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Die Sachbuch-Bestenliste für Februar 2021

Von ZDF, Deutschlandfunk Kultur und DIE ZEIT

Maria Popova: Findungen, A. d. Englischen von S. Schäfer u. H. Reissig u. T. Rothenbücher, Diogenes, 896 Seiten, 28,– €
Maria Popova: Findungen, A. d. Englischen von S. Schäfer u. H. Reissig u. T. Rothenbücher, 896 Seiten, 28,– €
Quelle: Diogenes

1 (-) "Unser Streben nach Wahrheit", schreibt Maria Popova, werde von "unsichtbaren Verbindungen" geleitet. Etwas Neues entstehe dann, wenn sich Menschen mit unterschiedlichen Ideen zufällig begegnen. Die in Bulgarien geborene Intellektuelle porträtiert deshalb Geistesgrößen, die etwas zum ersten Mal gedacht haben: Rachel Carson etwa, Begründerin der amerikanischen Umweltbewegung. 57 Punkte

Katharina Pistor, Der Code des Kapitals, Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft, Suhrkamp, 440 Seiten, 32,–€
Katharina Pistor, Der Code des Kapitals, Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft, 440 Seiten, 32,–€
Quelle: Suhrkamp

2 (9) Wie entsteht Kapital? Für Karl Marx war die Antwort klar: Indem Kapitalisten die Arbeitskraft ihrer Angestellten ausbeuten. Die Juristin Katharina Pistor sieht das anders: "Nicht ein physischer Produktionsprozess, sondern die rechtliche Codierung ist das Entscheidende." Heißt: Kapital wird nicht in Fabriken geschaffen, sondern hinter den verschlossenen Türen der Anwaltskanzleien. 48 Punkte

Bettina Stangneth, Sexkultur, Rowohlt, 288 Seiten, 22,– €
Bettina Stangneth, Sexkultur, 288 Seiten, 22,– €
Quelle: Rowohlt

3 (3) Sex ist so natürlich, wie er Spaß machen kann. Und trotzdem: Im 21 Jahrhundert empfinden wir unsere Sexualität – das innere Tier – vor allem als Problem: Als Ursache von Missbrauch und Unzufriedenheit. Die Philosophin Bettina Stangneth plädiert für einen ehrlichen, einen positiven Blick auf die schönste Sache der Welt. Ein Hohelied auf die leidenschaftliche Liebe. 35 Punkte

Julian Barnes: Der Mann im roten Rock, A. d. Englischen von G. Krueger, Kiwi, 304 Seiten, 24,– €
Julian Barnes: Der Mann im roten Rock, A. d. Englischen von G. Krueger, 304 Seiten, 24,– €
Quelle: Kiwi

3 (-) Die Belle Époque ließe sich aus Sicht vieler großer Persönlichkeiten erzählen: Oscar Wilde etwa, Guy de Maupassant oder Marcel Proust. Der Schriftsteller Julian Barnes wählt für sein buntes Epochenporträt eine Figur, die heute weitestgehend unbekannt ist: Den Arzt Dr. Samuel Pozzi. Ein Freigeist, Visionär und Intellektueller, der sie alle kannte. 35 Punkte

Alex Ross: Die Welt nach Wagner, A. d. Englischen von G. Buschor u. G. Kotzor, Rowohlt, 912 Seiten, 40,– €
Alex Ross: Die Welt nach Wagner, A. d. Englischen von G. Buschor u. G. Kotzor, 912 Seiten, 40,– €
Quelle: Rowohlt

5 (-) Nicht um Richard Wagners Leben geht es in Alex Ross‘ Buch, sondern um sein Nachleben. Der Literaturkritiker des Magazins New Yorker zeigt: Mehr noch als die Musik hat Wagner die Philosophie, die Literatur und die Kunst beeinflusst. Wir blicken auf die Welt durch Wagners Augen. Ein Blick, der von Genie und Wahn geprägt ist. 34 Punkte

Judith Butler: Die Macht der Gewaltlosigkeit, A. d. Englischen von R. Ansén, Suhrkamp, 250 Seiten, 28,– €
Judith Butler: Die Macht der Gewaltlosigkeit, A. d. Englischen von R. Ansén, 250 Seiten, 28,– €
Quelle: Suhrkamp

6 (-) "Viele halten das Eintreten für Gewaltlosigkeit für unrealistisch, aber vielleicht sind sie zu gebannt von der Realität", schreibt die Philosophin Judith Butler. Dagegen sollten wir uns fragen, in welcher Welt wir eigentlich leben wollen. Ihre Antwort ist klar: In einer Welt radikaler sozialer Gleichheit, gewaltlos erkämpft – aber mit aller Macht. 33 Punkte

Christopher Clark: Gefangene der Zeit. Geschichte und Zeitlichkeit von Nebukadnezar bis Donald Trump, A. d. Englischen von N. Juraschitz, DVA, 337 Seiten, 26,– €
Christopher Clark: Gefangene der Zeit. Geschichte und Zeitlichkeit von Nebukadnezar bis Donald Trump, A. d. Englischen von N. Juraschitz, 337 Seiten, 26,– €
Quelle: DVA

7 (-) Ob Bexiteer-Spindoktor Dominic Cummings oder Donald Trump: Die Machtmenschen der Gegenwart mögen wie ein vollkommen neuer Typus wirken. Dabei hat schon Otto von Bismarck einen aggressiven, populistischen Politikstil gepflegt, den sich Cummings heute zum Vorbild nimmt. In 13 Essays zeigt der Historiker Christopher Clark auf, wie Vorstellungen von Macht über die Geschichte hinweg fortwirken. 30 Punkte

Hans Ulrich Gumbrecht: Prosa der Welt, Denis Diderot und die Peripherie der Aufklärung, Suhrkamp, 400 Seiten, 36,– €
Hans Ulrich Gumbrecht: Prosa der Welt, Denis Diderot und die Peripherie der Aufklärung, 400 Seiten, 36,– €
Quelle: Suhrkamp

7 (-) Denis Diderot war anders. Anders als die anderen Aufklärungsphilosophen Voltaire, Rousseau oder Kant, findet der Romanist Hans Ulrich Gumbrecht. Diderot dachte nicht in geschlossenen Systemen, verzichtete auf Schlüsselbegriffe, mied es, sich festzulegen. Wegen dieser Offenheit ist der "Denker der Kontingenz" noch heute aktuell. 30 Punkte

Philippe Sands, Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht: Lügen, Liebe und die Suche nach der Wahrheit, S. Fischer, 544 Seiten, 25,– €
Philippe Sands, Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht: Lügen, Liebe und die Suche nach der Wahrheit, 544 Seiten, 25,– €
Quelle: S. Fischer

9 (2) Als "Rattenlinien" bezeichneten US-Agenten Nazi-Fluchtrouten nach dem Krieg. Einer dieser flüchtigen NS-Verbrecher war Otto Wächter, einst Gouverneur in Polen. Nach einer Begegnung mit dessen Sohn erzählt Philippe Sands, britischer Anwalt und Bestseller-Autor, von Wächters Lebensweg. Eine Geschichte von Liebe, Intrigen, Spionage – und den Verstrickungen der katholischen Kirche. 27 Punkte

Christina Pareigis, Susan Taubes. Eine intellektuelle Biographie, Wallstein, 472 Seiten, 29,– €
Christina Pareigis, Susan Taubes. Eine intellektuelle Biographie, 472 Seiten, 29,– €
Quelle: Wallstein

10 (6) 1939 betrat Susan Taubes als Elfjährige den Boden von New York. Vor ihr lag ein kurzes Leben, verstreut auf der ganzen Welt: Sie lebte in Harvard, Jerusalem oder Paris. Wie sehr diese Ortlosigkeit des jüdischen Exils das intellektuelle Werk der Schriftstellerin Taubes prägte, zeigt diese Biografie. Dabei blieb Taubes‘ Fluchtpunkt immer Budapest, die Stadt ihrer Kindheit. 26 Punkte

Jedes Jury-Mitglied der Sachbuch-Bestenliste vergibt monatlich an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.

Die Jury der Sachbuch-Bestenliste: René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur), Peter Arens (ZDF), Susanne Billig (Deutschlandfunk Kultur), Ralph Bollmann (F.A.S.), Stefan Brauburger (ZDF), Alexander Cammann (DIE ZEIT), Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Heike Faller (DIE ZEIT), Marlen Hobrack (DIE ZEIT), Daniel Fiedler (ZDF), Jenny Friedrich-Freksa (Kulturaustausch), Manuel J. Hartung (DIE ZEIT), Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur), Kim Kindermann (Deutschlandfunk Kultur), Inge Kutter (DIE ZEIT), Hannah Lühmann (DIE WELT), Ijoma Mangold (DIE ZEIT), Tania Martini (taz), Susanne Mayer (DIE ZEIT), Christoph Möllers (HU Berlin), Catherine Newmark (Deutschlandfund Kultur), Jutta Person (freie Literaturkritikerin), Bettina von Pfeil (ZDF), Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung), Christian Rabhansl (Deutschlandfunk Kultur), Anne Reidt (ZDF), Anna Riek (ZDF), Stephan Schlak (Zeitschrift für Ideengeschichte), Hilal Sezgin (freie Autorin), Catrin Stövesand (Deutschlandfunk), Elisabeth von Thadden (DIE ZEIT)

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