Ukraine-Krieg: Welche Kampfjets kommen überhaupt in Frage?

    FAQ

    Debatte um Forderung aus Ukraine:Welche Kampfjets kommen überhaupt in Frage?

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    In der Debatte um Kampfjets für die Ukraine sind viele Fragen offen: Welche Maschinen wären überhaupt einsatzbereit und wie schnell?

    MiG-29
    Polen wäre eigenen Angaben zufolge bereit, der Ukraine Kampfjets des Typs MiG-29 zu liefern (Symbolbild).
    Quelle: Reuters

    Nach der Panzer-Debatte wird nun über die Lieferung von Kampfjets an die Ukraine diskutiert. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lehnt dies strikt ab. Die Ukraine hält die Kampfflugzeuge aber für unabdingbar, um den Krieg gegen Russland zu gewinnen. Und nicht alle im Westen schließen die Lieferung von Kampfjets mehr aus. Ein Überblick:

    Was will die Ukraine?

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert auch eine Unterstützung mit Kampfjets. "Ein Sieg der Ukraine ohne moderne Luftwaffe ist kaum vorstellbar", schrieb der ukrainische Vize-Außenminister Andrij Melnyk seinerseits auf Twitter. "Deshalb brauchen wir dringend westliche Kampfjets wie F-16 & F-35 sowie Eurofighter & Tornado."
    Der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Juri Ihnat, nannte gegenüber der spanischen Zeitung "El País" jüngst als Ziel zwei Staffeln mit je zwölf Kampfflugzeugen - also insgesamt 24 Maschinen. Idealerweise solle es sich demnach um US-Kampfjets vom Typ F-16 handeln.

    Warum sind westliche Partner bei Kampfjets bisher zögerlich?

    Bei allen Waffensystemen achten die Nato-Partner bisher darauf, dass diese nicht zu einer Eskalation des Konflikts führen können. Auch wenn Kiew zusichert, dass es keine Angriffe auf russisches Staatsgebiet plant, hätte es mit Kampfjets dazu die Möglichkeit.
    Polen hatte schon kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs vorgeschlagen, der Ukraine MiG-29 aus sowjetischer Produktion zu liefern. Das US-Verteidigungsministerium hatte dies aber als zu riskant eingeschätzt, weil es von Russland als Eskalation angesehen werden könnte.
    Allerdings schließen die USA eine Lieferung von Kampfjets fast ein Jahr nach Kriegsbeginn inzwischen nicht mehr grundsätzlich aus. Und auch der niederländische Außenminister Wopke Hoekstra sagte im Januar auf eine Frage nach der Weitergabe von F-16 aus Beständen der Niederlande, seine Regierung würde eine solche Anfrage "unvoreingenommen prüfen".

    Wie schnell wären westliche Kampfjets in der Ukraine überhaupt einsetzbar?

    Selbst wenn die Ukraine nun rasch westliche Kampfflugzeuge bekäme, dürften sie auf absehbare Zeit keine Rolle im Kriegsgeschehen spielen.
    Der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal sagte dem Nachrichtenportal Politico, die Schulung von Piloten seines Landes auf westlichen Jets werde "sechs Monate oder länger" dauern. Umso wichtiger sei es, dass die Entscheidung zur Lieferung bald falle.

    Über welche Kampfflugzeuge verfügt die Bundeswehr?

    Die Luftwaffe hat nach eigenen Angaben 138 Eurofighter im Bestand. Hinzu kommen rund 85 Tornado-Kampfflugzeuge. Ihnen kommt eine besondere Rolle bei der "nuklearen Teilhabe" Deutschlands zu. Sie würden im Kriegsfall auch mit Atomwaffen der USA ausgerüstet.
    Der FDP-Verteidigungspolitiker Marcus Faber verwies allerdings darauf, dass es in der Debatte eher nicht um die Eurofighter und die alternden Tornados der Bundeswehr gehe. "Im Gespräch" seien MiG-29 sowjetischer Bauart und die F-16 des US-Konzerns Lockheed Martin, sagte er den Sendern RTL und ntv. "Gerade die MiG-29 als sowjetische Modelle sind etwas, was die Ukraine auch schon kennt."

    Woher könnten die MiG-29 kommen?

    Die Ukraine verfügt noch über diese Maschinen, ihre Piloten können also ohne weitere Schulung mit ihnen umgehen. Die Bundeswehr nutzte nach der Wiedervereinigung noch einige MiG-29 der DDR. Ende 2002 wurden alle verbliebenen 22 MiG-29 an Polen abgegeben. Ihre Weitergabe an die Ukraine müsste Deutschland als ursprünglicher Eigner wohl ausdrücklich genehmigen.
    Die "deutschen" MiG-29 sind allerdings nur ein Teil der polnischen Bestände. Und weitere Nato-Partner aus dem ehemaligen Ostblock wie die Slowakei und Bulgarien haben gleichfalls noch solche Maschinen.
    Problem wäre aber die Versorgung der MiG-29 mit Ersatzteilen. Denn diese werden in Russland hergestellt. Meist bleibt deshalb nur, andere Maschinen auszuschlachten. Bulgarien hat aus diesem Grund im November weitere F-16 aus den USA bestellt, um seine immer kleiner werdende MiG-29-Flotte zu ersetzen.

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    von Katja Belousova
    Wolodymyr Selenskyj (r), Präsident der Ukraine, und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)
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    Quelle: AFP

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