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Ist das ZDF "Staatsfernsehen"?

Nein - das ZDF ist kein „Staatsfernsehen“, sondern öffentlich-rechtliches Fernsehen. Der Unterschied? „Staatsfernsehen“ wird vom Staat (der Regierung und/oder dem Parlament) kontrolliert. Öffentlich-rechtliches Fernsehen wird dagegen von der Gesellschaft kontrolliert, nämlich von gesellschaftlich relevanten Gruppen. Im ZDF-Fernsehrat vertreten diese die Interessen der Allgemeinheit gegenüber dem ZDF. Ein weiterer Unterschied ist die Finanzierung: Beim „Staatsfernsehen“ bestimmt der Staat, wieviel Geld ein Sender bekommen soll. Der Finanzbedarf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird dagegen von einer unabhängigen Expertenkommission KEF überprüft. Die Finanzierung eines öffentlich-rechtlichen Senders erfolgt auch nicht über staatliche Gelder, also Steuern, sondern über eine Haushaltsabgabe. Dadurch soll eine möglichst große Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender vom Staat ermöglicht werden.

Haben Politiker Einfluss auf das ZDF?

Das Grundrecht der Rundfunkfreiheit (Art.5 1 S. 2 GG) verlangt nach der Rechtsprechung des BVerfG für die institutionelle Ausgestaltung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eine Ausrichtung am Grundsatz der Vielfaltssicherung und eine konsequente Begrenzung des Anteils staatlicher und staatsnaher Mitglieder in den Aufsichtsratsgremien. Damit sind staatliche und staatsnahe Gremienmitglieder wie beispielsweise Politiker nicht ausgeschlossen, sie dürfen aber keinen bestimmenden Einfluss haben. Im ZDF-Fernsehrat sind neben Vertretern aus Arbeitgeber-, Arbeitnehmer-, Umwelt- und Wirtschaftsverbänden, Kirchen und Vertretern der Zivilgesellschaft etwa aus Wissenschaft, Kultur und Verbraucherschutz auch Politiker vertreten. Sie wirken dort als Repräsentanten von Bundesländern und des Bundes mit. Da staatliche oder staatsnahe Mitglieder keinen bestimmenden Einfluss haben dürfen, ist der Anteil vom Gesetzgeber auf ein Drittel beschränkt worden. Dass in den Kontrollorganen des ZDF auch Politiker vertreten sind, ist durchaus sachgerecht. Denn: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss im Gegensatz zum privaten Rundfunk demokratisch legitimiert und kontrolliert werden. Die Zusammensetzung für Kollegialorgane muss darauf ausgerichtet sein, möglichst vielfältige Perspektiven und Erfahrungshorizonte aus allen Bereichen des Gremienwesens zu erfassen. Dazu gehören auch Politiker.

Konkret: Welchen Einfluss hat der Fernsehrat auf das Programm des ZDF?

Der Fernsehrat hat keinen unmittelbaren Einfluss auf das Programm. Weder bestimmt er, welche Sendungen gesendet werden, noch wirkt er an Beiträgen in irgendeiner Form mit. Er hat allenfalls mittelbaren Einfluss auf das Programm, da er für die Wahl des Intendanten zuständig ist, der wiederum den Chefredakteur und den Programmdirektor im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat ernennt. Zudem muss der Fernsehrat den vom Verwaltungsrat beschlossenen Haushaltsplan genehmigen. Der Fernsehrat hat die Aufgabe, für die Sendungen des ZDF Richtlinien aufzustellen und die Einhaltung dieser Richtlinien sowie des ZDF-Staatsvertrages zu überwachen. Der Fernsehrat übt auch dabei keinen unmittelbaren Einfluss auf das Programm aus. Konkret: Ihm wird keine Sendung und kein Beitrag vorab zur Kontrolle vorgelegt. Der Fernsehrat prüft das Programm vielmehr im Nachhinein, wenn Beschwerden z.B. von Bürgern oder Verbänden erhoben werden. Denn jedermann hat das Recht, sich mit Beschwerden an den Fernsehrat zu wenden. Wenn der Fernsehrat nach rechtlicher Prüfung einen Verstoß gegen Programmgrundsätze feststellt, kann er eine Rüge aussprechen und auch beschließen, dass die Rüge im ZDF-Programm veröffentlicht werden muss.

Redaktionelle Entscheidungsprozesse

Bekommen Autoren Vorgaben, wie berichtet werden soll?

Im ZDF wird täglich in vielen Sitzungen über die eigene Berichterstattung diskutiert. Diese Debatten können auch zu bestimmten Verabredungen über die Art und Weise der Berichterstattung führen. Zum Beispiel, ob man das Foto des Piloten zeigt, der ein Germanwings-Flugzeug 2015 bewusst zum Absturz gebracht hat Diese Verabredungen können durchaus als Vorgaben an die Autoren bezeichnet werden, allerdings nicht im Sinne einer Parteilichkeit für oder gegen eine Sache, sondern im Sinne der Sicherstellung der Anwendung professioneller journalistischer Prinzipien. Diese Verabredungen werden immer wieder neu diskutiert, insbesondere wenn es neue Erkenntnisse oder Entwicklungen gibt.

Wenn ein Autor einen Nachrichtenbeitrag fertiggestellt hat, wird der Beitrag in aller Regel vom Schlussredakteur der Sendung abgenommen. Ausnahmen sind Beiträge, die aufgrund aktueller Entwicklungen unter besonderem Zeitdruck erstellt wurden. Der Schlussredakteur überprüft den Beitrag insbesondere auf Verständlichkeit, inhaltliche Korrektheit, Ausgewogenheit und sprachliche Genauigkeit. Sofern ein Verbesserungsbedarf besteht, klären Schlussredakteur und Autor Änderungen im Einvernehmen ab.

Wie kommt ein bestimmtes Thema in eine ZDF-Sendung?

Die Journalisten in den In- und Auslandsstudios sowie den Fachredaktionen des ZDF beobachten die politische und gesellschaftliche Entwicklung und sammeln wichtige Themen. Anhand dieser Themen bieten sie dann den Senderedaktionen des ZDF, wie z.B. dem „morgenmagazin“ oder der „drehscheibe“, Beitragsthemen an. In den Senderedaktionen gibt es die sogenannten Planer. Diese Planer prüfen, welche Beitragsvorschläge für ihre Sendungen relevant sind und bestellen dann Beiträge bei den Studios oder Fachredaktionen. Die Planer der verschiedenen Redaktionen suchen aber auch eigenständig nach Themen, deren Aufarbeitung für die Zuschauer von Interesse ist. Sie beauftragen daraufhin nach Rücksprache mit der Redaktionsleitung ZDF-Journalisten in Studios, Fachredaktionen oder aus ihrer eigenen Redaktion, Beiträge zu diesen Themen anzufertigen.

Nach welchen Kriterien werden die Themen für eine ZDF-Sendung ausgewählt und wer bestimmt die Reihenfolge der Berichte?

Die ZDF-Redaktionen müssen aus der Flut der täglichen Ereignisse eine Auswahl treffen. Das entscheidende Kriterium für die Frage, über welche Themen in welcher Reihenfolge berichtet wird, ist dabei das Interesse der Zuschauer. Natürlich gibt es aber nicht „den Zuschauer“, sondern lauter Individuen mit zum Teil ganz unterschiedlichen Interessen. Das ZDF muss sich daher daran orientieren, welche Inhalte die Zuschauer regelmäßig als interessant einstufen. Erfahrungswerte und Studien zeigen, dass Zuschauer sich vor allem für solche Themen interessieren, die für große Gruppen der Bevölkerung gewichtige Folgen haben, Neuigkeitswert besitzen, ihre Lebenswelt betreffen und ihre politische Wahlentscheidungen beeinflussen können; außerdem für Themen, die wegen besonderer Dramatik, Kuriosität oder wissenschaftlicher Erkenntnis aus der Flut der täglichen Ereignisse herausragen. Für viele Zuschauer ist es auch wichtig, über unterschiedliche Bereiche der Gesellschaft, wie Politik, Sport und Kultur, informiert zu werden. Wegen der begrenzten Sendezeit und dem Wunsch vieler Zuschauer nach abwechslungsreichen Themen kann nicht über jedes gesellschaftlich relevante Ereignis eines Tages berichtet werden. Über welche Themen in der Sendung in welcher Reihenfolge und Ausführlichkeit berichtet wird, wird innerhalb der Redaktion diskutiert. Im Zweifel entscheidet die sogenannte Schlussredaktion oder die Redaktionsleitung.

Wie wird im ZDF Ausgewogenheit der Berichterstattung sichergestellt?

Ausgewogenheit wird in erster Linie durch das professionelle Bewusstsein der Mitarbeiter sichergestellt, dass diese zum Kern journalistischer Arbeit im ZDF gehört. Zudem ist es Aufgabe der Schlussredakteure bei der Abnahme der Beiträge auf die Einhaltung dieses Prinzips zu achten. Ausgewogenheit bedeutet unter anderem in der Berichterstattung unterschiedliche Sichtweisen zu einem Thema aufscheinen zu lassen oder bei Interviews die politischen Gesprächspartner mit in der Gesellschaft vertretenen Gegenpositionen zu konfrontieren. Auch aufgrund der zeitlichen Begrenztheit der Sendungsformate ist eine Ausgewogenheit aber nicht immer innerhalb einer einzigen Sendung zu erreichen. So kann eine ausgewogene Darstellung auch tagesübergreifend oder auch sendungsübergreifend gewährleistet werden, also im Verlauf mehrerer Tage oder Sendungen.

Wie wird die ZDF-Berichterstattung intern diskutiert?

Bereits in der Planungsphase wird innerhalb der Redaktionen darüber diskutiert, welche Themen und Beiträge in die Sendung genommen werden sollen. Am aktuellen Tag sind Inhalt, Art und Umfang der Berichterstattung Gegenstand intensiver und offener interner Debatten, um eine möglichst vielschichtige Abwägung einzelner Positionen und Perspektiven zu gewährleisten. Nach jeder ZDF-Sendung setzen sich die Redaktionsmitglieder der Sendung zusammen und besprechen diese. Welche Beiträge waren gelungen? Welche möglicherweise unverständlich? Wie haben die anderen Sender über das Thema berichtet? Außerdem findet im ZDF jeden Tag um 12 Uhr die sogenannte Schaltkonferenz statt. Dort treffen sich unter der Leitung des Chefredakteurs Redaktionsleiter und andere Führungskräfte aus dem ZDF; Studios und Redaktionen werden per Telefon- oder Videokonferenz dazu geschaltet. Neben einem Austausch über die Themen des Tages und etwaige Sondersendungen werden in jeder dieser Sitzungen ZDF-Sendungen von Kritikern aus jeweils anderen Redaktionen bewertet. Auch wird in der Schalte auf Kritik aus dem Fernsehrat, von Zuschauern oder anderen Medien eingegangen und offen über die Stichhaltigkeit dieser Kritik diskutiert.

Was passiert, wenn falsch berichtet wird?

Oberste Priorität für das ZDF hat das Vertrauen seiner Zuschauer in die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung. Vorwürfe, dass das ZDF falsch berichtet habe, werden von den Redaktionen deswegen intensiv geprüft. Stellt sich heraus, dass tatsächlich falsch berichtet wurde, gibt es grundsätzlich eine Richtigstellung auf unserer Korrekturen-Seite auf heute.de. Gewichtige Fehler korrigiert das ZDF zudem in den Sendungen, in denen die Falschmeldung verbreitet wurde. In jedem dieser Fälle wird darüber beraten, wie es zu der Falschmeldung kommen konnte und welche Konsequenzen daraus gezogen werden sollten, damit sich der Fehler möglichst nicht wiederholt.

Das ZDF strahlte allein in den verschiedenen „heute“-Sendungen und dem „heute-journal“ 2015 über 8.000 Beiträge und Schaltgespräche aus. Falschmeldungen stellen dabei eine seltene Ausnahme dar. So gab es etwa in diesem Jahr nur in rund zwei Dutzend Fällen Korrekturen auf heute.de. Wenn falsch berichtet wird, handelt es sich um Fehler, die das ZDF zu vermeiden sucht, nicht um „absichtliche Handlungen“, also nicht um „Lügen“. Im Falle absichtlicher Falschmeldungen würden personelle, arbeitsrechtliche und organisatorische Konsequenzen gezogen.

Wie werden Experten für Sendungsbeiträge ausgewählt?

Experten werden befragt, wenn es darauf ankommt, schwierige Sachverhalte zu erklären oder einzuordnen. Experten für Sendungen oder Interviews können je nach Thema etwa Wissenschaftler, Politiker, Juristen oder Verbandsvertreter sein. Das ZDF achtet bei der Auswahl der Experten darauf, dass es sich auch wirklich um Spezialisten für das jeweilige Thema handelt. Neben dem Spezialwissen ist auch von Bedeutung, ob sich die Experten vor der Kamera gut und präzise ausdrücken können. Denn das größte Wissen nützt dem Zuschauer nichts, wenn die Aussagen nur schwer verständlich sind. Wenn es zu einem Thema unterschiedliche Expertenmeinungen gibt, achtet das ZDF darauf, dass auch unterschiedliche Experten im Gesamtprogramm zu Wort kommen oder durch die Moderatoren klargestellt wird, dass es auch andere Expertenmeinungen gibt. Selbstverständlich können aber nicht in jeder Sendung sämtliche gegenläufige Expertenmeinungen vorkommen, denn dies würde regelmäßig die Sendezeit sprengen.

Das ZDF greift auch auf eigene Experten zurück. Dies sind ZDF-Journalisten etwa aus den Fachredaktionen des ZDF, die sich mit bestimmten Themen wie beispielsweise Umwelt, Terrorismus, Rechtsfragen oder Doping intensiv und seit vielen Jahren beschäftigen.

Wie werden Gäste für "maybrit illner" ausgewählt?

Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der Gäste ist die Ausgewogenheit. Die in der Gesellschaft vertretenen Meinungen zum Thema der Sendung sollen möglichst durch verschiedene Gäste repräsentiert werden. Beispielsweise werden nicht allein Regierungsvertreter, sondern regelmäßig auch Oppositionspolitiker eingeladen, die gegensätzliche Meinungen in die Gesprächsrunde einbringen. Bei maybrit illner kommen aber nicht bloß Politiker zu Wort, sondern auch Wissenschaftler, Verbandsfunktionäre, Vertreter der Zivilgesellschaft, Journalisten oder Betroffene. Entscheidend ist, dass die Gäste eine bestimmte Position zu dem Thema der Sendung eloquent vertreten und sich in der Vergangenheit bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt haben.

Durch den kontroversen Meinungsaustausch der Gäste und der Moderatorin kann der Zuschauer sich eine eigene Meinung über das Thema bilden oder seine bisherige Meinung weiterentwickeln und hinterfragen. Wegen der begrenzten Anzahl an Gästen ist es dabei aber meist nicht möglich, sämtliche in der Gesellschaft vertretenen Meinungen auch durch einen Gast vertreten zu lassen. Die Moderatorin konfrontiert ihre Gäste aber auch mit anderen gesellschaftlichen Meinungen, so dass auch diese Eingang in die Sendung finden.

Wie werden Gäste einer Wahlsendung ausgewählt?

Bei der Wahlberichterstattung orientiert sich das ZDF an dem von der Rechtsprechung entwickelten Angebot der abgestuften Chancengleichheit. Diese stellt darauf ab, ob die jeweilige Partei im Rahmen des redaktionellen Gesamtkonzepts aller auf die Wahl bezogenen Sendungen bzw. Beiträge entsprechend ihrer Bedeutung angemessen berücksichtigt wird.

Für die Ausgewogenheit der Vorwahlberichterstattung insgesamt können insbesondere folgende Kriterien relevant werden:

  • Bedeutung der Parteien im Allgemeinen (zum Beispiel aufgrund früherer Wahlerfolge, Parlamentszugehörigkeit im Bundestag oder Landtagen, Umfrage-Ergebnisse)
  • Bedeutung der Parteien hinsichtlich besonderer Themenstellungen
  • Aktueller Bekanntheitsgrad von Parteien oder Politikern
  • Grad und Ausrichtung des Öffentlichkeitsinteresses
  • Presseresonanz und aktuelle Bedeutung bestimmter Themen

Im ZDF werden auch Positionen der kleineren Parteien in der Vorwahlberichterstattung im laufenden Programm berücksichtigt, in dem sie inhaltlich in den unterschiedlichen Sendungen themenbezogen aufscheinen.

Wie muss ich mir einen typischen Tag z. B. im heute-journal vorstellen?

Einen Einblick, wie ein typischer Tag im heute-journal aussieht, zeigt dieser kurze Film: Ein Tag beim heute-journal

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