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Unterschiede und Individualität wertschätzen

Katrin Schütz über den Integrationsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

„Ziel ist ein wertschätzender und respektvoller Umgang mit Verschiedenheit und Individualität“, sagt Fernsehrätin Katrin Schütz mit Blick auf den Beitrag des ZDF zu gesellschaftlichem Zusammenhalt. Für die CDU-Politikerin ist Inklusion schon aus ihrer Biographie heraus ein sehr wichtiges Thema.

Porträt Fernsehratsmitglied Katrin Schütz
Fernsehratsmitglied Katrin Schütz
Quelle: Foto Fabry/A. Fabry

#Fernsehrat: Im Spannungsfeld zwischen Individualität und Gemeinschaft möchte das ZDF den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Das Programm soll Vielfalt zeigen und dabei das Gemeinstiftende im Blick behalten. Wie bewerten Sie diesen Ansatz?

Katrin Schütz: Als sehr gut! Ich begrüße es sehr, dass das ZDF darauf eingeht, dass viele Mitbürger/innen, unsere Zuschauer, mit Einschränkungen leben. Für mich ist es aus meiner Biographie heraus ein sehr wichtiges Thema. Ich komme aus einer großen Familie mit 7 jüngeren Geschwistern und 2 Pflegegeschwistern. Einer meiner Brüder lebt mit einer beträchtlichen Einschränkung. Mir ist es sehr wichtig, dass das ZDF sich diesen Themen annimmt. Es gilt, Diskriminierung abzubauen und Chancengleichheit zu fördern. Ein wichtiger Bestandteil dieser Zielsetzung im Hinblick auf die Programmgestaltung ist ein Dreiklang aus Sichtbarkeit, Bewusstsein und Wertschätzung. Die Sichtbarkeit der realen gesellschaftlichen Vielfalt im Programm führt zum Abbau von Berührungsängsten, Erkenntnis von Gemeinsamkeiten und gegenseitigem Respekt. Der bewusste Umgang mit der Vielfalt im Programm fördert Verständnis und bildet die Grundlage für einen offenen Diskurs. Wenn wir die Unterschiede und Individualität wertschätzen, erkennen wir die Potentiale von Diversität im Programm sowie im Unternehmen, und dies führt so zu gesteigerter Inklusion. Aktuell äußern 53 % der Bevölkerung Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. 61 % fürchten eine zunehmende Spaltung und Polarisierung. Im Spannungsfeld zwischen Individualität (Anerkennung der individuellen Entfaltung) und Gemeinschaft (Gemeinwohlorientierung) gewinnt der Integrationsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zunehmend an Bedeutung.

#Fernsehrat: Dabei geht es auch um personelle Vielfalt im Haus. Wie weit sehen Sie das ZDF in dieser Frage?

Schütz: Da ich als Fernsehrat für Programmfragen zuständig bin und nicht für Personalfragen, kann ich diese Frage nur bedingt beantworten. Meinem Eindruck nach geht das ZDF auch mit dieser Frage sensibel um und hat einen internen Diskussionsprozess über Zusammenhalt und Vielfalt gefördert. Wesentlich ist dabei, Diversität sichtbar und besprechbar zu machen. Diversität braucht als Grundlage ein gemeinsames Leitbild und eine gemeinsame Sprache, damit alle im Unternehmen das gleiche Grundverständnis haben. Das ZDF hat in den letzten Jahren vielfältige strategische Ansatzpunkte identifiziert und konkrete Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt im Unternehmen eingeleitet. Als Unternehmen steht das ZDF vor Veränderungsprozessen, um den Anforderungen in Bezug auf Diversität gerecht zu werden.

Ziel ist ein wertschätzender und respektvoller Umgang mit Verschiedenheit und Individualität. Die vielfältigen Merkmale, Erfahrungen und Leistungen von Menschen werden als Potentiale begriffen, und dieser Ansatz ist richtig. Meine grundsätzliche Haltung ist in der Frage eindeutig: öffentlich- rechtliche Sender wie das ZDF haben eine gesellschaftliche Verpflichtung. Dazu gehört auch, dass Menschen mit Einschränkungen eingestellt werden und auf der Gehaltsliste stehen.

#Fernsehrat: Die Diskussion um Diversität und Inklusion verstärkt auch die Forderungen nach mehr Barrierefreiheit. Wie bewerten Sie die Bemühungen des ZDF diesbezüglich?

Schütz: Der Ausbau des ZDF-Angebots ist deutlich sichtbar, es wurde in den letzten beiden Jahren das Angebot in allen drei Ausprägungen – Untertitel, Audiodeskription und Gebärdensprache – verbessert. Außerdem ist es besser auffindbar und leichter zugänglich geworden. Für das ZDF gehören barrierefreie Angebote seit vielen Jahren zum Selbstverständnis. Die Erwartungen der Betroffenen werden heute deutlicher denn je artikuliert. Der Wunsch nach einer inklusiven Gesellschaft, die alle Menschen einschließt, gleichberechtigt informiert und teilhaben lässt, ist unüberhörbar. Wer sich nicht umfassend informieren kann, fühlt sich abgehängt. Das ZDF betrachtet es als seine Aufgabe, den Kanon seines Programms aus Information, Kultur, Wissenschaft und Unterhaltung so aufzubereiten, dass Barrieren gar nicht erst empfunden werden. Dabei wird vor allem auf den Ausbau der Barrierefreiheit im Netz gesetzt. Technische Neuerungen, wie etwa Personalisierung oder intuitive Menüführung, können wesentlich dazu beitragen, die Nutzerfreundlichkeit seiner Angebote zu erhöhen. Die Entwicklung smarter Technologien und handhabbarer IT-Systeme sollten in Zukunft einen Schwerpunkt bilden, wenn es um weitere Investitionen in die Barrierefreiheit geht. Um einen einfachen und zentralen Anlaufpunkt für Fragen und Beschwerden in Sachen Barrierefreiheit zu bieten, wurde ZABA (Zentrale Anlaufstelle für barrierefreie Angebote, barrierefreie-medien.info) ins Leben gerufen.

#Fernsehrat: Ein Angebot in Leichter oder Einfacher Sprache soll entwickelt werden. Was muss dabei beachtet werden?

Schütz: Komplexe Themen verlangen eine besondere Sprache, damit sie via Fernsehen vermittelt werden können. Dazu zitiere ich Goethe: „Sage schwierige Dinge mit einfachen Worten.“ Das ist die Herausforderung, der sich das ZDF täglich stellen muss. Die Notwendigkeit eines Angebots in leichter oder einfacher Sprache ist unumstritten. Fachleute gehen davon aus, dass jeder fünfte in Deutschland lebende Erwachsene auf ein vereinfachtes Sprachangebot angewiesen ist, um sich in einer immer komplexer werdenden Welt zurechtzufinden. Die Zuschauerinnen und Zuschauer kommen aus allen Schichten der Bevölkerung, und mit einem vereinfachten Sprachangebot könnten auch Menschen mit geringen Deutschkenntnissen konkret angesprochen und für das ZDF gewonnen werden.

Zur Person: Katrin Schütz wurde am 20. März 1967 in Ettlingen geboren und absolvierte eine handwerkliche Ausbildung zur Damenschneiderin. Sie war 15 Jahre Geschäftsführerin eines mittelständischen Einzelhandelsunternehmens. Von 2006 bis Mai 2016 war sie Abgeordnete und Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg und von 2014 bis 2016 Generalsekretärin der CDU Baden-Württemberg. Von 2016 - 2021 war sie Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg. Katrin Schütz hat zwei erwachsene Söhne und ist verheiratet.

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