Ausdauertraining: Joggen mit Künstlicher Intelligenz

    Personalisiertes Lauftraining:Joggen mit Künstlicher Intelligenz

    von Corinna Klee
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    Der Frühling ist da. Für viele heißt das, raus ins Freie und wieder joggen. Doch leichter gesagt als getan. Wie KI das Lauftraining unterstützen kann.

    KI beim Lauftraining
    Reporterin Corinna Klee trainiert vier Wochen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz. Ihr Ziel: Zehn Kilometer in einer Stunde. Das Ergebnis hat sie überrascht.25.03.2024 | 5:16 min
    Im Spitzensport wird Künstliche Intelligenz, kurz KI, längst für Trainingspläne und Trainingssteuerung genutzt. Vor allem ein Training im Hochleistungsbereich und die Erholungspausen können so besser erstellt, ein Übertraining vermieden werden.
    "Beim Thema KI geht es aber auch darum, Leistungen zu prognostizieren", sagt Sebastian Fischer vom Institut für Sport und Sportwissenschaft an der Universität Kassel. Dabei ginge es um die Frage, mit welchem Trainingsumfang man in den gewünschten Zielbereich komme, so der Trainingswissenschaftler.

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    KI-basiertes Training im Breitensport

    Es gibt entsprechende Apps, die mit KI oder einem virtuellen Coach arbeiten, etwa Twaiv, 2Peak oder Enduco. Die drei Apps sind in der Basisversion kostenlos. Für mehr Features können Nutzer jeweils die kostenpflichtige Proversion nutzen.
    Die Apps erheben Daten des Nutzers wie Geschlecht, Gewicht, Größe und Alter. Sie lassen sich zudem mit der Sportuhr koppeln. Auch die Datenübertragung via Pulsgurt und für eine Tracking-App ist möglich. So erhalten die Apps weitere Trainingsinformationen wie Herzfrequenz, Laufdauer und Streckenverlauf mit Höhenmetern.

    Die KI lebt immer von Informationen. Und je mehr ich der KI zur Verfügung stelle, umso besser kann sie das Training vorbereiten.

    Dr. Sebastian Fischer, Institut für Sport und Sportwissenschaft, Universität Kassel

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    Fitness-Apps für Ausdauersportarten

    2Peak und Enduco sind Trainings-Apps für Läufer, Radfahrer und Triathleten. Sie bieten personalisierte Trainingspläne basierend auf den individuellen Zielen, dem Fitnesslevel und dem Zeitplan des Sportlers. Die Pläne können für verschiedene Distanzen und Wettkämpfe wie Marathon, Halbmarathon, Radrennen und Triathlon angepasst werden.
    Mit den Apps wird die Trainingsleistung gemessen und analysiert. Die Trainingspläne passen sich automatisch an die Fortschritte und Bedürfnisse an. Sie berücksichtigen Faktoren wie aktuelle Fitness, Erholungszeit und bevorstehende Wettkämpfe. Enduco plant das Training wöchentlich, 2Peak nach jeder Trainingseinheit neu.
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    Twaiv als reine Lauf-App

    Twaiv ist eine reine Lauf-App, die von Menschen erstellte Trainingspläne mit KI verbindet. Die Trainingspläne sind von Coaches nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut. Sie werden im digitalen Umfeld der App individuell zusammengestellt und angepasst. Der Sportler kann zusätzlich einen virtuellen Coach nutzen, der das Training nach Bedarf weiter optimiert. Die App bietet Trainingspläne für Einsteiger und Fortgeschrittene und unterstützt bei Wettkämpfen wie Marathon- oder Halbmarathonläufen.

    Apps wie Enduco werben damit, KI zu nutzen. Bei vielen anderen Lauf-Apps sind klassische Trainingspläne hinterlegt. Hier finden aber keine Trainingsanpassung und Steuerung statt. Das bedeutet: Man hat zwar Informationen, die in der App gespeichert werden wie Streckenlänge und durchschnittliche Herzfrequenz, diese Informationen verändern aber nicht die Trainingsinhalte für die nächste Woche. Bei KI-basiertem Lauftraining werden diese je nach Trainingsinhalten und Umfang automatisch angepasst.

    Welche Nachteile haben die Lauf-Apps?

    Tatsächlich fehlt bei Lauf-Apps generell eine Anamnese. Der Sportwissenschaftler rät Anfängern, Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen Erkrankungen, nicht ohne ärztlichen Rat einfach ins Training einzusteigen.
    Dass sich die Apps nur auf Kernsportarten wie Radfahren, Laufen oder Triathlon fokussieren, ist für Fischer eine weitere Schwäche.

    Ausgleichstraining ist kaum vorhanden, zum Beispiel Aufwärmen vor dem Lauf. Dehnen im Anschluss wird zwar manchmal vorgeschlagen, aber inhaltlich nicht mitgeplant.

    Dr. Sebastian Fischer, Trainingswissenschaftler, Universität Kassel

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    Auch funktionelles Krafttraining wird nicht immer eingeplant. Dabei sei das wichtig, um beispielsweise Rückenschmerzen nach langen Dauerläufen vorzubeugen, so Fischer.
    Ein anderer Nachteil: Die Apps können überschätzte Trainingsziele nicht direkt ausmachen. Wer angibt, einen Marathon in zwei Stunden laufen zu wollen, wird das wohl nicht schaffen. Die KI versucht aber trotzdem, darauf hinzuplanen.

    Tatsächlich hat ChatGPT in einem Versuch einen realistischen und gut umsetzbaren Trainingsplan geschrieben, der die Trainingsumfänge (Dauer, Streckenlänge) systematisch steigert. Auch Intervallläufe waren dabei. Sie sind ein wichtiges Kriterium, um Leistung zu entwickeln.

    Was ChatGPT offenbar nicht leisten kann, ist eine Trainingssteuerung. Denn: Trainingsinformationen können nicht zurückgemeldet werden. Dadurch fehlen wichtige Informationen für die individuelle Trainingsplanung, zum Beispiel wie viel man wirklich gelaufen ist, welche Intensität stattgefunden hat sowie weitere Informationen etwa über Strecken und Pulsfrequenz.

    Training mit KI hat Vorteile. Man erhält einen individuellen Trainingsplan, der das Training immer wieder an die eigene Leistung anpasst und optimiert. Das erhöht auch die Motivation und man setzt sich konkrete oder neue Ziele.

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