Maxim Katz: Aus dem Exil in Israel gegen den Kreml

    Maxim Katz :Aus dem Exil in Israel gegen den Kreml

    von Kathrin Eger
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    Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ging der oppositionelle Blogger Maxim Katz ins Exil. Von dort aus hofft er, die Menschen in seinem Heimatland aufrütteln zu können.

    Maxim Katz, oppositioneller Blogger in Russland
    Der russische Blogger Maxim Katz veröffentlicht seit Kriegsbeginn aus dem Exil heraus täglich ein Video zu Ereignissen in Russland und der Ukraine.
    Quelle: ZDF

    Es ist 2 Uhr nachts und die Stadt schläft, doch der Blogger Maxim Katz beginnt jetzt erst mit seinem täglichen Dreh. Das ist seine Zeit. Er sitzt auf seinem gewohnten Platz, Scheinwerfer und Kamera auf ihn gerichtet. "Glücklicherweise verlief der Krieg für Russland von Anfang an nicht gut", sagt er einsam in die Dunkelheit.
    Heute spricht er zum Thema: "Kann das Land in den Kriegszustand versetzt werden?" Von seinem kleinen Social-Media-Studio in Tel Aviv erreicht der russische Oppositionelle mit seinem Youtube-Kanal täglich Millionen Zuschauer, die meisten davon in Russland.

    Katz in Israel in Sicherheit

    Spätestens am 24. Februar 2022 wird Maxim klar, dass er seine Arbeit in Russland nicht mehr fortsetzen kann.

    Ich wusste, dass es für unabhängige Journalisten und uns Oppositionelle gefährlich wird, also habe ich meine Familie und mein Team da rausgeholt.

    Maxim Katz, oppositioneller Blogger aus Russland

    Noch im Februar verlässt er Russland und eröffnet sein Studio in Tel Aviv. "Was machst du als Jude in schwierigen Zeiten? Du gehst nach Israel." Maxim lächelt, in Israel fühle er sich sicher.
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    In Russland war er 2012 der russischen oppositionellen Partei Jabloko beigetreten und arbeitete später in Alexej Nawalnys Wahlkampfkampagne. Aus heutiger Sicht ein aussichtloser Versuch, das undemokratische Russland in einen freiheitlichen Staat zu verwandeln.

    Mehr als 1,7 Millionen Abonnenten auf Youtube

    In Zeiten des Krieges sei russische Opposition nur noch aus dem Ausland möglich. "Ich hatte keine Wahl. Als russischer Oppositioneller kannst du nicht mehr in Russland bleiben. Entweder bist du leise, du fliehst, oder du gehst ins Gefängnis." In den vergangenen Monaten verurteilte die russische Justiz mehrere Kreml-Kritiker, zuletzt den Politiker Wladimir Kara-Mursa zu 25 Jahren Straflager.
    Doch im Gegensatz zu früher ist es heute über Social Media möglich, aus dem Ausland weiterhin aktiv zu sein. Auf Youtube hat Katz bereits über 1,7 Millionen Abonnenten.

    Natürlich beeinflusse ich nicht ganz Russland, aber einen Teil, und der ist es wert.

    Maxim Katz, oppositioneller Blogger aus Russland

    Seit Kriegsbeginn lädt er jeden Tag ein Video hoch. "Wir lassen keinen Tag aus", bekräftigt Katz. Meistens beziehen sich seine Themen auf aktuelle Ereignisse in Russland und der Ukraine.

    Katz wird als "ausländischer Agent" eingestuft

    Ihm und seinem Team ist es wichtig, den Bürgern im Land einen Zugang zu staatlich unabhängigen Medien zu ermöglichen. "Viele wollen Russland verlassen, können es aber nicht, weil sie sich um Angehörige kümmern müssen." Doch sie schauen heimlich die Videos von Maxim. Und diese sind in vielerlei Hinsicht nützlich: Vor einigen Tagen veröffentlicht er eine Videoreihe, in der er erklärt, wie russische Bürger vermeiden können, zur Armee eingezogen zu werden.
    Auch der Regierung bleiben Maxims Aktivitäten nicht verborgen. Im Juli 2022 stuft sie ihn als "Ausländischen Agenten" ein. Bei einer Rückkehr drohe ihm ein Strafverfahren. "Es wird nicht immer so sein. Ich glaube an meine Rückkehr in ein demokratisches freies Russland." Bis dahin bleibt er in Israel und hofft wie viele andere Journalisten und Kreml-Kritiker auf ein baldiges Ende des Regimes von Präsident Wladimir Putin.
    Die Nacht geht allmählich in den Morgen über. Katz beendet sein Video. "Nicht das Land, sondern der russische Bürger wird unter einem Kriegszustand am meisten leiden." Anschließend verabschiedet er sich wie gewohnt von seinen Zuschauern: "Bis morgen!"
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