Rundrücken vermeiden: Welche Körperhaltung ist die richtige?
Wie man Verschleiß vorbeugt:Körperhaltung - welche ist die richtige?
von Anja Baumann und Julia Tschakert
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Der Rücken krumm, der Kopf vorgeschoben - eine schlechte Haltung erkennt man schnell. Die kann zu Verspannungen und auch zu Verschleiß führen. Was man dagegen tun kann.
Gibt es überhaupt die richtige Körperhaltung? Und warum sollte man Fehlhaltungen vermeiden? Zwei Experten klären auf.10.07.2024 | 5:30 min
Bei einer schlechten Körperhaltung spielt häufig der Beruf eine Rolle. Wer den ganzen Tag mit gebeugtem Rücken vor dem Bildschirm sitzt und sich kaum bewegt, muss sich nicht wundern, wenn sich bestimmte Muskeln verkürzen oder verhärten. Die einseitige Belastung kann auch zu einer Fehlhaltung führen. Die sei dann quasi in den Körper reinprogrammiert, sagt Orthopäde Jörg Bethge.
So ein Kopf ist bis zu sechs, sieben Kilo schwer. Wenn ich kein Gegentraining mache, dann kriege ich da natürlich eine Überlastung.
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Dr. Jörg Bethge, Orthopäde
Aus dem Grund sei auch das Handy eine "super Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Orthopäden", so Bethge weiter. Schon junge Leute, die ständig aufs Handy schauten, riskierten einen so genannten Handynacken.
Verspannter Nacken, Schmerzen beim Drehen des Kopfes, Kribbeln in den Fingern, all das können direkte Folgen einer schlechten Körperhaltung sein. Schuld sind meist verhärtete Muskeln, die auch auf Nerven drücken können. Sogar Taubheitsgefühle in Armen und Beinen können die Folge sein, bis hin zu Problemen mit dem Magen. Denn wenn man ständig nach vorne gebeugt sitzt oder läuft, kann das Auswirkungen auf die Bauchorgane haben.
Langfristig kann es bei einer einseitigen oder starken Belastung der Wirbelsäule zu schwerwiegenderen Problemen wie einem schmerzhaften Bandscheibenvorfall kommen. Auch verkürzte Bauch- und Brustmuskeln oder eine verhärtete Nackenmuskulatur können Folgen einer Fehlhaltung sein. Durch mangelnden Ausgleich sind häufig die Rückenmuskeln zu schwach. Im schlimmsten Fall kann das zu dauerhaften Verformungen führen, bis hin zu einem sogenannten Witwenbuckel.
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Was eine richtige Körperhaltung ausmacht
Wer jetzt denkt, er müsse sich einfach nur immer gerade halten, liegt falsch. "Brust raus, Bauch rein!" ist für die wenigsten das richtige Konzept, jedenfalls auf Dauer. Es geht vielmehr darum, nicht ständig in der gleichen Position zu verharren, sondern die Körperhaltung immer wieder zu verändern.
In der Haltungsveränderung gehe es erst einmal darum, statische Situationen zu unterbrechen, erläutert Physiotherapeutin Martha Bethge-Koch. Denn die eine, richtige Körperhaltung gebe es nicht.
Wir wollen nicht eine neue statische Situation erschaffen.
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Dr. Martha Bethge-Koch, Physiotherapeutin
Die Wirbelsäule sei auf Bewegung ausgelegt. Wichtig sei, das Repertoire zu erweitern, was an geeigneten Haltungen zur Verfügung stehe und zu lernen, die eigenen körperlichen Signale einzuordnen.
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Erster Schritt: Gesamtsystem betrachten
Jedes Ereignis schlage sich im Körper auf die Haltung nieder, so Orthopäde Bethge, zum Beispiel, wenn sich jemand den Fuß verletze. Vieles sei Kompensation, etwa um Schmerzen zu vermeiden. Dadurch hätte jeder sein ganz einzigartiges Haltungsprofil, das oft auch wichtiger Hinweisgeber auf Probleme sei. Faktoren wie Bandscheibenvorfälle oder Arthrose müssten bei der Betrachtung mit einbezogen werden. Viele Haltungen funktionierten, solange man nicht in die Überlastung komme.
Wir müssen sehr behutsam sein, wo wir eingreifen.
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Dr. Jörg Bethge, Orthopäde
Die Aufgabe von Orthopäden und Physiotherapeuten sei daher, zunächst das jeweilige Gesamtsystem zu betrachten und zu verstehen.
Ob es jemandem gut geht oder nicht, können wir häufig schon an der Körperhaltung erkennen. Eine gute Körperhaltung kann auch das Selbstwertgefühl positiv beeinflussen. In einer Meta-Analyse konnten Psychologen belegen, dass es eine eindeutige Auswirkung der Körperhaltung sowie von Bewegungsmustern auf die Psyche gibt.
Der Studie zufolge wirke sich eine zusammengesunkene Körperhaltung negativ auf den Zustand des Probanden aus. Es gebe jedoch keine Hinweise dafür, dass eine betont expansive Körperhaltung im Sinne des Power Posings positive Effekte habe. Power Posing bedeutet, dass jemand extra eine Körperhaltung einnimmt, die als Ausdruck von Macht gilt. Die Studienlage ist hier allerdings uneinheitlich.
Es gibt zudem zahlreiche Studien, die ergeben haben, dass die Körperhaltung Gedächtnis und Wahrnehmung beeinflussen und sogar widerstandsfähiger gegen Stress machen kann.
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Auch die Erziehung hat Einfluss auf die Körperhaltung
Die Grundlagen für unsere Körperhaltung werden schon in der Kindheit gelegt, sagt Psychotherapeut und Orthopäde Bethge. Und weiter: Wir hätten alle Wertesysteme, die wir von zu Hause mitnehmen, auch im Hinblick darauf, wie man gehen und sich halten soll.
Es könne auch sein, dass ein zwölfjähriges Mädchen einen großen Schub mache und plötzlich größer als die anderen Kinder sei. Weil es sich deshalb schäme, würde es sich klein machen und krumm, um nicht aufzufallen.
Physiotherapeutin Martha Bethge-Koch ergänzt: "Solche Haltungen sind dann wie zementiert. Da kann ich hinterher noch so ins Fitnessstudio gehen, aber im Hinterkopf ist dieses Programm, das sagt: Mach dich klein!
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Wie man Körperhaltungen findet, die gut für einen sind
Wer an seiner Haltung arbeitet, kann auf Hindernisse stoßen. Es kann plötzlich hier zwicken oder dort drücken. Wichtig ist deshalb, auch zu lernen, diese Empfindungen einzuordnen, etwa mithilfe eines Physiotherapeuten. Wer seine möglichen Korrekturen dann erarbeitet hat, kann sie immer wieder in den Alltag einbauen, indem sogenannte Anker gesetzt werden.
Ein guter Anker sei eine immer wiederkehrende Alltagssituation. Zum Beispiel: Sobald man etwas getrunken habe und das Glas wieder abstelle, die Haltung ändern und das kurz halten, so Martha Bethge-Koch. Es sei wichtig, diese Anker zufällig verteilt im Alltag einzubauen.
Die beste Haltung ist die nächste Haltung.
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Dr. Jörg Bethge, Orthopäde
Denn auch vermeintlich gute Haltungen, die länger gehalten werden, könnten wieder zu Problemen führen.
Quelle: dpa
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