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Die Sachbuch-Bestenliste für November 2021

Von ZDF, Deutschlandfunk Kultur und DIE ZEIT

Stephan Malinowski, Die Hohenzollern und die Nazis Geschichte einer Kollaboration, Propyläen, 753 Seiten, 35,– €
Stephan Malinowski, Die Hohenzollern und die Nazis Geschichte einer Kollaboration, 753 Seiten, 35,– €
Quelle: Propyläen

1 (-) Die Hohenzollern Opfer der Nazis? So sieht es zumindest das preußische Adelsgeschlecht – und fordert Entschädigung für die Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Historiker Stephan Malinowski ist Gutachter im Hohenzollern-Streit. Sein neues Buch zeigt: Familienoberhaupt Wilhelm von Preußen unterstützte die NS-Bewegung – in der Hoffnung, selbst an die Macht zurückzukehren. 82 Punkte

Daniel Schreiber, Allein, Hanser Berlin, 108 Seiten, 20,– €
Daniel Schreiber, Allein, 108 Seiten, 20,– €
Quelle: Hanser Berlin

2 (7) "Einsamkeit ist ein Gefühl, das jede und jeden von uns früher oder später einholen wird", schreibt der Publizist Daniel Schreiber. Schließlich leben wir heute individualisierter denn je. Warum aber ist das Alleinsein so negativ besetzt? Anhand persönlicher Anekdoten und philosophischer Reflexion ergründet Schreiber das Spannungsfeld aus Rückzugswunsch und Sehnsucht nach Zugehörigkeit. 78 Punkte

 Elizabeth Kolbert, Wir Klimawandler, Wie der Mensch die Natur der Zukunft erschafft, A. d. Englischen von U. Bischoff, Suhrkamp, 239 Seiten, 25, – €
Elizabeth Kolbert, Wir Klimawandler, Wie der Mensch die Natur der Zukunft erschafft, A. d. Englischen von U. Bischoff, 239 Seiten, 25, – €
Quelle: Suhrkamp

3 (2) Das Paradoxon der Klimakrise: Eingriffe in die Natur haben uns an den Rand der Katastrophe geführt – nur weitere Eingriffe können sie noch abwenden. Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Kolbert stellt kühne Ideen der Weltrettung vor: Etwa in die Luft gepusteter Diamantenstaub, der das Sonnenlicht abschwächen soll. Sie findet: Wenn der Mensch schon Gott spielt, dann bitte besser als bisher. 46 Punkte

Golo Maurer, Heimreisen, Goethe, Italien und die Suche der Deutschen nach sich selbst, Rowohlt, 497 Seiten, 28,– €
Golo Maurer, Heimreisen, Goethe, Italien und die Suche der Deutschen nach sich selbst, 497 Seiten, 28,– €
Quelle: Rowohlt

4 (8) "Dem denkenden und fühlenden Menschen geht ein neues Leben, ein neuer Sinn auf, wenn er diesen Ort betritt“ heißt es bei Goethe. Seit seiner "Italienischen Reise" ist das Land südlich der Alpen Sehnsuchtsort deutscher Intellektueller. Der Historiker Golo Maurer begibt sich auf die Spuren der "Italienschwärmer" – und stößt auch auf Abgründe: Von kolonialen Vorurteilen bis zum "Flirt mit dem Faschismus". 30 Punkte

Andreas Reckwitz, Hartmut Rosa, Spätmoderne in der Krise, Was leistet die Gesellschaftstheorie?, Suhrkamp, 310 Seiten, 28,– €
Andreas Reckwitz, Hartmut Rosa, Spätmoderne in der Krise, Was leistet die Gesellschaftstheorie?, 310 Seiten, 28,– €
Quelle: Suhrkamp

5 (-) Sie gelten als die Denker der Spätmoderne: Die Soziologen Andreas Reckwitz und Hartmut Rosa. Obwohl beide die krisenhafte Gegenwart untersuchen, unterscheiden sich ihre Ansätze grundlegend. Jetzt haben sie ein gemeinsames Buch vorgelegt. Ein akademisches Streitgespräch – und die Suche nach Gemeinsamkeiten in der Differenz. 28 Punkte

Günther Rühle, Ein alter Mann wird älter: Ein merkwürdiges Tagebuch, Alexander Verlag, 232 Seiten, 22,90 – €
Günther Rühle, Ein alter Mann wird älter: Ein merkwürdiges Tagebuch, 232 Seiten, 22,90 – €
Quelle: Alexander Verlag

6 (-) Wer Theaterstücke inszeniert, reflektiert die Gesellschaft kontinuierlich. Für Selbstreflexion dagegen blieb lange keine Zeit, beklagt Günther Rühle, ehemaliger Intendant des Schauspiels in Frankfurt. Nun, mit Mitte 90, horcht er in sich hinein – und nimmt die merkwürdigsten Dinge wahr, auch die Angst vor sich selbst. Eine innere Erkundungsreise, schonungslos ehrlich. 27 Punkte

Wolfgang Schivelbusch, Die andere Seite: Leben und Forschen zwischen New York und Berlin, Rowohlt, 336 Seiten, 26,– €
Wolfgang Schivelbusch, Die andere Seite: Leben und Forschen zwischen New York und Berlin, 336 Seiten, 26,– €
Quelle: Rowohlt

7 (-) Der Historiker Wolfgang Schivelbusch erzählt von seinem durch Amerika geprägtem Leben. Als Kind bewunderte er die GIs im Frankfurter Schwimmbad, später ging er zum Forschen nach New York und blickte aus seiner Wohnung aufs World Trade Center, bis er schließlich wieder nach Deutschland zurückkehrte. Eine Biografie, die zugleich Analyse einer komplizierten transatlantischen Freundschaft ist. 25 Punkte

David Baddiel, Und die Juden?, A. d. Englischen von S. Kleiner, Hanser, 136 Seiten, 18,– €
David Baddiel, Und die Juden?, A. d. Englischen von S. Kleiner, 136 Seiten, 18,– €
Quelle: Hanser

8 (-) "Jews don’t count" lautet der englische Originaltitel des nun auf Deutsch erschienen Buches von David Baddiel – "Juden zählen nicht." Der britische Autor und Comedian moniert: Wenn Linke Minderheiten ermächtigen wollen, sind jüdische Menschen meist nicht mitgemeint. Warum ist das so? Ein entlarvender Blick auf die Inkohärenzen der Identitätspolitik. 21 Punkte

Harald Welzer, Nachruf auf mich selbst. Die Kultur des Aufhörens, S. Fischer, 288 Seiten, 22,– €
Harald Welzer, Nachruf auf mich selbst. Die Kultur des Aufhörens, 288 Seiten, 22,– €
Quelle: S. Fischer

9 (-) Was hat der Klimawandel mit unserem Verhältnis zum Tod zu tun? Sehr viel, meint der Philosoph Harald Welzer. Wir sind unfähig, uns mit Endlichkeit zu arrangieren – deshalb drehen wir das Rad des Wachstums immer weiter. Welzer plädiert dafür das "Aufhören" wiederzuerlernen. Wie das geht? Indem man einen "Nachruf auf sich selbst" schreibt – und herausfindet, wie man gelebt haben will. 20 Punkte

Florian Illies, Liebe in Zeiten des Hasses, S. Fischer, 432 Seiten, 24,– €
Florian Illies, Liebe in Zeiten des Hasses, 432 Seiten, 24,– €
Quelle: S. Fischer

10 (-) Apocalypse, again: In seinem Bestseller "1913" porträtierte Florian Illies den Vorsommer des Ersten Weltkrieges. Das neue Buch des Kulturjournalisten setzt zwei Dekaden später an: 1933 – dem Jahr, als die goldenen Zwanziger endgültig zu Ende gingen und die Nazis die Macht ergriffen. Über emigrierende Intellektuelle und einen Käsekuchen-essenden Jean-Paul Sartre im Angesicht der Katastrophe. 18 Punkte

Jedes Jury-Mitglied der Sachbuch-Bestenliste vergibt monatlich an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.

Die Jury der Sachbuch-Bestenliste: René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur), Peter Arens (ZDF), Susanne Billig (Deutschlandfunk Kultur), Ralph Bollmann (F.A.S.), Stefan Brauburger (ZDF), Alexander Cammann (DIE ZEIT), Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Heike Faller (DIE ZEIT), Marlen Hobrack (DIE ZEIT), Daniel Fiedler (ZDF), Jenny Friedrich-Freksa (Kulturaustausch), Manuel J. Hartung (DIE ZEIT), Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur), Kim Kindermann (Deutschlandfunk Kultur), Inge Kutter (DIE ZEIT), Hannah Lühmann (DIE WELT), Ijoma Mangold (DIE ZEIT), Tania Martini (taz), Susanne Mayer (DIE ZEIT), Catherine Newmark (Deutschlandfund Kultur), Jutta Person (freie Literaturkritikerin), Bettina von Pfeil (ZDF), Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung), Christian Rabhansl (Deutschlandfunk Kultur), Anne Reidt (ZDF), Anna Riek (ZDF), Stephan Schlak (Zeitschrift für Ideengeschichte), Hilal Sezgin (freie Autorin), Catrin Stövesand (Deutschlandfunk), Elisabeth von Thadden (DIE ZEIT)

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