Angelina Köhler vor Olympia: "Das ist mein Lebenstraum"

    Nach WM-Sieg nun Olympia:Köhler will sich Lebenstraum erfüllen

    von Andreas Morbach
    |

    Der Sieg von Angelina Köhler über 100 Meter Schmetterling vor knapp drei Wochen war das erste WM-Gold für eine deutsche Becken-Schwimmerin seit 15 Jahren. Nun lockt Olympia.

    Schwimmerin Angelina Köhler im Interview beim aktuellen Sportstudio am 02.03.2024.
    Angelina Köhler hat bei der Schwimm-WM Gold über 100 Meter Schmetterling geholt. Im Interview spricht sie über den WM-Titel, die Olympia-Vorbereitungen und Mobbing in der Kindheit.02.03.2024 | 21:24 min
    Über den überschaubaren Komfort im Olympischen Dorf in Paris ist Angelina Köhler mittlerweile im Bilde. Am vergangenen Donnerstag hat Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron die Herberge für die Athletinnen und Athleten während der Sommerspiele eingeweiht. Und klar ist seitdem unter anderem: Genächtigt wird in Betten aus recyceltem Pappkarton.

    Güte des Schlafplatzes nur eine Marginalie

    "Mir war schon bewusst, dass das Olympische Dorf immer sehr sporadisch eingerichtet ist. Aber das ist halt so", machte Köhler bei ihrem Besuch im "aktuellen sportstudio" deutlich, dass sie die Güte ihres Schlafplatzes als Marginalie betrachtet. Entscheidend für sie ist vielmehr, was am Abend des 28. Juli um Viertel vor neun passiert.
    In der Paris La Défense Arena springen dann die acht Finalistinnen über 100 Meter Schmetterling ins Wasser. Und der Plan für diesen Sonntag in der französischen Metropole hat mit Köhlers WM-Sieg vor knapp drei Wochen in Doha eine spürbare Korrektur erfahren.

    Olympia ein besonderes Pflaster

    Gemeinsam mit ihrem Trainer Lasse Frank peilte sie vor den Titelkämpfen in Katar noch die Teilnahme an einem olympischen Finale als großes Ziel an.

    Das ist mein Lebenstraum.

    Angelina Köhler

    Die 23-Jährige erwähnt mit Blick auf ihren Triumph in Doha aber auch: "Klar liebäugelt man jetzt mit einer Medaille."
    Andererseits ermahnt sich Köhler zu Realitätssinn, betont, Olympia sei noch mal ein ganz anderes Pflaster, wo die mentale Verfassung eine besonders große Rolle spiele. Ganz abgesehen davon: "Ich kann einen Tag vor dem Finale umknicken, dann wars das mit Olympischen Spielen", gibt sie zu bedenken. Und fügt lachend hinzu: "Bei mir weiß man nie."

    Ankämpfen gegen den Spott

    Gerade seit ihrem WM-Sieg berichtet die gebürtige Westerwälderin immer mal gerne davon, etwas tollpatschig und chaotisch zu sein. Weil sie so groß und dünn war, so lange Arme und etwas größere Zähne hatte, zudem eine Brille trug, sei sie als Teenager von den älteren Jungs verspottet worden.

    Es gab viele Leute, die nicht an mich geglaubt, mich immer ausgelacht haben, als ich sagte, ich will Olympiasiegerin oder Weltmeisterin werden.

    Angelina Köhler

    Sie erklärt: "Es wurde mir nie einfach gemacht im Leben. Ich musste sehr oft kämpfen - und sehr oft einstehen für das, was ich möchte."

    Verpasste Tokio-Spiele als Weg zur Selbstfindung

    Aus Dernbach im Westerwald ging sie mit zwölf nach Hannover ans Sportinternat. Olympia in Tokio verpasste sie wegen einer Coronainfektion. Der schlimmste Moment ihrer Karriere, ein riesengroßer Tiefpunkt sei das gewesen, sagt Köhler, betont aber auch: "Im Nachhinein bin ich super dankbar. In dieser Zeit habe ich mich so ein bisschen selber gefunden und geguckt, wer ist eigentlich die Angie ohne Schwimmen."
    In dieser Phase reifte auch der Entschluss, von Hannover nach Berlin zur SG Neukölln zu wechseln. Dort trainiert sie unter anderem mit Ole Braunschweig, ihrem besten Kumpel. Die beiden treffen sich auch außerhalb des Pools, kochen oder shoppen zusammen. Und mit Ramon Klenz liefert sie sich im Training immer besonders gerne Sprint-Battles.

    Trainer über Köhler: Genau der richtige Typ für Spitzensport

    "In diesem Team kann ich endlich der Mensch sein, der ich bin", betont Köhler. In der Weltklassezeit von 56,11 Sekunden knackte sie in Doha im Halbfinale den deutschen Rekord über 100 Meter Schmetterling. Ihr Sieg im Finale war dann der erste WM-Titel für eine deutsche Beckenschwimmerin seit 15 Jahren.
    Es war der Triumph einer einst Gehänselten, über die ihr Trainer Lasse Frank heute sagt: "Sie ist ein bisschen flippig, ein bisschen außergewöhnlich. Aber genau das sind die Typen, die wir im Spitzensport brauchen. Die ihren Weg gehen - und nicht den, der irgendwie vorgegeben wird."

    Mehr zum Thema Olympia