast 300 Millionen Einwohner und andere, Vietnam - andere sind gekommen und das war sehr gut und auch ein Lernfortschritt, dass die G7, also die großen westlichen Demokratien - westlich im Sinne der Normen, also Japan gehört ja auch dazu - ausgreifen und sagen, wir sind uns nicht genug alleine, wir müssen die Welt überzeugen von den Prinzipien, die wir einklagen und einfordern, nämlich die Prinzipien der UN-Charta."
    Scholz habe diese Ausweitung mit initiiert. "Das begrüße ich sehr", so Röttgen. "Und das war ein erster Erfolg. Modi hat gesprochen und hat sich dem nicht entzogen."

    Wir haben mehr zu bieten als China.

    Norbert Röttgen, CDU-Außenpolitiker

    ... zur Rolle von Olaf Scholz in Europa

    "Die Amerikaner sind die europäische Sicherheitsmacht. Das muss (aber) unser Selbstverständnis werden. Dazu braucht es politische Führung in Europa. Die Uhr tickt. (...) Deutschland ist dabei unverzichtbar."

    Deutschland allein wird gar nichts machen können, aber ohne Deutschland wird kein einziges Problem gelöst.

    Norbert Röttgen, CDU-Außenpolitiker

    "Deutschland als die größte Volkswirtschaft, mit dem größten Kapital, als das Land, das Ost und West überbrücken kann, muss diese Führungsrolle annehmen, wie es alle von Deutschland erwarten. Aber Deutschland und der Bundeskanzler ist dazu exakt nicht bereit, sondern zögernd und eine Führungsrolle nicht annehmend. Noch nicht einmal kommunikativ, geschweige denn operativ."
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    Quelle: ZDF
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